28.07.2016 13:30

«#fail»

Leuthard ruft zum Energie-Sparen auf – im Flugzeug

In einem Interview sagte Umweltministerin Doris Leuthard: «Die Bevölkerung muss sparsamer werden.» Dass sie dies im Bundesratsjets tat, sorgt für Spott.

von
daw
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In einem Interview im «Blick» vom Donnerstag ermahnt Doris Leuthard die Bevölkerung, mit den Ressourcen sparsam umzugehen. Das Gespräch fand im Flieger statt.

In einem Interview im «Blick» vom Donnerstag ermahnt Doris Leuthard die Bevölkerung, mit den Ressourcen sparsam umzugehen. Das Gespräch fand im Flieger statt.

Ausriss «Blick»
Im Bundesratsjet flog sie zurück in die Schweiz, nachdem sie mit den Solar-Impulse-Piloten Piloten Bertrand Piccard und André Borschberg posiert hatte.

Im Bundesratsjet flog sie zurück in die Schweiz, nachdem sie mit den Solar-Impulse-Piloten Piloten Bertrand Piccard und André Borschberg posiert hatte.

Keystone/Peter Klaunzer
Die CVP-Politikerin herzt Piccard.

Die CVP-Politikerin herzt Piccard.

Keystone/Peter Klaunzer

Am Dienstag hatte Bundesrätin Doris Leuthard (CVP) einen medienwirksamen Auftritt: Sie jettete in die Vereinigten Arabischen Emirate, um die Solarflugpioniere Bertrand Piccard und André Borschberg in Empfang zu nehmen.

Auf dem Rückflug von Abu Dhabi in die Schweiz gewährte sie dem «Blick» ein Interview – und erklärte, warum sie die Initiative für eine grüne Wirtschaft ablehnt. Gleichzeitig sagte sie: «Für kommende Generationen muss die Bevölkerung ihr Verhalten überdenken und sparsamer werden, vor allem in Bezug auf Energie, Boden und Wasser.» Wir könnten uns den heutigen hohen Ressourcenverbrauch leisten, weil wir ein reiches Land seien. «Aber wir importieren ihn auch auf Kosten anderer Länder.»

«Marie Antoinette lässt grüssen»

Dass Leuthard die Bevölkerung ausgerechnet im Bundesratsjet zum schonenden Umgang mit den Ressourcen anhält, sorgt in den sozialen Netzwerken für geharnischte Reaktionen. FDP-Vize Christian Wasserfallen findet den Auftritt «grotesk»:

SVP-Nationalrat Claudio Zanetti vergleicht die Umweltministerin gar mit Marie Antoinette, der Gemahlin von Ludwig XVI. zur Zeit des Ancien Régime. Sie war für ihren verschwenderischen Lebenswandel berühmt.

SP-Sprecher Michael Sorg findet, dass der Ort geschickter hätte gewählt werden können:

Weitere Twitterer werfen Leuthard Doppelmoral vor:

«CO2-Ausstoss kompensiert»

Leuthards Sprecher Peter Frey verweist darauf, dass das Umweltdepartement alle Dienstflüge, also auch jene mit dem Bundesratsjet, kompensiere. «Für die CO2-Kompensation kaufen die einzelnen Dienststellen Zertifikate im Umfang der verursachten CO2-Emissionen. Das Bundesamt für Umwelt beschafft zentral einmal im Jahr die erforderlichen Zertifikate im Ausland.»

Auch dafür, dass Leuthard den Bundesratsjet und nicht einen Linienflug nahm, hat Frey eine Erklärung: «Frau Bundesrätin Leuthard ist kurzfristig für Herrn Bundespräsident Schneider-Ammann eingesprungen, der aufgrund einer Terminkollision verhindert war. Daher musste Frau Leuthard auf die bereits reservierte Logistik zurückgreifen.»

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