Nach Ja zur «Ehe für alle» - LGBTIQ-Vertreterinnen fordern Vaterschaftsurlaub für lesbische Paare
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Nach Ja zur «Ehe für alle»LGBTIQ-Vertreterinnen fordern Vaterschaftsurlaub für lesbische Paare

Die Schweiz hat entschieden: Künftig dürfen homosexuelle Paare heiraten, lesbischen Paaren steht die Samenspende offen. Auch sie sollen nun vom Vaterschaftsurlaub profitieren.

von
Christina Pirskanen
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Vergangenen Sonntag wurde die «Ehe für alle» angenommen. Lesbische Paare haben neu Zugang zur Samenspende. Deshalb sollen sie in Zukunft vielleicht auch vom Vaterschaftsurlaub profitieren können.

Vergangenen Sonntag wurde die «Ehe für alle» angenommen. Lesbische Paare haben neu Zugang zur Samenspende. Deshalb sollen sie in Zukunft vielleicht auch vom Vaterschaftsurlaub profitieren können.

20min/Simon Glauser
Dazu will GLP-Nationalrätin Kathrin Bertschy nun eine Motion beim Bundesrat einreichen.  Sie erwartet, dass der Bundesrat das Anliegen entgegennimmt und die Gesetzesänderung vorbereitet. «Alles andere würde mich überraschen.»

Dazu will GLP-Nationalrätin Kathrin Bertschy nun eine Motion beim Bundesrat einreichen. Sie erwartet, dass der Bundesrat das Anliegen entgegennimmt und die Gesetzesänderung vorbereitet. «Alles andere würde mich überraschen.»

PARLAMENTSDIENSTE
«Das man einem Teil der Eltern nun den ‹Vaterschaftsurlaub› verweigert, kann nicht im Sinne der Stimmbürger gewesen sein», sagt die Nationalrätin. Der Vaterschaftsurlaub sei eingeführt worden, um die Eltern-Kind-Beziehung zu stärken. Das solle nun auch für Frauenpaare gelten und den Kindern zugutekommen.

«Das man einem Teil der Eltern nun den ‹Vaterschaftsurlaub› verweigert, kann nicht im Sinne der Stimmbürger gewesen sein», sagt die Nationalrätin. Der Vaterschaftsurlaub sei eingeführt worden, um die Eltern-Kind-Beziehung zu stärken. Das solle nun auch für Frauenpaare gelten und den Kindern zugutekommen.

AFP

Darum gehts

  • Nach der Annahme der «Ehe für alle» fordern Politiker und Verbände nun den Vaterschaftsurlaub für lesbische Paare.

  • GLP-Nationalrätin Kathrin Bertschy werde dazu eine Motion einreichen.

  • Der Dachverband Regenbogenfamilien fordert eine Elternzeit, davor müsse aber der Vaterschaftsurlaub für Mütter gelten.

  • SVP-Nationalrätin Diana Gutjahr sieht das anders: Man hätte sich diese Thematik vorher überlegen sollen.

Mit der Annahme der Initiative «Ehe für alle» dürfen in der Schweiz gleichgeschlechtliche Paare ab dem 1. Juli 2022 heiraten. Für lesbische Paare mit Kinderwunsch kommt noch ein Punkt dazu: Sie haben neu Zugang zur Fortpflanzungsmedizin und können sich den Kinderwunsch via Samenspende erfüllen. Stand jetzt ist die Ehegattin der Mutter jedoch vom kürzlich verabschiedeten zehntägigen Vaterschaftsurlaub ausgeschlossen: Dieser gilt laut Gesetz nur für den Vater, also den Mann, schreibt auch die Anwaltskanzlei Voillat Facincani Sutter und Partner in einem Beitrag. «Es scheint, der Gesetzgeber hat diesen Fall schlicht vergessen», so das Fazit.

Motion kurz vor Einreichung

Die GLP-Nationalrätin und «Ehe für alle»-Initiantin Kathrin Bertschy hat sich der Thematik bereits angenommen. «Ich werde noch in der laufenden Herbstsession eine Motion einreichen», so Bertschy. Bei der Abstimmung zum Vaterschaftsurlaub im vergangenen Jahr sei es darum gegangen, das Eltern-Kind-Verhältnis zu stärken. Das solle nun genauso Gültigkeit bei Frauenpaaren haben und vor allem den Kindern zugutekommen. «Das man einem Teil der Eltern nun den ‹Vaterschaftsurlaub› verweigert, kann nicht im Sinne der Stimmbürger gewesen sein», sagt die Nationalrätin. Bertschy erwartet, dass der Bundesrat das Anliegen entgegennimmt und die Gesetzesänderung vorbereitet. «Alles andere würde mich überraschen.»

Der Dachverband Regenbogenfamilien geht sogar noch einen Schritt weiter: So ist es für Geschäftsführerin Maria von Känel «sonnenklar», dass es eine Elternzeit und einen möglichst gleich langen Anspruch für alle Elternteile brauche. «Bis es soweit ist, muss aber schleunigst der Vaterschaftsurlaub zumindest auch für Mütter gelten.»

«Nun ist es, wie es ist»

SVP-Nationalrätin Diana Gutjahr sass letztes Jahr im Nein-Komitee gegen den Vaterschaftsurlaub, stimmte nun aber mit «Ja» zur «Ehe für alle»-Initiative. Wie Gutjahr sagt, habe sie bereits bei der Abstimmung zum Vaterschaftsurlaub davor gewarnt, dass die Thematik nicht ganzheitlich betrachtet wird und deshalb auch bald für gleichgeschlechtliche Paare aktuell sein wird: «Man wusste, dass diese Forderung kommen wird. Das hätte man sich allerdings während der Gesetzesdebatte überlegen sollen. Nun ist es, wie es ist.»

Sie sei dagegen, Gesetze immer weiter auszuweiten – und deshalb auch gegen einen Vaterschaftsurlaub für lesbische Paare, so Gutjahr. «Beim Mutterschaftsurlaub ist der Fall immer klar, das wird immer nur eine Frau sein können.» Beim Vaterschaftsurlaub sei es heute so geregelt, dass der Vater ein Mann ist, aber für den Bezug nicht im gleichen Haushalt leben muss. Dies sei laut Gutjahr auch eine Fehlkonstruktion. Der Staat habe schlussendlich nicht alle Eventualitäten zu regeln, schon gar nicht was eigenverantwortlich mit Ferienbezug gehe. «Jetzt brauchen wir deshalb nicht noch mehr Regeln vom Staat.»

LGBTIQ: Hast du Fragen oder Probleme?

Hier findest du Hilfe:

LGBT+ Helpline, Tel. 0800 133 133

Du-bist-du.ch, Beratung und Information

Lilli.ch, Information und Verzeichnis von Beratungsstellen

Milchjugend, Übersicht von Jugendgruppen

Elternberatung, Tel. 058 261 61 61

Pro Juventute, Beratung für Kinder und Jugendliche, Tel. 147

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