Libanon: EU stellt bis zu 7000 Mann
Aktualisiert

Libanon: EU stellt bis zu 7000 Mann

Die bislang nur zögerliche Aufstockung der UN-Truppe im Libanon, der derzeit 2000 Soldaten angehören, ist in Gang gekommen, nachdem der französische Staatspräsidenten Jacques Chirac insgesamt 2000 Mann zugesagt hatte.

Mit der umfangreichen Beteiligung der Europäischen Union werde «das Rückgrat der UNIFIL europäisch sein», sagte Frankreichs Aussenminister Philippe Douste-Blazy am Freitag am Rande des EU-Aussenministertreffens in Brüssel.

«Diese Konferenz war ein Erfolg», sagte UNO-Generalsekretär Kofi Annan, der an der Sonderkonferenz der EU-Minister teilgenommen hatte. «Die EU nimmt ihre Verantwortung wahr.»

Annan: Italien wird Truppe führen

Annan kündigte in Brüssel zudem an, die Truppe solle erst von Frankreich und dann ab Februar kommenden Jahres von Italien geführt werden. Derzeit steht die UNIFIL-Truppe unter dem Kommando des französischen Generals Alain Pellegrini. Dieser soll nach dem Vorschlag Annans im Amt bleiben, bis Italien im nächsten Jahr das Kommando übernimmt.

Italien hatte zuvor eine gemeinsame Führung der UNO-Truppe vorgeschlagen und einen Beitrag von bis zu 3000 Soldaten in Aussicht gestellt. Am Donnerstagabend hatte Frankreich die Entsendung von 2000 Soldaten angekündigt.

Weitere Truppen zugesagt

Belgien kündigte am Freitag an, knapp 400 Soldaten zu entsenden, vor allem Sprengstoffexperten, Pioniere und medizinisches Personal. Spanien hat 700 bis 800 Soldaten angekündigt. Ein Diplomat sprach gar von 1200 Soldaten.

Deutschland will mit Marineeinheiten die Seegrenze Libanons schützen. Der abschliessende Entscheid zum Einsatz steht aber noch aus.

Merkel: «Wiederbelebung des Nahostquartetts»

Bei ihrem Treffen mit dem französischen Präsidenten Jacques Chirac in Paris forderte die deutsche Bundeskanzlerin Angela Merkel eine neue Initiative des «Nahostquartetts» (EU, USA, UN, Russland), um die Libanon-Friedenstruppe in einen «politischen Prozess» einzubetten.

Man müsse «an der Road Map weiterarbeiten, auch wenn das sehr schwierig erscheint», um die «wesentlichen Konflikte» im Nahen Osten zu lösen.

Schweiz schickt Minensuchgeräte

Die Schweiz kündigte derweil an, Material zur Minenräumung und zur Zerstörung von Blindgängern nach Libanon zu schicken. Zudem reist ein Minenräumexperte der Armee nach Südlibanon, wo er während rund einer Woche Minenräumer in der Handhabung instruieren soll.

Das zivile UNO-Minenräumprogramm habe die Schweiz um das Material angefragt, teilte das Eidg. Departement für Verteidigung, Bevölkerungsschutz und Sport (VBS) mit. Der Einsatz des Spezialisten sei zivil und unbewaffnet.

Fust warnt vor Zuwarten bei Hilfe

Laut dem Chef der Direktion für Entwicklung und Zusammenarbeit (DEZA), Walter Fust, darf die Schweiz bei der Sprechung weiterer Gelder für die Hilfe im Libanon nicht noch länger zuwarten. Die radikalislamische Hisbollah sei seinen Informationen zufolge mit rund 11 000 Helfern im Süden Libanons bereits im Einsatz.

Dabei sei die Hisbollah sehr gut organisiert, räumte der DEZA- Chef gegenüber der Nachrichtenagentur SDA ein. Wenn die internationale Hilfe dort nicht Fuss fassen könne, sei schon das Terrain für den nächsten Konflikt vorbereitet.

(sda)

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