Aktualisiert 15.02.2006 01:19

Libanon gedenkt Hariris

Hunderttausende von Libanesen haben sich am Dienstag in Beirut versammelt, um an das Attentat auf den ehemaligen Ministerpräsidenten Rafik Hariri vor einem Jahr zu erinnern. Sie schwenkten libanesische Fahnen und Bilder des Getöteten.

Hunderttausende Libanesen haben am Dienstag der Ermordung des ehemaligen Ministerpräsidenten Rafik Hariri vor einem Jahr gedacht. Die Demonstranten versammelten sich auf dem Platz der Märtyrer, wo Hariri begraben liegt.

Nach Angaben von Übergangsinnenminister Ahmad Fatfat demonstrierten mehr als eine Million Libanesen in der Hauptstadt Beirut. Die Kundgebung war von einem antisyrischen Parteienbündnis organisiert worden, dem auch die Partei von Hariris Sohn Saad angehört.

«Wir vermissen dich», stand auf Plakaten, auf denen ein lächelnder Hariri abgebildet war. «Sie fürchteten dich, darum haben sie dich getötet», riefen einige. Viele Menschen schwenkten Fahnen. An der Kundgebung nahmen neben Saad Hariri auch Drusenführer Walid Dschumblatt und der Christen-Milizenführer Samir Geagea teil.

Nach den gewaltsamen Protesten gegen Mohammed-Karikaturen in europäischen Zeitungen waren die Sicherheitsvorkehrungen besonders hoch. Tausende Soldaten und Polizisten waren im Einsatz.

Zahlreiche Libanesen erneuerten ihre Vorwürfe, hinter dem Mord an Hariri stecke Syrien. Saad Hariri übte in einer Rede scharfe Kritik an dem pro-syrischen libanesischen Präsidenten Emile Lahoud. Er forderte ihn zum Rücktritt auf und bezeichnete ihn als Agenten des syrischen Präsidenten Baschar el Assad.

UNO-Ermittler verdächtigen Syrien

Höchste syrische Geheimdienstoffiziere und deren Verbündete in Libanon sollen nach Erkenntnissen eines internationalen UNO- Ermittlerteams in das Hariri-Attentat verwickelt gewesen sein. Die UNO-Ermittler hatten auch die Verhaftung einiger Ex-Funktionäre der libanesischen Sicherheitsdienste veranlasst.

Im Ermittler-Team, das bis Januar vom deutschen Oberstaatsanwalt Detlev Mehlis geleitet worden war, waren auch zwei Spezialisten des Bundesamts für Polizei (fedpol) beteiligt. Bereits kurz nach dem Attentat hatten zudem fünf Schweizer Ermittler an einer Voruntersuchung in Libanon teilgenommen.

Das Attentat ist bis heute nicht vollständig aufgeklärt. Die Regierung in Damaskus bestreitet trotz der UNO-Untersuchung weiterhin eine Beteiligung an dem Anschlag.

Das Attentat und seine Folgen

Der Tod Hariris hatte die politische Landschaft im Libanon auf den Kopf gestellt. Der Syrienkritiker Hariri war zwischen 1992 und 2004 Ministerpräsident. Das Attentat hatte die internationale Unterstützung für Libanon schlagartig verstärkt und zugleich den Druck auf das Land erhöht.

Massenproteste zwangen das Nachbarland Syrien nach drei Jahrzehnten seine Truppen abzuziehen. Die Wahl im vergangenen April brachte erstmals seit dem Ende des 15-jährigen Bürgerkriegs 1990 eine anti-syrische Mehrheit ins Parlament.

Allerdings wurden seitdem mehrere Anschläge auf syrien-kritische Politiker und Journalisten verübt. Auch das Aufflammen religiöser Spannungen hat Befürchtungen aufkommen lassen, Libanon könnte erneut in die Instabilität rutschen. (sda)

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