Deutsche Bank: Libor-Ermittler nehmen Vorstand ins Visier
Aktualisiert

Deutsche BankLibor-Ermittler nehmen Vorstand ins Visier

Bis anhing gingen die Ermittler des Libor-Skandals bei der Deutschen Bank davon aus, der Vorstand habe nur bei der Organisation geschlampt. Jetzt wird auf Mitwissen ermittelt.

Im Skandal um Zinsmanipulationen rückt nun auch das Topmanagement der Deutschen Bank ins Visier der Finanzaufseher. Die deutsche Aufsichtsbehörde BaFin hat ihre Sonderprüfung Finanzkreisen zufolge vertieft und auf den Vorstand ausgeweitet.

Nun werde geprüft, ob und inwieweit Spitzenmanager rund um die Chefs Anshu Jain und Jürgen Fitschen von der Manipulation des Interbanken-Zinssatzes Libor gewusst hätten, sagten mehrere mit den Untersuchungen vertraute Personen der Nachrichtenagentur Reuters am Donnerstag. Es gehe um die Frage der Verantwortung des Vorstands, sagte ein Insider.

Bislang hat die BaFin lediglich festgestellt, dass organisatorische Mängel die Tricksereien erleichtert hätten. Sie sah aber - wie der Verwaltungsrat der Bank - keine Mitschuld von Vorständen.

Das grösste deutsche Geldhaus und die BaFin wollten sich nicht zur Ausweitung der Untersuchungen äussern. Die EU-Kommission hatte der Bank am Vortag mit 725 Mio. Euro für ihre Rolle im Libor-Skandal die höchste Geldstrafe ihrer Geschichte aufgebrummt. Insgesamt erhielten die am Skandal beteiligten sechs Grossbanken eine Busse von 1,7 Milliarden Euro.

UBS von Kronzeugenregelung profitiert

Die UBS und die britische Barclays Bank kamen dagegen ungeschoren davon, weil sie von der Kronzeugenregelung profitierten und als Erste auspackten. «Andernfalls wäre die UBS für ihre Beteiligung an fünf der sieben Zuwiderhandlungen mit einer Geldbusse von 2,5 Milliarden Euro belegt worden», hatte die EU-Kommission am Vortag mitgeteilt.

Die Chefs der Deutschen Bank, Jain und Fitschen, sprachen von «Altlasten». Die Bank werde sicherstellen, dass Ähnliches nie wieder vorkommen könne. Kritiker bezweifeln allerdings, dass der von beiden Topbankern ausgerufene «Kulturwandel» am Ende gelingen werde.

Die Schweizer Finanzmarktaufsicht Finma hatte bereits Ende letzten Jahres ihre Untersuchung gegen die UBS im Libor-Skandal abgeschlossen. In das Vergehen seien zahlreiche Mitarbeitende und einige Führungskräfte involviert gewesen. Die Finma hatte keine Hinweise gefunden, dass das damalige Topmanagement davon gewusst habe.

Die Finma zog bei der UBS unrechtmässige Gewinne von 59 Mio. Fr. ein. Weitere 160 Mio. Pfund musste die Bank an die britische Finanzaufsicht (FSA) entrichten, 1,2 Mia. Fr. gingen an die US-Behörden. Insgesamt musste die UBS im vergangenen Jahr wegen der Libor-Affäre 1,4 Mia. Fr. Strafe zahlen.

Weitere Anklagen in USA

Auch in den USA bekommen Grossbanken die Nachwehen der Krise weiter zu spüren. Generalstaatsanwalt und Justizminister Eric Holder kündigte in einem Reuters-Interview weitere Klagen gegen Banken an, die Hypotheken-Papiere verkauften, welche die Finanzkrise verschärft haben.

Im November hatte die US-Investmentbank J.P. Morgan sich auf einen Vergleich über 13 Mia. Dollar eingelassen. Derzeit liefen eine Reihe von Untersuchungen, sagte Holder. Er hoffe, dass die nächste Anklage-Runde bald nach Neujahr erfolgen werde. Namen der betroffenen Banken nannte er nicht. Die Geldhäuser wüssten aber bereits Bescheid. (sda)

Deine Meinung