Aktualisiert 21.03.2011 15:49

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Libyen am 22. Februar - Gaddafis Rede

Gegen Ende eines weiteren blutigen Tages hat Staatschef Muammar al Gaddafi in einer wutentbrannten Rede seinem Volk gedroht. Der Diktator verliert an Rückhalt, die Welt ringt um eine Rektion.

Die Situation am Dienstagmorgen:

Erstmals seit Beginn der Unruhen meldete sich Muammar Gaddafi öffentlich zu Wort und erklärte am frühen Dienstagmorgen im Staatsfernsehen, er halte sich in Tripolis auf.

«Ich bin hier, um zu zeigen, dass ich in Tripolis bin und nicht in Venezuela», erklärte er in der kurzen Aufzeichnung. Er habe eigentlich seine Anhänger auf dem Grünen Platz besuchen wollen, dann habe ihn aber der Regen davon abgehalten, sagte Gaddafi weiter.

Gaddafi trug während der nur wenige Sekunden langen Aufnahme, die wie ein Sketch wirkte, einen Regenschirm in der Hand. Er sass dabei in einem alten Auto und murmelte leise vor sich hin. Nach Angaben des staatlichen Senders wurde der Auftritt «live» aus Gaddafis Residenz übertragen.

Kampfjets gegen Demonstranten

Am Montag hatte sich die Lage in Libyen dramatisch zugespitzt. Über Tripolis donnerten am Abend laut Augenzeugenberichten Kampfflieger hinweg. Die Kommunikationsverbindungen in die Stadt waren unterbrochen, und auch Handyanrufe nach Libyen waren vom Ausland aus unmöglich.

Scharfschützen bezogen auf Dächern Stellung, offenbar um Regierungsgegner von ausserhalb davon abzuhalten, sich den immer massiveren Protesten gegen Gaddafi anzuschliessen, wie ein in London ansässiger Aktivist unter Berufung auf Bewohner sagte.

Hunderte Tote

Bei dem Versuch, die Proteste gegen Gaddafi niederzuschlagen, töteten libysche Sicherheitskräfte nach Medienberichten allein am Montag mehr als 150 Menschen. In Bengasi sollen seit Beginn der Unruhen etwa 400 Menschen ums Leben gekommen sein. Nachprüfbare Angaben über die Zahl der Todesopfer gibt es nicht.

Gaddafis Sohn Saif al-Islam wies Berichte über eine Bombardierung bewohnter Stadtgebiete zurück. Die Informationen über Angriffe in Tripolis und Bengasi seien falsch, liess er verlauten.

Gewalt verurteilt

Knapp eine Woche nach Ausbruch der Krise ruft die Lage in Libyen nun auch den UNO-Sicherheitsrat auf den Plan. Das höchste Gremium der Vereinten Nationen will sich am heutigen Dienstag zu einer Sitzung treffen. Das teilten die Vereinten Nationen in der Nacht mit.

US-Aussenministerin Hillary Clinton verurteilte die Gewalt in Libyen und rief Gaddafis Regierung zu einem Ende «dieses unverantwortlichen Blutvergiessens» auf. Die Welt sei alarmiert über die Vorgänge in Libyen, sagte Clinton am Montag in Washington.

Risse im System

Auch im Innern des Machtzirkels um Gaddafi wenden sich immer mehr Personen vom Herrscher ab. Eine Gruppe von Offizieren forderte dem Sender Al Arabija zufolge alle Armeeangehörigen auf, sich «dem Volk anzuschliessen», und Gaddafi zu entmachten.

Der Justizminister trat aus Protest gegen die «exzessive Anwendung von Gewalt» von seinem Amt zurück. Libysche UNO-Diplomaten in New York appellierten vor laufender Kamera an die Armee, den «Tyrannen Muammar Gaddafi» zu stürzen.

Ägyptischen Angaben zufolge verliessen die libysche Grenzschützer ihre Posten an der Grenze zwischen beiden Ländern. Die ägyptische Armee richtete an der Grenze zu Libyen zwei Feldlazarette sowie Auffanglager für Flüchtlinge ein. (sda)

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