Gaddafi-Sohn verhaftet: Libyen will fairen Prozess gegen Saif al-Islam
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Gaddafi-Sohn verhaftetLibyen will fairen Prozess gegen Saif al-Islam

Nach wochenlanger Flucht haben libysche Truppen Gaddafis Lieblingssohn verhaftet. Eine wütende Menge versuchte darauf das Flugzeug zu stürmen, das Saif al-Islam nach Sintan bringen sollte.

von
ske

Nach Monaten auf der Flucht ist der Gaddafi-Sohn Seif al Islam im Süden Libyens festgenommen worden. Der vom Internationalen Strafgerichtshof in Den Haag gesuchte 39-Jährige wurde nach Angaben von Truppen des Übergangsrats am Samstag in der Wüste gestoppt, als er mit zwei Vertrauten Richtung Niger fliehen wollte. Er habe um sein Leben gebangt, zitiert der «Spiegel» einen der Männer, die ihn verhaftet hatten. «Er dachte, dass wir ihn umbringen.»

Der amtierende Justizminister Mohammed al Alagi bestätigte die Festnahme, erklärte jedoch, das Ziel des Konvois sei nicht klar gewesen. Derzeit werde der Sohn des getöteten Ex-Machthabers Muammar al Gaddafi in der Ortschaft Sintan festgehalten und demnächst nach Tripolis überstellt. Das libysche Fernsehen veröffentlichte ein Foto, das Seif al Islam in Haft zeigen soll.

(Video: Youtube)

Adel al Sintani von den Sintan-Brigaden, die den Konvoi entdeckt hatten, erklärte, Seif al Islam sei um vier Uhr morgens nach einem Feuergefecht westlich der Stadt Obari festgesetzt worden. «Er trug Tuareg-Kleidung», sagte er. Laut dem britischen Blatt «The Guardian» gibt es Berichte, wonach eine wütende Menge das Flugzeug zu stürmen versuchte, das Gaddafi nach Sintan bringen sollte. In einem Video sieht man mehrere Menschen auf der Maschine.

(Video: Youtube)

Feiern in Tripolis

In den Strassen von Tripolis feierten viele Menschen die Festnahme mit Freudenschüssen. «Dies ist ein Tag des Sieges, dies ist der Tag der Befreiung, endlich ist der Sohn des Tyrannen gefasst», sagte der Ingenieur Mohammed Ali auf dem Märtyrer-Platz der Hauptstadt. «Jetzt sind wir frei.»

Gegen Saif al Islam liegt ein internationaler Haftbefehl wegen Vorwürfen der Verbrechen gegen die Menschlichkeit vor. Für Saif al-Islam sei entscheidend, wo ihm der Prozess gemacht würde, schreibt der «Spiegel». Die libysche Regierung wünscht sich einen Prozess in Libyen. Der Internationale Strafgerichtshof will in Den Haag über Gaddafis Lieblingssohn urteilen.

Zufriedener Chefankläger des Internationalen Strafgerichtshofs

Der Chefankläger des Internationalen Strafgerichtshofs, Luis Moreno Ocampo, nannte die Festnahme eine gute Nachricht. «Nun muss er sich vor Gericht verantworten», betonte Ocampo in Den Haag. Er werde in der kommenden Woche nach Libyen reisen, um das weitere Vorgehen abzusprechen und zu klären, ob dem Beschuldigten der Prozess in Den Haag oder Libyen gemacht werden soll.

Moreno Ocampo wirft Saif al-Islam Morde an hunderten Zivilisten, Folter und militärische Gewalt gegen unbewaffnete Demonstranten vor. Ausserdem soll er für gezielte Massenvergewaltigung verantwortlich sein. Sollte er wegen Verbrechen gegen die Menschlichkeit schuldig gesprochen werden, könnte er lebenslang ins Gefängnis wandern. In Libyen droht ihm bei einer Verurteilung gar die Todesstrafe.

Saif al-Islam bestreitet Verhandlungen

Saif al-Islam soll bereits im Oktober über Mittelsmänner mit Den Haag darüber verhandelt haben, sich zu stellen. Dem widersprach Muammar Gaddafis ältester Sohn bei seiner Festnahme laut Nachrichtenagentur Reuters aber: «Das sind alles Lügen. Ich stand nie mit ihnen im Kontakt.»

Libyens Justizminister vertraut auf die libysche Justiz. «Es gibt Garantien für ein faires und unvereingenommenes Verfahren.» Dieses gelte als Test für eine neue Regierung in Libyen.

Amnesty fordert baldigen Prozess

Die libyschen Behörden müssten nun sicherstellen, dass Seif al Islam in voller Kooperation mit dem Internationalen Strafgerichtshof zur Rechenschaft gezogen werde, betonte die EU. Die Menschenrechtsorganisation Amnesty International forderte eine baldige Überstellung des Gefangenen nach Den Haag und einen Prozess so schnell wie möglich. Der Gerichtshof habe einen Haftbefehl erlassen und damit sei der korrekte Weg vorgegeben, sagte Amnesty-Sprecher Marek Marczynski.

Seif al Islam wurde 1972 geboren und ist das älteste Kind von Muammar und Safija al Gaddafi. Während er zu Beginn seiner politischen Karriere als Reformer galt, unterstützte er während des Aufstands das brutale Vorgehen seines Vaters gegen die Aufständischen. Nach dem Sieg der Rebellen war Seif al Islam untergetaucht. Zuletzt war berichtet worden, dass er mit Tuareg-Nomaden an der Grenze zu Mali unterwegs sei. Neben Seif al Islam liegt noch ein Haager Haftbefehl gegen den früheren Geheimdienstchef Abdullah al Senussi vor. Al Senussi ist weiter flüchtig.

UN nehmen Libyen wieder in den Menschenrechtsrat auf

Die UN-Vollversammlung beschloss am Freitag, Libyen wieder in den Menschenrechtsrat aufzunehmen. 123 der Mitgliedstaaten stimmten für die Wiederaufnahme, vier dagegen, sechs Länder enthielten sich. Im März hatten die UN Libyen aufgrund des brutalen Vorgehens des Gaddafi-Regimes gegen Demonstranten aus dem Rat ausgeschlossen. Vor der Abstimmung betonte der stellvertretende libysche UN-Botschafter Ibrahim Dabbaschi, der Nationale Übergangsrat in Libyen habe sich der Verteidigung der Menschenrechte verpflichtet. Mit «Nein» stimmten Venezuela, Nicaragua, Bolivien and Ecuador.

(ske/sda/dapd)

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