Kampf um Sirte: Libyer fliehen aus der Gaddafi-Hochburg
Aktualisiert

Kampf um SirteLibyer fliehen aus der Gaddafi-Hochburg

Zahlreiche Bewohner sind aus Angst vor den bevorstehenden Kämpfen aus der Stadt Sirte geflohen. Die Kämpfer des Übergangsrats bereiten einen für Mittwoch geplanten Angriff vor.

Rebellen feiern die Eroberung eines Panzers der Gaddafi-Truppen am Stadtrand von Sirte.

Rebellen feiern die Eroberung eines Panzers der Gaddafi-Truppen am Stadtrand von Sirte.

In voll beladenen Fahrzeugen sind am Dienstag zahlreiche Familien aus der Geburtsstadt des gestürzten libyschen Machthabers Muammar al Gaddafi geflohen. In Sirte hätten sie in einer Art Belagerungszustand gelebt und seien von Gaddafi-Truppen an der Flucht gehindert worden, berichteten sie. Kämpfer der Revolutionstruppen unterstützten die Fliehenden nach eigenen Angaben, damit sie noch vor einem für (den morgigen) Mittwoch geplanten Angriff die Stadt verlassen könnten. US-Präsident Barack Obama sicherte den Libyern vor einem UN-Treffen Unterstützung zu.

Seit dem 20. August habe es keinen Strom mehr gegeben, berichteten die Flüchtlinge. Treibstoff und Nahrungsmittel gingen zur Neige. Viele Menschen würden noch in der Stadt festsitzen, sagten sie. Anhänger Gaddafis legten ausserdem in Häusern, Schulen und Krankenhäusern Munitionsvorräte an, sagte ein Mann. «Ich habe bereits früher versucht zu fliehen, aber Gaddafis Soldaten haben mich nicht gelassen», sagte der 34-jährige Abdullah Mohammed, der Sirte in Begleitung seiner Frau sowie seiner drei Kinder verliess.

Obama prophezeit «Tage der Frustration»

Ebenfalls am Dienstag meldete sich Gaddafi mit einer Audiobotschaft aus seinem Versteck zu Wort. Was in Libyen passiere, sei eine Farce, die ihre Rechtfertigung nur durch Luftangriffe erhalten, die nicht für immer andauern würden, sagte er in der vom syrischen Fernsehsender Al Rai TV ausgestrahlten Botschaft. «Es ist schwierig, dieses Regime zu stürzen, weil es Millionen Libyer repräsentiert», sagte Gaddafi.

US-Präsident Barack Obama sagte dem libyschen Volk für die Zeit nach dem Ende des Gaddafi-Regimes die Unterstützung der restlichen Welt zu. In einer Stellungnahme, die vor einem UN-Treffen zu Libyen am Dienstag veröffentlicht wurde, sagte Obama, dem Land stünden noch schwierige Tage bevor, wenn Anhänger des langjährigen Machthabers Gaddafi letzten Widerstand leisteten und die Übergangsregierung sich mit der komplexen Aufgabe einer neuen Regierungsbildung auseinandersetzen müsse. «Es wird Tage der Frustration geben», sagte Obama. Allerdings sei in den vergangenen Monaten deutlich geworden, dass die «Sehnsüchte und der Willen des libyschen Volks» nicht unterschätzt werden dürften.

Revolutionstruppen bereiten Angriff auf Sirte vor

Die Truppen des Nationalen Übergangsrats, der sich um die Bildung einer neuen Regierung bemüht, haben den grössten Teil des Landes unter Kontrolle. Einzig in Sirte sowie den beiden Orten Bani Walid und Sabha leisten die Getreuen des Ex-Machthabers noch Widerstand. Die Revolutionstruppen rund um Sirte würden demnächst durch schwere Waffen aus Misrata unterstützt, teilten die ehemaligen Rebellen mit. Bei den anhaltenden Kämpfen in Sirte seien am Dienstag vier Menschen getötet und sieben verletzt worden, teilte der Arzt Hescham Samedi mit, der in einem in einer Moschee eingerichteten Feldlazarett am westlichen Stadtrand von Sirte tätig ist.

Zwei ehemalige philippinische Hausangestellte der Gaddafi-Familie wurden unterdessen von ihrer Botschaft ins Ausland gebracht. Wie die Regierung in Manila am Dienstag mitteilte, flüchteten die beiden Philippinerinnen aus dem Haus, in dem sie gearbeitet hatten. Botschaftsmitarbeiter hätten sie dort mit zwei Autos erwartet und sofort über die Grenze nach Tunesien gebracht. Den Angaben zufolge befinden sich noch zwei weitere von der Familie angestellte Philippinerinnen in Libyen. Diese hätten jedoch entschieden, im Land zu bleiben, da ihre Sicherheit nicht gefährdet sei, teilte die philippinische Botschaft mit. (dapd)

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