Aktualisiert 06.05.2013 07:02

Neue Idee

Licht statt Stress: So stehen Pendler richtig an

Mit fixen Markierungen wollen die SBB Pendler zum geordneten Einsteigen bringen. Es geht auch effizienter, sagt ein Berner Industrie-Designer. Er möchte Reisende mit Licht steuern.

von
Raffaela Moresi

Im immer dichteren Fahrplan zählt bereits heute jede Minute - und bis 2030 dürften sich die Pendlerströme laut Experten gar verdoppeln. Klar ist: Vor allem beim Ein- und Aussteigen geht wertvolle Zeit verloren. Dabei wäre es theoretisch ganz einfach. 1.40 Meter sind die Zugtüren breit – Platz genug, damit die Fahrgäste jeweils zu zweit aussteigen könnten. Im Pendler-Alltag sieht es komplett anders aus: Rollt etwa eine S-Bahn ein, kommt es auf dem Perron zur Rudelbildung und die Aussteigenden können den Zug nur noch einzeln verlassen.

«Das ist ineffizient und hektisch», sagt Pete Bürgy, der an der Zürcher Hochschule der Künste Industrie-Design studiert. Der Berner hat ein Konzept entwickelt, dank dem Pendler schneller und stressfreier umsteigen könnten. Bürgys Idee basiert auf LED-Bändern, die in den Perron-Boden eingelassen werden. Diese Streifen werden durch ein spezielles Signal aktiviert, das sich an den Zugtüren befindet. Kommt nun ein Zug an, so leuchtet bei sämtlichen Türen ein roter Licht-Kegel auf, der von den wartenden Pendlern nicht überschritten werden sollte. «Das Licht schafft vor den Zugtüren Freiräume und erleichtert den Reisenden das Aussteigen massiv.»

Alternative zu fixen Markierungen

Auch die SBB suchen nach Lösungen, Pendler zum geordneten Umsteigen zu bewegen. So sollen fixe Bodenmarkierungen helfen, die Menschenmassen gleichmässiger aufs Perron zu verteilen. Bürgy findet solche dauerhafte Markierungen, wie sie auch in Asien gang und gäbe sind, für die Schweiz eher ungeeignet. «Unsere Züge halten nicht immer gleich, zudem haben die Zugkompositionen unterschiedliche Türabstände.»

Ob seine Licht-Idee den Praxistest besteht, wollte Bürgy vergangene Woche im Berner Tiefbahnhof der RBS wissen. Mithilfe von LED-Scheinwerfern versuchte der 31-Jährige während drei Tagen, die Pendler vor den Zugtüren durch Licht zu steuern. «Natürlich gibt es immer Verweigerer. Doch fast alle Leute haben sich daran gehalten und den Lichtkegel nicht betreten», sagt Bürgy. Der Zug habe sich auf diese Weise wesentlich schneller entleert. «Nach einer ersten Auswertung bin ich sogar überzeugt, dass sich die Aussteigezeit um bis zu 40 Prozent verkürzen lässt.»

Weniger Gedränge und Rempeleien

Mit seiner Methode wolle er die Pendler auf keinen Fall bevormunden, stellt der Berner klar. Sie sei vielmehr «eine Hilfe für ein entspannteres Reisen», so Bürgy. «Es gibt weniger Gedränge und Rempeleien.» Zudem könnten bei gleichbleibender Infrastruktur mehr Züge verkehren. Mit den SBB habe er bereits Kontakt aufgenommen. Laut Sprecher Daniele Pallecchi prüfen die SBB derzeit unterschiedliche Systeme, um den Fahrgastwechsel zu beschleunigen, unter anderem in Laufen. «Es wäre zudem schon viel gewonnen, wenn die Fahrgäste nicht nur einzelne Türen, sondern alle benützen würden.»

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