Detailhandel: Lidl baut für 30 Millionen Franken seine Läden um
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DetailhandelLidl baut für 30 Millionen Franken seine Läden um

Smart- statt Harddiscounter: Lidl setzt in der Schweiz auf ein neues Konzept. Inspiration holte man sich bei Coop und Migros.

von
S. Spaeth
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Der seit 2009 in der Schweiz aktive Detailhändler Lidl baut seine hiesigen hundert Filialen um und setzt auf ein spezielles Schweiz-Konzept. Dazu gehören auch neue Kassen.

Der seit 2009 in der Schweiz aktive Detailhändler Lidl baut seine hiesigen hundert Filialen um und setzt auf ein spezielles Schweiz-Konzept. Dazu gehören auch neue Kassen.

Die bisherigen Kassen hatten kein Nachlaufband. Das führte bei vielen Kunden zu Stress beim Einpacken.

Die bisherigen Kassen hatten kein Nachlaufband. Das führte bei vielen Kunden zu Stress beim Einpacken.

Getestet wurden die Neuerungen in der Filiale in Frauenfeld. Nun folgen die restlichen rund hundert Filialen. Der Umbau kostet insgesamt 30 Millionen Franken.

Getestet wurden die Neuerungen in der Filiale in Frauenfeld. Nun folgen die restlichen rund hundert Filialen. Der Umbau kostet insgesamt 30 Millionen Franken.

Keystone/Gaetan Bally

Schluss mit Wühlkörben, aggressiven Preisschildern und einer Vielzahl von lieblos in den Laden gestellten Paletten. Der seit 2009 in der Schweiz aktive Detailhändler Lidl baut seine hiesigen hundert Filialen um und setzt auf ein spezielles Schweiz-Konzept. Das Ziel: Lidl will weg vom Image des Harddiscounters, die Filialen sollen hochwertiger daherkommen .

«Wir haben gelernt, dass wir mit einer Kopie des deutschen Systems die Schweizerinnen und Schweizer nicht begeistern können», sagt Lidl-Schweiz-Chef Georg Kröll zu 20 Minuten. Der Ladenumbau folgt auf die 2012 gestartete Swissness-Offensive beim Angebot. Mittlerweile erzielt der Detailhändler mit Schweizer Produkten über 50 Prozent des Umsatzes. Bisher setzte Lidl bereits in der Kommunikation auf Swissness. Dazu zählt das ins Lidl-Logo integrierte Schweizerkreuz oder die Verpflichtung des Schwingers Christian Stucki als Markenbotschafter.

Mehr Frische, weniger Tiefkühlprodukte

Mit dem Filialumbau will Lidl nun einen weiteren Schritt auf die Schweizer Konsumenten zugehen. Seit dem Frühjahr 2015 hat der Detailhändler in der Lidl-Test-Filiale in Frauenfeld Neuerungen ausprobiert und Kunden befragt. Die Erkenntnis: Schweizern ist vor allem Qualität und Frische wichtig.

Und genau darauf ist das neue Konzept ausgerichtet: Gelangten Kunden bisher beim Betreten der Läden direkt in die Getränke-Abteilung mit auf Paletten gestapelten Flaschen, treffen sie nun im neuen Laden als Erstes ein Regal mit frischen Blumen an. Danach folgen Früchte, Gemüse und Brot statt wie bis anhin Süssigkeiten. Zudem hat Lidl für einzelne Warengruppen wie Wein und Kosmetik spezielle Bereiche geschaffen und die Fläche der Tiefkühlregale zugunsten der Frischprodukte verkleinert.

Inspiration fürs neue Ladenkonzept hat sich Lidl auch bei Coop und der Migros geholt. «Natürlich schaut man sich die Konkurrenz an, wenn man besser sein will», gibt Kröll unumwunden zu. Die Umbaukosten betragen pro Filiale rund 310'000 Franken, was bei 102 Filialen rund 30 Millionen Franken ausmacht. Läuft alles nach Plan, werden 2015 noch 22 Filialen umgebaut, der Rest folgt im kommenden Jahr.

Weniger Stress an der Kasse

Umgebaut wurden auch die Kassen: Statt im aggressiven blau-gelben Look sind sie neu in ruhigem Anthrazit und Silber gehalten. Hat bisher sogar an der Kasse der Effizienzgedanke dominiert, haben die Kassen nun ein Nachlaufband, womit dem Kunden Zeit bleibt, die Waren in Ruhe einzupacken. «Heute müssen wir Kundenbedürfnis und Effizienz unter einen Hut bringen», so Kröll.

Lidl distanziert sich vom Begriff des Harddiscounters und bezeichnet sich explizit als Smart-Discounter. Der Grund: Harddiscounter hat in der Schweiz eine negative Ausstrahlung und steht für schlechte Arbeitsbedingungen und mindere Qualität.

«Qualität und gute Arbeitsbedingungen gehörten aber stets zum Konzept von Lidl in der Schweiz. Ein Harddiscounter waren wir nie», betont Kröll.

Der Begriff Harddiscounter werde stark mit Deutschland assoziiert und fokussiere auf billige Ware, sagt auch GfK-Detailhandelsexperte Thomas Hochreutener zu 20 Minuten. Hierzulande zähle aber nicht alleine der Preis, die Schweizer würden viel mehr auf Frische und Nachhaltigkeit schauen. Die schrittweise Anpassung der ausländischen Detailhändler an die Schweizer Verhältnisse ist laut Hochreutener konsequent.

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