Gratis tanken: Lidl und Ikea locken Kunden mit E-Tankstellen
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Gratis tankenLidl und Ikea locken Kunden mit E-Tankstellen

Im Kampf um Kunden will Lidl mit kostenlosen E-Tankstellen punkten. Ikea tuts dem Discounter ab August gleich.

von
D. Vollenweider

Während des Einkaufens das Elektroauto aufladen – das ist im Lidl in Dübendorf ab sofort möglich. Lidl ist der erste Discounter der Schweiz, der eine E-Tankstelle in Betrieb nimmt. Und die Firma meint es ernst: Nebst Investitionen von 1,2 Millionen Franken für den Bau von insgesamt zehn E-Tankstellen 2016 hat Lidl 2,5 Millionen Franken investiert, um die betroffenen Filialen mit Photovoltaik-Anlagen auszurüsten. Der Grund: Der Strom für die Elektroautos soll auch nachhaltig produziert werden. «Vorerst werden wir vor allem Lidl-Filialen in urbanen Gebieten wie Winterthur, Kloten oder Wetzikon mit E-Tankstellen ausrüsten», sagt Lidl-Schweiz Chef Georg Kröll zu 20 Minuten. Ist das Projekt erfolgreich, ist ein weiterer Ausbau denkbar.

Will Lidl damit sein Image aufbessern? Nein, sagt Kröll: «Wir kommen mit den E-Tankstellen einem Kundenbedürfnis nach.» Lidl habe viele Anfragen von Kunden bekommen, die eine Ladestation für Elektromobile wünschten.

Migros, Raiffeisen und Ikea

Nun können auf zwei Parkplätzen in Dübendorf während der Öffnungszeiten E-PW geladen werden. Die Ladestation von ABB wurde mit drei Steckern ausgestattet, die mit den meisten gängigen E-Fahrzeugen kompatibel sind. Unter anderem sind auch Schnellladungen mit einem sogenannten Supercharger für Tesla-Fahrzeuge möglich. Nach einer Ladezeit von 30 bis 40 Minuten – der durchschnittlichen Einkaufszeit bei Lidl – kommt ein Tesla rund 300 Kilometer weit.

Derzeit gibt es in der Schweiz rund 1400 öffentlich zugängliche E-Ladestationen – lediglich zehn davon sind Tesla Supercharger. Unter den Detailhändlern bietet auch Migros an einzelnen Standorten – meist in grösseren Einkaufszentren – öffentliche Ladepunkte für Elektroautos an. Zudem weiss 20 Minuten exklusiv: Auch Ikea will bis Ende August alle neun Schweizer Filialen mit kostenlosen Stromtankstellen ausstatten. Vier Elektromobile können laut dem Unternehmen an jedem Standort gleichzeitig geladen werden.

Die Raiffeisen-Bank trägt mit 20 Ladestationen ebenfalls zum E-Tankstellen-Netz der Schweiz bei. Coop hat zwar Tesla-Aufladestationen an den Coop-Tankstellen, nicht jedoch bei den Supermärkten.

«Es reicht noch nicht»

«Die Anzahl E-Tankstellen hat sich in den letzten drei Jahren verdreifacht, aber es reicht noch nicht», sagt Philipp Walser, Leiter Fachgesellschaft e'mobile. Für ein flächendeckendes Netz bräuchte es noch mehr Schnellladestationen, vor allem an Hauptverkehrsachsen und Autobahnraststätten. Doch Ladestationen auf Parkplätzen von Detailhändlern sei ein Schritt in die richtige Richtung: «Lidl tut das nicht nur des Marketings wegen», sagt Walser. «Der Discounter will damit ein Zeichen setzen. Ich bin mir sicher, dass der Druck, E-Tankstellen anzubieten, im Detailhandel in den nächsten Jahren steigen wird.» Komme die Elektromobilität erst ins Rollen, werde es für Detailhändler gar zum Standard-Angebot gehören, so Walser.

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