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SRF-Dok ohne Frauen«Liebe Frauen, habt noch ein wenig Geduld»

In vier Filmen erzählt das SRF ein Stück Schweizer Geschichte, nur mit männlichen Protagonisten. Dass manche Politikerinnen dies kritisieren, finden die 20-Minuten-Leser übertrieben.

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Waldmann, Franscini, von Flüe, Escher, Dufour und Stauffacher werden in vier Dokufiction-Filmen porträtiert. (Bild: SRF)

Waldmann, Franscini, von Flüe, Escher, Dufour und Stauffacher werden in vier Dokufiction-Filmen porträtiert. (Bild: SRF)

Ab dem 7. November zeigt das Schweizer Fernsehen vier Dokufiction-Filme über sechs bedeutungsvolle Figuren der Schweizer Geschichte. Dass sich unter den Porträtierten keine Frauen befinden, sorgte bei gewissen Politikerinnen für Unmut. In der «Schweiz am Sonntag» kritisierten Nationalratspräsidentin Maya Graf und die ehemalige CVP-Nationalratspräsidentin Chiara Simoneschi-Cortesi, die Filmserie sei zu männerlastig. Über 150 20-Minuten-Leser äusserten sich ebenfalls dazu – allerdings sehen die meisten keinen Grund für Kritik.

So schreibt beispielsweise Verena Walkes: «Frauen war es nun mal früher aufgrund ihrer gesellschaftlichen Stellung kaum möglich, die Weltgeschichte massgeblich zu beeinflussen. Schön, dass es heute anders ist.» Eine Leserin, die sich «JUSO-Lady» nennt und schreibt sie sei überzeugte Feministin, sieht das genauso: «Ich bin stolz als Frau aktiv die Gegenwart gestalten zu können und fühle mich nicht in meinem Wesen verletzt, nur weil früher die Männer das Sagen hatten.» Die Kritik der anfangs genannten Politikerinnen versteht User «The Duke» als «zwanghaftes politisch korrekt sein wollen». Er schreibt: «Man muss die Vergangenheit akzeptieren und daraus lernen.»

Spyri versus Dürrenmatt

Leser G.C. ist mit der Auswahl des SRF zufrieden und rät den Frauen zu mehr Geduld: «In ein paar hundert Jahren wird es sicher auch genug berühmte Frauen geben, mit denen man ein Abendprogramm füllen kann.» Leser Dominik Mathis sieht das Problem bei der Vermittlung von Schweizer Geschichte in der Schule: «Wurde jemandem von euch eine weibliche Persönlichkeit in der Schule eingetrichtert? Mir jedenfalls nicht. Vielleicht sollte man ja da anfangen, bevor man einen Film kritisiert.»

In der Diskussion wurden nur wenige Gegenstimmen laut. Eine davon war die von Lorik S.: «Die Schweiz hinkt in ‹Frauenangelegenheiten› oft hinterher. Man erinnere sich nur an die Einführung des Frauenwahlrechts.» Im Rahmen des Artikels wurden die Leser dazu aufgefordert, wichtige historische Frauen vorzuschlagen, die sich für einen Dok-Film eignen würden. Am meisten wurde dabei die «Heidi»-Autorin Johanna Spyri genannt. Dies passt wiederum einem männlichen Leser nicht: «Wenn man auf Johanna Spyri beharrt, so gibt es mindestens so wichtige männliche Autoren wie Dürrenmatt oder Keller.» Er findet, dass aus einer Mücke ein Elefant gemacht werde.

Wer sind die sechs Portätierten?

Werner Stauffacher (Geburts- und Todesjahr unbekannt): Landamman von Schwyz, Heerführer bei der Schlacht von Morgarten 1315.

Niklaus von Flüe (1417-1487): Einsiedler und Schutzpatron der Schweiz. Vermittelte Frieden zwischen den zerstrittenen eidgenössischen Ständen.

Hans Waldmann (1435-1489): Bürgermeister von Zürich und Heerführer der Alten Eidgenossenschaft während den Burgunderkriegen.

Guillaume-Henri Dufour (1787-1875): erster General der Schweizer Armee. Besiegte im Sonderbundskrieg 1847 die Truppen der katholischen Kantone.

Stefano Franscini (1796-1857): wurde nach der Gründung des Bundesstaates 1848 in den ersten Bundesrat gewählt. Trug massgeblich zur Gründung der ETH bei.

Alfred Escher (1819-1882): Politiker und Wirtschaftsführer. War massgeblich am Bau des Gotthard-Eisenbahntunnels beteiligt. (cbe)

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