Basel: «Liebe Mutter» – verunfallter Banker machte als Postkarte die Runde

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Basel«Liebe Mutter» – verunfallter Banker machte als Postkarte die Runde

Als Bankier Alfred La Roche am 24. Juli 1903 mit seinem Mercedes einen Abflug in den Rhein machte, berichtete die ganze Schweiz über den «ersten spektakulären Autounfall» in Basel. Das Ereignis wurde sogar auf Postkarten festgehalten.

von
Lukas Hausendorf
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«Liebe Mutter», beginnt das Schreiben auf der Postkarte zum Unfall. Abgebildet ist der Mercedes nach der Bergung im Rhein. Mit dem Automobil verunfallte der Basler Bankier Alfred La Roche-Iselin am 24. Juli 1903 schwer.

«Liebe Mutter», beginnt das Schreiben auf der Postkarte zum Unfall. Abgebildet ist der Mercedes nach der Bergung im Rhein. Mit dem Automobil verunfallte der Basler Bankier Alfred La Roche-Iselin am 24. Juli 1903 schwer.

Sammlung Eugen Schwarz
Eine Zeichnung zeigt, wie der Bankier und sein Beifahrer in den Rhein gestürzt sein könnten. Die Darstellung wurde ebenfalls als Postkarte verwendet.

Eine Zeichnung zeigt, wie der Bankier und sein Beifahrer in den Rhein gestürzt sein könnten. Die Darstellung wurde ebenfalls als Postkarte verwendet.

Sammlung Eugen Schwarz
Diese Postkarte zeigt den Ort des spektakulären Unfalls. Die Markierungen wurden vermutlich vom Absender der Karte nachträglich angebracht.

Diese Postkarte zeigt den Ort des spektakulären Unfalls. Die Markierungen wurden vermutlich vom Absender der Karte nachträglich angebracht.

Sammlung Eugen Schwarz

Darum gehts

  • Am 24. Juli 1903 war Basel Schauplatz eines spektakulären Autounfalls. Bankier Alfred La Roche-Iselin durchbrach mit seinem Mercedes das Geländer der Wettsteinbrücke und landete im Rhein. 

  • Das Ereignis beherrschte über Tage hinweg die Schlagzeilen der Schweizer Presse.

  • Auch auf Postkarten ist das Ereignis festgehalten. Diese hatten zur Jahrhundertwende einen speziellen Zweck.

Am 24. Juli 1903 düste der Bankier Alfred La Roche-Iselin mit seinem Mercedes mit übersetzter Geschwindigkeit – er dürfte fast 30 Kilometer pro Stunde gefahren sein – über die Basler Wettsteinbrücke, als er einem Tram ausweichen wollte und die Herrschaft über sein Automobil verlor. Der Wagen durchbrach das eiserne Brückengeländer und stürzte in den Rhein. La Roche und sein Beifahrer, der Gipshändler Paul Ruf, konnten aus dem Fahrzeug springen und vom zufällig anwesenden Schiffer-Club aus dem Rhein gerettet werden. 

Die dramatische Szene wurde auf einer Zeichnung festgehalten, die als Postkarte verschickt werden konnte. Auch Fotografien des Automobilunfalls, der während Tagen Schlagzeilen im ganzen Land machte, wurden auf Postkarten gedruckt. 1905 wurden in der Schweiz über 83 Millionen Postkarten versandt, bis 1913 würde diese Zahl gar noch auf 112,5 Millionen steigen. Postkarten zu versenden war billiger als ein Telegramm und die Post wurde noch mehrmals täglich zugestellt. Es sei sogar möglich gewesen, damit am gleichen Tag einen Termin zu vereinbaren, schrieb die NZZ in einem Abgesang über die Postkarte vor zehn Jahren.

Whatsapp der Jahrhundertwende

Ansichtskarten waren so etwas wie das Whatsapp der Zeit um die Jahrhundertwende. Und Postkartenverlage lieferten am Fliessband neue Motive, auch über Unglücke, wie eben jenen Automobilunfall in Basel. Karten davon fanden ihren Weg nach Rheineck, Köln oder Biel. Das ist jedenfalls den Rückseiten der drei Karten zu entnehmen, die ihren Weg in die Sammlung von Eugen Schwarz gefunden haben. Der Baselbieter teilte seinen Archivschatz mit 20 Minuten, nachdem er Ende Juli den Artikel über den Unfall gelesen hatte.

Das Geschriebene auf den Karten ist teilweise nur schwer lesbar. Auffällig ist aber, dass der Text keinen Zusammenhang zum abgebildeten Ereignis hat. So übermittelte auf der Karte mit der Unfallzeichnung eine Mutter ihrem Sohn Arthur in Köln die Nachricht, dass sie ihm ein Geschenk gemacht habe. «Es ist zwar klein, aber ich hoffe, es wird dir doch Freude machen», lässt sie ihn wissen. 

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