Bana (7) twittert aus Syrien: «Liebe Welt, es fallen Bomben, live aus Aleppo»
Publiziert

Bana (7) twittert aus Syrien«Liebe Welt, es fallen Bomben, live aus Aleppo»

«Es fallen Bomben. Ich kann gerade nicht periscopen, es ist zu gefährlich.» Bana gibt der Welt einen Live-Einblick ins Leben im syrischen Bürgerkrieg.

von
vbi
1 / 17
«Guten Nachmittag aus Aleppo. Ich lese um den Krieg zu vergessen», twittert Bana am 26. September 2016.

«Guten Nachmittag aus Aleppo. Ich lese um den Krieg zu vergessen», twittert Bana am 26. September 2016.

Twitter/AlabedBana
«Bitte stoppt die Bombardierung und die Belagerung.» (17. November 2016)

«Bitte stoppt die Bombardierung und die Belagerung.» (17. November 2016)

Twitter/AlabedBana
«An alle Freunde, die sich um uns sorgen, wir sind okay.»(17. November 2016)

«An alle Freunde, die sich um uns sorgen, wir sind okay.»(17. November 2016)

Twitter/AlabedBana

Bana al-Abed ist sieben Jahre alt und lebt in der syrischen Stadt Aleppo. Zusammen mit ihrer Mutter Fatemah twittert sie Eindrücke aus dem syrischen Bürgerkrieg.

In den 140 Zeichen versuchen die beiden zu zeigen, wie nahe sie am Tod leben. Manchmal gibt Bana den Lesern über Periscope live Einblicke in ihr Leben. Sie hat noch zwei kleinere Geschwister. Das Haus ihrer Freundin sei zerbombt worden. «Sie wurde getötet. Ich vermisse sie so sehr», twitterte das kleine Mädchen.

«Warum hilft niemand?»

Dazwischen versucht Bana, den Krieg zu vergessen. Eigentlich will die Siebenjährige Lehrerin werden. «Lasst mich Englisch und Mathematik lernen. Dieser Krieg tötet meinen Traum.»

Der britischen Zeitung «Guardian» gaben das Mädchen und ihre Mutter ein Skype-Interview. «Bana hat mich gefragt, warum die Welt sie nicht höre, warum niemand helfe», so die Mutter. Deshalb habe sie einen Twitter-Account eröffnet. Nun haben die beiden über 84'000 Follower.

Raketen bemalen in Aleppo

In der syrischen Stadt Aleppo, setzen die Kinder auf unkonventionelle Mittel zur Unterhaltung.

Seit Mitte Juli eingekesselt

Bana lebt im Osten von Aleppo. Seit Dienstag haben die Angriffe nach Wochen relativer Ruhe wieder mit voller Wucht eingesetzt. Nach Angaben der Syrischen Beobachtungsstelle für Menschenrechte stiessen Regierungstruppen in den südlichen Stadtteil Scheich Said vor, wurden von den Rebellen jedoch zurückgeschlagen. Die Rebellen feuerten demnach zahlreiche Raketen auf von der Regierung gehaltene Teile der Stadt zurück.

Seit Mitte Juli sind die bewaffneten Gruppen im Ostteil der Stadt eingekesselt. Dort leben schätzungsweise 250'000 Menschen, die mittlerweile kaum noch etwas zu essen und zu trinken haben.

Kein Spital mehr

Auch die letzte Klinik mit dem Codenamen M1 im Osten der belagerten Grossstadt habe ihre Arbeit nach einem Bombardement einstellen müssen, teilte die Union of Medical Care and Relief Organizations (UOSSM) am Freitag mit.

Die Angestellten und Patienten seien in Sicherheit gebracht worden. Es wird davon ausgegangen, dass die Angriffe von der Luftwaffe der syrischen Regierung oder ihres Verbündeten Russland ausgeführt wurden. (vbi/sda)

Radio Alghad

Im Irak fängt das Radio Alghad die emotionalen Stimmen der Bevölkerung ein, welche vom IS in der Stadt Mosul eingeschlossen sind. Die Menschen erzählen von ihrem Alltag, wie sie von Selbstmordattentäter umgeben sind und weder Essen noch Medikamente haben. Wie die «Washington Post» schreibt, hätte ein Anrufer Namens Hasan erzählt, dass sein Wassertank zerstört wurde. «Wir haben alles Wasser verloren, dass wir angespart hatten.» Bei einigen Anrufern höre man im Hintergrund Schüsse und wie Kinder weinen. «Es ist ein Unterschied, ob man nur von dem Verbrechen hört, oder ob man sie mit eigenen Augen sieht», so eine Anruferin. Dann bat sie die irakische Armee, die Stadt zu befreien. «Es ist so schwierig zu unterscheiden, wer Freund und wer Feind ist.»

Bild: Keystone

Deine Meinung