«Don Jon»: Liebenswert und pornosüchtig
Aktualisiert

«Don Jon»Liebenswert und pornosüchtig

Hollywoodstar Joseph Gordon-Levitt hat sich mit seinem Film «Don Jon»
über einen liebesgeplagten Pornosüchtigen viel zugemutet.

von
Jonas Dreyfus

Seine Füsse baumeln in der Luft – das ist das Erste, was einem an Joseph Gordon-Levitt auffällt. Der überraschend kleine Schauspieler, den wir aus Filmen wie «The Dark Knight Rises», «Looper» oder «Inception» kennen, sitzt auf einem altmodischen

Sessel in einem Berliner Hotel, trägt bunte Skisocken, Skaterschuhe, verwaschene Jeans, ein Holzfällerhemd und die Frisur aus seinem aktuellen Film «Don Jon».

«Es ist ein Film über die Liebe», sagt Joseph. Er hat das Drehbuch geschrieben, erstmals Regie geführt, und die Hauptfigur spielt er auch: einen pornosüchtigen Macho, der stark an den aufgepumpten Proleten Mike «The Situation» Sorrentino aus der TV-Serie «Jersey Shore» erinnert. Zufall, behauptet Joseph. «Ich habe nur eine Episode gesehen. Mehr habe ich nicht ausgehalten.» Er widmet sich in der Freizeit lieber seiner Online-Plattform für aufstrebende junge Künstler, als Trash-TV zu gucken.

«Der Typ hat doch offensichtlich ein Problem!»

Auch die Behauptung der Hauptfigur aus «Don Jon», jeder Mann schaue Pornos, könne er nicht untermauern. «Der Typ hat doch offensichtlich ein Problem!» Ein Problem hat auch Josephs Film: Er ist ein Mischmasch aus Elementen, die nicht zusammenpassen. Erst geht es um einen Typen, Jon, der sich Abend für Abend vor dem Laptop wund rubbelt, sprich an einer ernst zu nehmenden Sucht leidet. Tragisch. Dann verliebt sich Jon in eine kaugummikauende Tussi, grandios gespielt von Scarlett Johansson, und das Ganze wird zur Beziehungskomödie.

Die Tussi, sie heisst Barbara, hat das Gefühl, das Leben sei eine Hollywoodromanze. Kann das gut gehen? Nein. Irgendwann taucht auch noch Julianne Moore in der Rolle einer lebenserfahrenen älteren Frau auf, die Jon auf den richtigen Pfad führt. Aber worum gehts eigentlich in dieser Komödie/Tragödie/Gesellschaftskritik/Slapstick-Orgie?

Debüt über falsche Vorstellungen

Sein Debüt handle von falschen Vorstellungen, wie jemand in einer Beziehung zu sein habe, stellt Joseph klar und hält einen kurzen Vortrag über «objektivierendes Verhalten»: «Wir haben gewisse Erwartungen daran, wie eine Frau oder ein Mann in Beziehungen zu sein hat, was uns oft davon abhält, die Einzigartigkeit des Individuums zu erkennen.»

Hat er im eigenen Leben schon Erfahrungen mit der Materie gemacht, will man wissen. Die Antwort ist kurz und schnippisch: «Ich spreche nicht über meine Beziehungen.» Und wie viele Sexclips musste er sich für den Film ansehen – Hunderte, Tausende? «Keine Ahnung.» In «Don Jon» gibt es eine Szene, in der Jon bei offenem Fenster Auto fährt und dabei aus voller Kehle den Song «Good Vibrations» von den New Kids On The Block singt. In diesem Moment merkt man, was für ein liebenswerter Typ dieser arme, pornosüchtige Teufel eigentlich ist. «Ich liebe es, Charaktere zu spielen, die total anders sind als ich», sagt Joseph.

Trailer: «Don Jon» (Quelle: Youtube/yipmagazin)

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