Lieber bomben als verhandeln

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Lieber bomben als verhandeln

Der afghanische Präsident Hamid Karsai hat sich zu persönlichen Verhandlungen mit den Taliban bereit erklärt und ihnen eine Regierungsbeteiligung in Aussicht gestellt. Die Taliban lehnten das Angebot am Sonntag jedoch ab.

«Solange es der afghanischen Regierung an eigener Autorität und Planung mangelt und solange ausländische Truppen in Afghanistan sind, sind wir nicht zu Gesprächen bereit», sagte Taliban-Sprecher Kari Jussif Ahmadi. Die Bedingungen der Aufständischen seien klar.

Karsai sagte jedoch, ein Abzug ausländischer Truppen komme nicht in Frage. Er betonte, wer den Abzug von Truppen fordere, betreibe das Geschäft der Feinde Afghanistans. Solange die afghanischen Sicherheitskräfte nicht ausgebildet seien und die Infrastruktur des Landes nicht wiederaufgebaut sei, «lassen wir sie nicht abziehen».

Er betonte, dass es für die Verhandlungen keine Vorbedingungen geben dürfe. Er bot Omar und dem Rebellenchef Gulbuddin Hekmatjar sogar Posten in der Regierung an, falls sie auf Gewalt verzichteten.

Omar und Hekmatjar stehen auf der Fahndungsliste der USA. US- Präsident George W. Bush und UNO-Generalsekretär Ban Ki Moon stünden aber hinter seinem Vorstoss, sagte Karsai.

Schwerer Anschlag

Kurz vor Karsais neuerlichem Gesprächsangebot an die Taliban war die Hauptstadt von einem schweren Selbstmordanschlag mit mindestens 30 Toten erschüttert worden. Die meisten der Opfer waren Soldaten. Fast 30 weitere Menschen seien verletzt worden, teilte das Verteidigungsministerium mit.

Ein Mann in Militäruniform habe sich einem Militärbus genähert und sich dann in die Luft gesprengt. Die Explosion in einem Marktviertel riss den Bus in Stücke. Auch mehrere umliegende Gebäude wurden beschädigt. Anwohner sprachen von einer gewaltigen Explosion, die in weiten Teilen Kabuls zu spüren war.

Zum Anschlag bekannten sich die Taliban. Karsai sagte dazu, diejenigen, die regelmässig an der Zerstörung Afghanistans mitwirkten, seien keine Afghanen. «Ein Afghane tötet nicht 30 Menschen während des heiligen Fastenmonats Ramadan.»

Die Europäische Union kündigte an, trotz der jüngsten Anschläge ihre Aufbauhilfe in Afghanistan zu verstärken. Nach einem Treffen der EU-Verteidigungsminister sagte EU-Chefdiplomat Javier Solana, die Anstrengungen dürften nicht nachlassen.

IKRK-Mitarbeiter freigelassen

Die Entführung von vier Mitarbeitern des Internationalen Komitees vom Roten Kreuz (IKRK) in Zentralafghanistan ging am Samstag unblutig zu Ende. Der Mazedonier, der Birmane und die beiden Afghanen wurden drei Tage nach ihrer Verschleppung von den Taliban freigelassen. Die Männer seien wohlauf, bestätigte das IKRK in Genf.

Die Taliban bezeichneten die Entführung als «Missverständnis». Die Helfer waren am Mittwochabend nach der gescheiterten Übergabe eines deutschen und fünf afghanischer Geiseln in der Provinz Wardak von Taliban-Kämpfern verschleppt worden.

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