Eigene statt westliche Impfstoffe – neuer Corona-Rekord in China

Publiziert

NeuinfektionenLieber eigene statt westliche Impfstoffe – China meldet Corona-Rekordzahlen

In China ist die Zahl der Corona-Neuinfektionen weiter gestiegen – auf den höchsten Wert im Land seit Beginn der Pandemie. 

1 / 9
Den zweiten Tag hintereinander hat die Zahl der Corona-Neuinfektionen in China eine neue Rekordmarke erreicht.  

Den zweiten Tag hintereinander hat die Zahl der Corona-Neuinfektionen in China eine neue Rekordmarke erreicht.  

REUTERS
Für Millionen Menschen wurde ein Lockdown angeordnet, der ab heute, Freitag, gilt.

Für Millionen Menschen wurde ein Lockdown angeordnet, der ab heute, Freitag, gilt.

REUTERS
Die Behörden registrierten innerhalb eines Tages weitere 32’700 bestätigte Fälle. Das ist der höchste Wert im Land seit Beginn der Pandemie. 

Die Behörden registrierten innerhalb eines Tages weitere 32’700 bestätigte Fälle. Das ist der höchste Wert im Land seit Beginn der Pandemie. 

REUTERS

Darum gehts

  • Chinas Null-Covid-Politik geht nicht auf.

  • Die Zahl der täglichen Neuinfektionen hat sich in zwei Wochen mehr als verdreifacht.

  • Die Auswirkungen auf die zweitgrösste Volkswirtschaft der Welt sind enorm.

  • In Millionenstädten wie Peking gibt es wieder strenge Ausgangsbeschränkungen. 

  • Für den Anstieg der Infektionen werden die neuen Omikron-Varianten verantwortlich gemacht.

  • «Aus nationalistischen Gründen weigert sich die Kommunistische Partei, westliche Impfstoffe zu akzeptieren, die effektiver als die chinesischen Spritzen sind», schreibt das «Wall Street Journal».

In der Corona-Welle in China hat die Zahl der Neuinfektionen den höchsten Stand seit dem Ausbruch der Pandemie vor knapp drei Jahren erreicht. Wie die Gesundheitskommission am Freitag in Peking mitteilte, wurden rund 32’700 neue Fälle gemeldet. Die Zahl der täglichen Neuinfektionen hat sich damit in zwei Wochen mehr als verdreifacht.

In Millionenstädten wie Peking, dem schwer betroffenen südchinesischen Guangzhou oder in Chongqing gelten weitgehende Bewegungsbeschränkungen. In der Hauptstadt waren Restaurants, Geschäfte und Schulen geschlossen – nur Supermärkte und Märkte waren zum Einkauf von Lebensmitteln noch geöffnet. Angestellte müssen im Homeoffice arbeiten. Die 21 Millionen Pekinger wurden aufgefordert, ihre Wohnungen möglichst nicht zu verlassen.

Enorme wirtschaftliche Auswirkungen

Die Auswirkungen auf die zweitgrösste Volkswirtschaft der Welt sind enorm: Experten der japanischen Finanzgruppe Nomura schätzten, dass etwas mehr als ein Fünftel der chinesischen Wirtschaftsleistung vom Lockdown betroffen sei – doppelt so viel wie noch im Oktober, wie die Finanzagentur Bloomberg berichtete. Schon am Vortag war der bisherige Höchststand der Neuinfektionen vom April überschritten worden. Damals war die ostchinesische Hafenmetropole Shanghai für zwei Monate in einen strikten Lockdown geschickt worden.

Während der Rest der Welt längst mit dem Virus lebt, hält China weiter unbeirrt an seiner strengen Null-Covid-Strategie fest. Schon bei einzelnen Fällen werden Wohnviertel abgeriegelt. Kontaktpersonen kommen in Quarantänelager. Infizierte werden im Krankenhaus isoliert. Auch hat sich das Land schon lange abgeschottet. Visa werden kaum vergeben. Einreisende müssen mindestens fünf Tage in Quarantäne in besondere Hotelzimmer – meist aber acht Tage.

Neue Omikron-Varianten verantwortlich

Jeden Tag gibt es Massentests, die die Finanzen der Kommunen extrem schwer belasten. Um in Supermärkte zu kommen, muss etwa in Peking ein negativer PCR-Test meist aus den letzten 24 Stunden nachgewiesen werden. Andere Orte verlangen Tests aus den vergangenen 48 Stunden. An Teststationen bilden sich täglich lange Schlangen.

Für den schnellen Anstieg der Infektionen werden die neuen Omikron-Varianten verantwortlich gemacht, die sich leichter verbreiten und dadurch die Vorbeugungsmassnahmen in China unterlaufen.

«Die Regierung versucht indes weiterhin die Quadratur des Kreises: Sie will die Zahl der Neuansteckungen auf ein Niveau nahe null drücken und gleichzeitig die Folgen für die Wirtschaft minimieren und den Alltag der Bürger so wenig wie möglich beeinträchtigen», kommentiert die «Neue Zürcher Zeitung» am Freitag Chinas Vorgehen bei der Bekämpfung der Covid-Pandemie.

Empfindet ihr etwas Schadenfreude gegenüber China? 

«Es gibt keine gute Lösung für Chinas Covid-Problem»

Angesichts der leichten Übertragbarkeit der neuen Virusvarianten sei das Unterfangen letztlich zum Scheitern verurteilt. Entweder überziehe die Regierung das Land in den kommenden Wochen mit flächendeckenden Lockdowns.

«Das könnte die Wirtschaft in die Knie zwingen und zu grösseren Unruhen führen. Oder aber die Behörden nehmen spürbare Lockerungen vor. Möglich wäre auch, dass sich das Virus unkontrolliert Bahn bricht. Beides könnte das unterentwickelte Gesundheitssystem an die Belastungsgrenze bringen. Es gibt keine gute Lösung für Chinas Covid-Problem.»

«Autoritäre Regime sind keine Modelle für öffentliche Gesundheit»

Und das amerikanische «Wall Street Journal» schreibt zum starken Anstieg der Corona-Fallzahlen in China: «Erinnern Sie sich noch, als Chinas Umgang mit Covid-19 als weltweites Modell galt? Westliche Gesundheitsexperten schauten mit verklärtem Blick auf Pekings Null-Covid-Politik. Nun, so viel dazu. Während sich der dritte Jahrestag des Covid-Ausbruchs nähert, meldet China Rekordinfektionszahlen.»

Chinas besonderes Problem sei, dass seine drakonische Null-Covid-Politik seine Menschen schlechter schütze, sei es mit Impfungen oder mit natürlicher Immunität. «Aus nationalistischen Gründen weigert sich die Kommunistische Partei, westliche Impfstoffe zu akzeptieren, die effektiver als die hausgemachten chinesischen Spritzen sind.»

Lange Lockdowns bedeuteten, dass weniger Menschen dem Virus ausgesetzt sind und natürliche Immunität entwickelt haben als im Rest der Welt. «Derweil mehren sich die Zeichen, dass der jüngste Covid-Ausbruch und die Lockdowns auf mehr öffentliche Frustration und Widerstand stossen. Die allgemeine Lehre aus Chinas Covid-Rechnung ist, dass Lockdowns nicht funktionieren und dass autoritäre Regime keine Modelle für öffentliche Gesundheit oder irgendetwas sonst sind.» 

Keine News mehr verpassen

Mit dem täglichen Update bleibst du über deine Lieblingsthemen informiert und verpasst keine News über das aktuelle Weltgeschehen mehr.
Erhalte das Wichtigste kurz und knapp täglich direkt in dein Postfach.

(AFP/DPA/gux)

Deine Meinung