Mister Schweiz: «Lieber ein hässlicher Schweizer als ein schöner Secondo…»
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Mister Schweiz«Lieber ein hässlicher Schweizer als ein schöner Secondo…»

In der Diskussion um den frischgekürten Mister Schweiz herrscht ein Wortkrieg zwischen Stadt und Land. Die einen loben den «bodenständigen» Glarner André Reithebuch als «echten Schweizer». Doch die Mehrheit sähe lieber einen anderen als Sieger.

Man kann es drehen und wenden wie man will: André Reithebuch, frischgewählter schönster Schweizer, polarisiert. Nicht genug, dass die erotischste Schweizerin Xenia Tchoumitcheva lieber den Vize-Mister als Gewinner sähe (20 Minuten Online berichtete), nein auch eine Mehrheit der 20-Minuten-Online-User fühlen es ihr nach. In den unmittelbar folgenden Talkback-Beiträgen gab es doppelt so viel Kritik an dem neuen Mister wie Lob.

«Milchbubi»

Bei den Negativ-Kommentaren ist augenfällig, wie oft Bezeichnungen wie «Milchbubi» oder «Babyface» benutzt werden. «Ich schäme mich fremd. Das ist ein Büebli und kein Mann», so Userin 'Andrea'. «Sind wir hier an einer Knabenwahl? Wir wollen doch keinen 12-Jährigen für die Schweiz präsentieren!», wundert sich 'Mister Hero'. Vor allem angesichts der Anzahl «echter Kerle», scheint die weibliche Leserschaft bestürzt über das Ergebnis: «2009 ist das erste Mal wo es wirklich VIELE, nein sogar nur (mit Ausnahme des Gewinners) schöne Männer dabei hatte», beklagt sich 'LU'. Jemand, die sich als 'Fast-Glarnerin' bezeichnet, schreibt: «Mein Favorit war Giovanni Romeo, ein echter Kerl! Gross, behaart … grrr!!! Ein Mann, wovon frau nachts träumt!» André laufe wohl mehr unter «jö» und «knuddel».

Viele Kritiker nehmen dem Neuen auch übel, dass er seine Beziehung verschwiegen hat und sich als Single präsentierte. «So ein Punkteschinder!», schreibt 'Mister Hero', während 'Valnes' konstatiert: «Drei Wochen hat er seine Wähler belogen. Ein Vorzeigeschweizer…».

«Bodenständig»

Die kleine Notlüge verzeihen ihm seine Bewunderer und Gratulanten unter den 20-Minuten-Online-Usern selbstredend. So besitze André einen unglaublichen Charme, was man bei diversen Mister-Schweiz-Lokalterminen erleben durfte. Doch vor allem verkörpert er eines: Bodenständigkeit. Fast in jedem Lob-Beitrag fällt das Adjektiv 'bodenständig': «Echt super, dass wieder ein bodenständiger, heimatverbundener, herzlicher und sympathischer junge Mann die Schweiz vertreten kann», freut sich 'Lisa' und fügt hinzu, «zudem hat er mit Richard Gere sehr viel Ähnlichkeit».

Doch vor allem ist beim Team Reithebuch eine unverhohlene Freude darüber zu erkennen, dass ein Handwerker aus Glarus die Wahl gewonnen hat – ergo «die globalisierungsverwässerte städtische Multikultischweiz hat diesmal gegen die ursprüngliche, urtümliche Urschweiz verloren […] Freude herrscht!», wie 'Selbst Glarner' ausdrückt.

Güllegraben

Es ist nicht zu leugnen: Die Kluft zwischen Stadt und Land ist tief – vielleicht sogar tiefer als der Röstigraben. Auf beiden Seiten werden regelrecht Gift und Galle gespuckt: «Lieber ein LANDEI aus LINTHAL als ein nicht bodenständiger MONGO aus ZÜRICH!», skandiert 'Seline'. Auf der anderen Seite des Grabens kontert Städterin 'Celia', dass sie genauso die Schweiz vertritt - sie, «die auch einen Schweizer Pass besitzt und eben NICHT aus einem übersubventionierten, von den Städten durchgefütterten Landkanton stammt». «Hauptsächlich ein Landei», seufzt 'Bea', die einen Schritt weitergeht und die Schweizer Verklärung des Volkstümlichen angreift: «Ich bin mir sicher: Wenn es unter den Kandidaten einen Bauern gäbe, könnte der eine Warze auf der Nase haben – der würde trotzdem gewinnen!»

Dass im Stadt-Land-Wortkrieg auch hart an der rassistischen Grenze gekämpft wird, ist zu erwarten: «Er hat keine südländischen Wurzeln oder dunkle Haut – er ist einfach ein richtiger Schweizer!», freut sich 'Isabelle', «Endlich mal wieder ein Eidgenosse!!!», jubelt 'Dan'. 'LU' aber moniert, «Lieber ein hässlicher Schweizer als ein schöner Secondo…». 'Lisa' setzt den Finger auf den Wunden Punkt: «Delmarque war der schönste, aber der ist ja schwarz …»

Die Tatsache, dass nach Whitney Toyloy um ein Haar eine weitere dunkelhäutige Schönheit die Schweiz repräsentieren könnte, sorgt für Diskussionen. Der Walliser, dessen Name Delmarque Vilela Gomes de Barros ebenso imposant wie sein Sixpack ist, findet viel Zuspruch unter der 20-Minuten-Online-Usern. 'Ueli' wagt gar eine interessante Prophezeiung: «Schade. Ich hätte den sympathischen Delmarque gewählt. Aber wetten, Delmarque wird in diesem jahr mehr verdienen?»

Wird Delmarque die Xenia der Misters? Schafft es ein afrikanisch-stämmiges Landei, den Stadt-Land-Graben zuzuschütten? Wir bleiben dran …

$$VIDEO$$Die Ergebnisverkündung bei der Wahl (Video: Yvonne Leonardi)

(obi)

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