«Lieber einen Bruder beim FCZ...»

Aktualisiert

«Lieber einen Bruder beim FCZ...»

Mory Kondé, auch bekannt als «Griot» ist ein Basler Rapper und ein notorischer Lokalpatriot der härtesten Sorte. Jetzt sitzt er im Letzigrund und schreit «Südkurvää». Wie es dazu kam, erzählt er im Interview mit 20minuten.ch.

Der Basler Rapper Griot tut nichts lieber als Hymnen auf seine Stadt rappen. Seit sein Bruder Oumar Kondé nach mehreren Zwischenstationen im Ausland beim FC Zürich Ende August einen Vertrag als Verteidiger unterschrieben hat, müsste Griot in Basel ein Glaubwürdigkeitsproblem haben, was er gegenüber 20minuten.ch aber vehement bestreitet.

«Lieber eine Schwester im Puff als einen Bruder beim FCZ» heisst es in Basel allenthalben. Das ist auch auf T-Shirts gedruckt, hast du dir schon eins besorgt?

Nein.

Und, was ist nun schlimmer: Eine Schwester im Puff oder einen Bruder beim FCZ zu haben?

Ich weiss es nicht, weil ich keine Schwester habe. Aber ich denke mal, die wenigsten hätten Freude an einer Schwester im Puff. Aber es macht mich froh, dass mein Bruder beim FCZ spielt.

Wie bitte? Du bist ein Basler Lokalpatriot der härteren Sorte, hast in Clips auch schon mal Muttenzerkurve und C-Fans gezeigt. Songs wie «My Basel» sagen alles, sind Kult in der Basler Subkultur.

Ja, schon. Aber das waren Lieder über die Stadt Basel und nicht über den FCB. Ausserdem helfe ich immer meinem Bruder. Ich habe ihn auch früher immer gegen mich gewinnen lassen.

Der Hardcore-Basler Griot unterstützt also offiziell einen FCZ-Spieler?

Natürlich. Ausserdem beeinträchtigt der Job von Oumar beim FCZ unsere Beziehung reichlich positiv. Vorher war der jahrelang im Ausland. Jetzt ist er wieder hier. Man sieht sich wieder ein wenig öfter.

Deine Lebensqualität dürfte allerdings ein wenig eingeschränkt sein. In Basel wirst du doch jetzt ständig aufgezogen.

Natürlich, Freunde und Arbeitskollegen sind mich deswegen anfangs schon angegangen. Aber meine Lebensqualität hat das nicht wirklich beeinträchtigt.

Aber die Basel-Credibility ist futsch.

Überhaupt nicht. Ich wohne ja immer noch in Basel. An einem FCB-Match war ich eigentlich nie und für meinen Bruder muss ich mich nicht rechtfertigen. Mir ist egal, was jeder von mir denkt, solange ich mache, wozu ich stehen kann.

Dann sieht man dich von jetzt an in der Zürcher Südkurve?

Nein. Oumar hat Tickets für die Westtribüne. Da schaue ich mit Eltern oder Freunden die Spiele und schreie «Südkurvää» rüber.

Maurice Thiriet, 20minuten.ch

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