Bahnhof Bern: Lieber Konsumenten als Bahnhofhänger
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Bahnhof BernLieber Konsumenten als Bahnhofhänger

Der Haupteingang des Bahnhofs Bern wird im Sommer und Herbst zur Baustelle, denn die SBB erweitert ihre Einkaufs- und Foodmeile. So soll auch die Bahnhofjugend «weggelotst» werden.

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Die SBB gestaltet die Südseite des Bahnhofs Bern um: Es soll mehr konsumiert werden können.

Die SBB gestaltet die Südseite des Bahnhofs Bern um: Es soll mehr konsumiert werden können.

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Das Côté Sud auf dem Balkon verschwindet, dafür baut das Tibits sein Restaurants auf zwei Stöcke aus.

Das Côté Sud auf dem Balkon verschwindet, dafür baut das Tibits sein Restaurants auf zwei Stöcke aus.

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Der SBB waren die Bahnhofjugendlichen und die Randständigen beim Haupteingang schon lange ein Dorn im Auge.

Der SBB waren die Bahnhofjugendlichen und die Randständigen beim Haupteingang schon lange ein Dorn im Auge.

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«Das Angebot im Bahnhof Bern erfährt diverse Neuerungen. Die grössten Veränderungen stehen dabei auf der Bahnhof-Südseite in Richtung Bahnhofplatz an», schreibt die SBB in einer Medienmitteilung. Dies erfordert einige bauliche Veränderungen, so die SBB. Die Rückbau- und Umbauarbeiten starten voraussichtlich im Juli 2018 und dauern den Sommer und Herbst über an.

Das Restaurant Côté Sud oberhalb des Tibits schliesst per Ende Juni. Das Tibits erweitert deshalb auf zwei Stöcke, zusätzlich übernimmt das Vegi-Restaurant im Galeriegeschoss die Fläche von Sherpa Outdoor und die Aussenfläche, die bisher für Sonderverkäufe genutzt wurde. Die Neueröffnung des Mega-Tibits ist auf Ende Jahr geplant.

Viele Berner werden dem Côté Sud noch lange nachtrauern, denn es war das letzte Berner Bahnhofbuffet. Hier trafen sich Einsame, Alteingesessene, Pendler mit etwas mehr Zeit und vor allem viele mit kleinerem Budget. Die tiefen Preise wurden sehr geschätzt. Wie der «Bund» berichtete, sei der Mietvertrag des Côté Sud von Seiten der SBB nicht verlängert worden. Damit werde die Gentrifizierung weiter fortgesetzt.

«Wir stören hier weder Pendler noch Gäste»

Der Berner Hauptbahnhof soll attraktiver werden. Deswegen will die SBB herumlungernde Jungendliche und Randständige vom Areal weglotsen. Diese haben aber vor zu bleiben.

Schon lange ein Dorn im Auge

Die SBB will den Bahnhofseingang nicht nur aufwerten, es soll dort auch mehr Geld ausgegeben werden: Insbesondere Pendler sollen länger verweilen. Das war bisher in diesem schlundähnlichen Durchgang kaum möglich: Eigentlich standen dort nur Raucher, Randständige und Bahnhofhänger herum.

Diese waren der SBB schon lange ein Dorn im Auge, berichtete der «Bund». Aus diesem Grund habe die SBB die eine Aufwertung überhaupt erst geplant: Um die Randständigen wegzulotsen und mehr Einnahmen mit konsumierenden Pendlern zu generieren. Die SBB hatte hierzu schon mehrere Massnahmen getroffen: Zum Beispiel wurden die Aschenbecher verschoben oder die Mauer zwischen Burgerspital und Haupteingang entfernt, damit sich Randständige etwas weiter drüben versammeln.

Sprüngli zieht um

Auch Sprüngli kapitulierte vor der Bahnhofjugend: Im März wurde bekannt, dass die Confiserie ihre Filiale beim Haupteingang schliesst. Sprüngli zieht einen Stock tiefer. In den heutigen Sprüngli beben dem Haupteingang wird ab Oktober «Florian Caffé & Bar» einziehen.

Sprüngli wird sich im Neubau des Glaspavillons in der Christoffelunterführung einmieten und dort die Fläche mit Blumen Ackermann teilen. Der neue Pavillon ist etwas grösser als der bisherige. Die Abbruch- und Neubauarbeiten für den Pavillon dauern voraussichtlich von Anfang Juni bis Herbst 2018. Blumen Ackermann wird das heutige Hauptgeschäft auf der Stadtebene neben dem Tourismusbüro abtreten. Die SBB hat die freiwerdende Fläche ausgeschrieben.

Migros vergrössert um 100 Quadratmeter

Auch bei weiteren Geschäften im Bahnhof gibt es Neuerungen. Der Migros Take-away in der Halle wird ab 30. Juni geschlossen und umgebaut. Die Wiedereröffnung erfolgt zwischen Mitte und Ende Juli. Zudem wird der Migros-Supermarkt im Obergeschoss im Spätsommer um rund 100 Quadratmeter erweitert. Die Migros-Filiale bleibt während des Umbaus geöffnet. Die Arbeiten werden teilweise in der Nacht ausgeführt.

Starbucks wird die Filiale in der Halle ebenfalls einem Redesign unterziehen und diese deshalb voraussichtlich ab Mitte Juli bis Anfang August 2018 schliessen. Bei den meisten dieser Vorhaben seien die Baubewilligungen laut SBB derzeit noch ausstehend.

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