Coronavirus: Lieber öfter anrufen, statt das Grosi zu besuchen
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CoronavirusLieber öfter anrufen, statt das Grosi zu besuchen

Eine Coronavirus-Infektion kann für Personen ab 60 dramatisch enden. Der Bund appelliert nun an die Jüngeren, Ansteckungen von Älteren zu verhindern.

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dgr
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Für Menschen ab 65 Jahren kann eine Infektion mit dem Coronavirus dramatisch enden. In den Altersheimen werden deshalb verschiedene Massnahmen ergriffen, um die Bewohner vor einer Erkrankung zu schützen.

Für Menschen ab 65 Jahren kann eine Infektion mit dem Coronavirus dramatisch enden. In den Altersheimen werden deshalb verschiedene Massnahmen ergriffen, um die Bewohner vor einer Erkrankung zu schützen.

Keystone/Gaetan Bally
Pro Senectute rät, dass die jüngeren Generationen vermehrt über das Smartphone mit ihren älteren Verwandten Kontakt haben sollten: «Die Bewohner von Altersheimen freuen sich immer über eine Kontaktaufnahme von Verwandten», sagt Peter Burri, Pressesprecher von Pro Senectute.

Pro Senectute rät, dass die jüngeren Generationen vermehrt über das Smartphone mit ihren älteren Verwandten Kontakt haben sollten: «Die Bewohner von Altersheimen freuen sich immer über eine Kontaktaufnahme von Verwandten», sagt Peter Burri, Pressesprecher von Pro Senectute.

Keystone/Christian Beutler
Eine Ärztin kümmert sich um einen Patienten während einer Pressekonferenz über das Coronavirus Im Inselspital Bern. Das Pflegepersonal ist wegen des Coronavirus am Anschlag.

Eine Ärztin kümmert sich um einen Patienten während einer Pressekonferenz über das Coronavirus Im Inselspital Bern. Das Pflegepersonal ist wegen des Coronavirus am Anschlag.

Keystone/Anthony Anex

Das Risiko, am Coronavirus zu sterben, steigt mit zunehmendem Alter an, ab 65 Jahren dramatisch: An der Medienkonferenz des Bundesamts für Gesundheit (BAG) vom Mittwoch war das die zentrale Botschaft. Es sei darum «unwahrscheinlich», dass in der Schweiz Todesfälle wegen des Virus gänzlich verhindert werden können. Gemäss der Weltgesundheitsorganisation (WHO) sind bislang weltweit rund 3,4 Prozent aller Erkrankten am Virus gestorben. Bei den unter 50-Jährigen sind es 0,5 Prozent, bei den 60- bis 69-Jährigen knapp 4 und bei den über 80-Jährigen fast 15 Prozent.

Viele Leser machen sich nun sorgen um ihre Eltern oder Grosseltern. «Ich hoffe, dass meine 88-jährige kranke Mutter nicht an diesem Virus sterben wird, sondern einfach friedlich einschlafen darf», schreibt eine Leserin. Ein Vater schreibt: «Da meine Eltern im selben Haus wohnen und die Kinder hüten, wenn ich arbeiten gehe, mache ich mir natürlich Sorgen. Mein Vater ist immer der Erste ist, der etwas aufliest. Es ist ein sehr mulmiges Gefühl.»

«Junge müssen Sichtweise auf das Virus ändern»

Künftig wird es laut dem Bund verstärkt darum gehen, die älteren Menschen zu schützen. «Bislang sind mehr Junge erkrankt, aber das wird sich ändern», sagte Daniel Koch, Leiter Übertragbare Krankheiten beim BAG. Es seien die Jüngeren, die viel reisten und das Virus nun verbreiteten. Koch appelliert daran, dass sie die Hygieneregeln einhalten und auch auf Distanz zu den Älteren gehen. Er stellte weitere Empfehlungen in Aussicht. Koch hatte bereits am vergangenen Samstag gewarnt, dass die Grosseltern nun nicht kranke Kinder hüten sollten (siehe Box).

Felix Schlatter ist Geschäftsführer des Alters- und Pflegezentrums Schmiedhof in Zürich mit rund 100 Bewohnern. Er appelliert an die Jungen, ihre Sichtweise auf das Virus aus Rücksicht auf die älteren Personen zu ändern: «Es geht nicht nur darum, sich selber zu schützen. Jeder Einzelne muss sich auch bewusst sein, dass er Träger des Virus sein und andere anstecken könnte.»

Dazu gehört für Schlatter auch, dass Junge sich fragen: «Muss ich heute wirklich in eine Disco, wenn ich dadurch die Gesundheit älterer Menschen gefährde?» Schlatter beobachtet die aktuellen Entwicklungen genau: «Wir sind nicht mehr weit vom Entscheid entfernt, den Schmiedhof vorübergehend zu isolieren. Diesen Entscheid fällen wir eigenverantwortlich und unabhängig vom BAG zum Schutz unserer Bewohner», sagt Schlatter.

«Besuchsverbot ist gravierender Einschnitt in die Lebensqualität»

Auch für Gaby Bieri, Ärztliche Direktorin der Pflegezentren der Stadt Zürich, ist der Schutz der Bewohner zentral. «Uns ist bewusst, dass jüngere Personen häufig einen leichteren Krankheitsverlauf haben und ältere Menschen auch dann anstecken können, wenn sie sich selber kaum krank fühlen.» Bieri appelliert an die Eigenverantwortung und den gesunden Menschenverstand der Besucher von Alters- und Pflegezentren.

Dass die Stadt Zürich für ihre Alters- und Pflegezentren ein Besuchsverbot verhängt, sei nicht ausgeschlossen: «Wenn das Virus sich weiter ausbreitet, wird es nicht anders gehen.» Bieri gibt aber zu bedenken, dass ein solches Verbot für ältere Leute einen gravierenden Einschnitt in die Lebensqualität darstellen würde: «Wir hoffen das natürlich nicht, aber die Zentren könnten über Wochen oder Monate geschlossen bleiben. So lange keinen Besuch zu erhalten, kann für ältere Menschen sehr schwierig sein.»

«Bewohner freuen sich über Anruf oder Nachrichten auf Social Media»

Dagegen weiss Peter Burri, Pressesprecher von Pro Senectute, Rat: «Wir empfehlen den jüngeren Generationen derzeit, für die Kontaktpflege mit den älteren Verwandten öfter einmal zum Telefon zu greifen. Die Bewohner von Altersheimen freuen sich immer über eine Kontaktaufnahme von Verwandten.» Ein halbstündiges Gespräch oder aktiver Kontakt über Social Media könne für alle Beteiligten auch erfüllender sein.

Gewisse Altersheime wurden zum Schutz der Bewohner bereits isoliert. Die Berner Domicil-Gruppe betreut an 23 Standorten rund 1650 Bewohner. Seit Montag sind sämtliche Häuser inklusive Restaurants und Cafeterias für Besucher geschlossen. Auch öffentliche Veranstaltungen werden nicht mehr durchgeführt, Besuche sind nur noch «in absoluten Ausnahmefällen möglich» und müssen direkt mit der Geschäftsleitung abgesprochen werden, wie es auf der Website heisst.

Auch die Betreuung von Enkelkindern birgt die Gefahr einer Ansteckung. Koch sagte an einer früheren Medienkonferenz: «Es ist keine gute Idee, wenn Familien nun Grosseltern zur Betreuung von Kindern einsetzen, damit die Eltern weiter arbeiten können, falls sie kranke Kinder zuhause haben.» Nach Berechnungen des Bundesamts für Statistik Betreuungsarbeit. «Das ist bei uns », sagt Prisca Mattanza, Pressesprecherin von Kibesuisse. Derzeit würden Abklärungen laufen, welche Massnahmen in der institutionellen Kinderbetreuung getroffen werden können,

Auch die Betreuung von Enkelkindern birgt die Gefahr einer Ansteckung. Koch sagte an einer früheren Medienkonferenz: «Es ist keine gute Idee, wenn Familien nun Grosseltern zur Betreuung von Kindern einsetzen, damit die Eltern weiter arbeiten können, falls sie kranke Kinder zuhause haben.» Nach Berechnungen des Bundesamts für Statistik Betreuungsarbeit. «Das ist bei uns », sagt Prisca Mattanza, Pressesprecherin von Kibesuisse. Derzeit würden Abklärungen laufen, welche Massnahmen in der institutionellen Kinderbetreuung getroffen werden können,

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