Bis nach Deutschland: Liebeshungriger Luchs läuft 1600 Kilometer
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Bis nach DeutschlandLiebeshungriger Luchs läuft 1600 Kilometer

Bis in den Schwarzwald ist ein Schweizer Luchs gewandert. Er sucht ein Weibchen für die Paarung. Seine Suche dürfte schwierig werden.

von
ann

Friedl ist weit gereist: Der zwei bis drei Jahre alte Luchs, der sich derzeit in Baden-Württemberg aufhält, stammt ursprünglich aus dem Schweizer Jura. Forscher der Forstlichen Versuchs- und Forschungsanstalt in Freiburg, die den Schweizer Luchs im April 2015 mit einem Sender ausgestattet haben, zeichnen seine Wanderwege auf.

Über 1600 Kilometer hat Friedl in den letzten Monaten zurückgelegt. Die deutschen Forscher sind überzeugt, dass der Luchs nach einer Braut sucht. Nur hat er dabei eine wenig erfolgsversprechende Richtung gewählt: Auf seiner Suche hat es ihn bis nach Ulm verschlagen. In der schwäbischen Stadt an der Grenze zu Bayern wurde zuletzt vor über 200 Jahren ein Luchs gesichtet.

Kaum Luchse im Schwarzwald

Was Friedl wohl nicht so gefällt, freut die Deutschen umso mehr. Zahlreiche Zeitungen griffen in den letzten Tagen die Geschichte der wandernden, liebeshungrigen Grosskatze auf. Das Bittere daran: Nicht nur rund um Ulm, auch im Schwarzwald wird seine Suche ziemlich aussichtslos sein. Dorthin verirren sich nur vereinzelt Luchse.

Ein Projekt, Luchse in der Gegend auszuwildern, gibt es nicht. Doch Forscher und Förster arbeiten darauf hin. Nebst Friedl hält sich zurzeit noch ein anderer Luchs in der Gegend auf. Dabei soll es sich aber um ein weiteres Männchen handeln.

Wollte Friedl in den Bayerischen Wald?

Die nächste Gegend in Deutschland, in der Luchse ausgewildert werden, ist der Bayerische Wald nahe der Grenze zu Tschechien. Vielleicht wollte Friedl ja genau dorthin – die Richtung zumindest hätte gestimmt. Doch er hat nicht mit der Autobahn A8 gerechnet, die ihm den Weg abschnitt. So ist er auf der Suche nach seiner Braut wieder umgekehrt und zurück in den Schwarzwald.

In Baden-Württemberg vermutet man, dass Friedl nicht mehr lange bleiben wird. «Weil er hier kein Weibchen findet», sagt ein deutscher Wildbiologe zu den Medien. Dies sei der Grund, weshalb über kurz oder lang alle Luchse das Schwabenland wieder verliessen. Gut möglich also, dass Friedl irgendwann wieder in die Schweiz zurückkehrt.

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