Aktualisiert

Vor GerichtLiebestolle Schweizerin stalkte Pfarrer

Einer 58-jährigen Schweizerin sind ihre starken Gefühle für einen Gottesmann in Wien zum Verhängnis geworden. Nachdem sie den katholischen Pfarrer jahrelang belästigt hat, kommt sie nun in der österreichischen Hauptstadt vor Gericht.

Die Schweizerin sitzt seit vier Wochen in Wien in Untersuchungshaft. Dies berichtete die österreichische Nachrichtenagentur APA am Dienstag. Die Anwältin Astrid Wagner bestätigte gegenüber APA einen entsprechenden Bericht des Online-Magazins «Blaulicht und Graulicht».

Die Schweizerin war am 9. Januar erneut in der Wiener Pfarrei Dornbach erschienen. Daraufhin erliess das Straflandesgericht einen Haftbefehl gegen sie. Dieser wurde Ende Januar vollzogen, als die Lehrerin erneut nach Wien gereist war.

Die Schweizerin geniesse konsularischen Schutz, war von Seiten des Eidg. Departements für auswärtige Angelegenheiten (EDA) zu erfahren. Sie sei von einem Mitarbeiter der Konsularabteilung besucht worden.

Beharrlich verfolgt

Im vergangenen Dezember hätte sich die Frau wegen beharrlicher Verfolgung des Pfarrers vor dem Landesgericht für Strafsachen in Wien zu verantworten gehabt. Der Termin platzte, da die Frau nicht erschienen war. «Sie hatte sich damals an der Hand verletzt», erläuterte nun ihre Anwältin gemäss APA.

Der Schweizerin wird vorgeworfen, seit Jahren die Lebensführung des Priesters auf unzumutbare Weise zu beeinträchtigen. Sie habe ihm Hunderte Liebesbriefe per E-Mail geschrieben, teils mehrmals täglich angerufen, ihn ständig besucht, mit Geschenken überhäuft und seine Gottesdienste gestört.

Während einem Gottesdienst soll sie sich einmal an seinem Messgewand festgekrallt haben. Im Beichtstuhl soll es sogar zu einem «Annäherungsversuch» gekommen sein.

«Sie wird das nicht mehr machen»

«Ich halte die U-Haft nicht unbedingt für angemessen. Meine Mandantin ist eigentlich nicht gefährlich, allenfalls lästig», betonte die Verteidigerin. Die Frau sei «eine gepflegte Dame, eine intelligente Person. Sie ist eine Lehrerin und wirkt auch so», sagte Wagner.

Die psychiatrische Sachverständige Sigrun Rossmanith soll nun klären, ob die 58-Jährige zurechnungsfähig ist. Bis zum Gerichts- und Urteilstermin vom 6. März soll das Gutachten vorliegen, hiess es seitens des Straflandesgerichts. Sollte die Zurechnungsfähigkeit bejaht werden, drohen der Frau bis zu zwölf Monate Haft.

Ihre Anwältin ist überzeugt, dass eine Inhaftierung in diesem Fall nicht mehr notwendig ist: «Sie hat eingesehen und verstanden, dass ihr Verhalten nicht erwünscht ist. Sie hat sicherlich kapiert, dass der Herr Pfarrer das keinesfalls will. Sie wird das nicht mehr machen.»

(sda)

Deine Meinung