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Rihanna - «A Girl Like Me»Liebling der Saison

Wie wird dieser Sommer klingen? Möglicherweise nach Rihanna. Die 18-jährige Sängerin erhielt für ihr neues Album bereits dicke Vorschusslorbeeren.

Mit Sommerhits ist es ja so eine Sache: Am Anfang findet sie jeder blöd, und dann tanzen plötzlich alle dazu. Spätestens im Herbst wendet sich die Masse dann angewidert ab und verhängt über das an sich harmlose Liedgut eine mehrjährige Spielsperre. So geschehen mit «Macarena» (1996), «Mambo No. 5» (1999), «Aserejé» (2002) und «Dragostea din tei» (2004). Der Nervfaktor entscheidet dabei über Sieg oder Niederlage. Ein Song kann gar nicht simpel genug sein, um nicht in die engere Wahl für den kommenden Sommerhit zu fallen. Alle anderen Regeln werden ausser Kraft gesetzt – es entscheidet allein der Geschmack des Pöbels, der den Zeitgeist zwar meist über verworrene Wege, letztlich aber immer präzise widerspiegelt.

So gesehen bringt «S.O.S.» einige wichtige Grundvoraussetzungen mit. Die Single-Auskopplung von Rihannas neuem Album «A Girl Like Me» besticht zuallererst durch die völlige Abwesenheit von Inspiration. Über ein bewährtes «Tainted Love»-Sample bittet die junge Frau in bewährter Manier («Pon de Replay») um Folgendes: Man möge sie doch erretten aus der Seenot, in welche sie durch allerlei Liebesirrungen und -wirrungen geraten sei.

Unnötig zu erwähnen, dass das Ganze tüchtig in die Beine fährt. Denn so einfach dieses Nichts von einem Song gestrickt sein mag – die Produktion ist auf der Höhe seiner Zeit. Immerhin hat sich Def-Jam-CEO und Rap-Mogul Jay-Z der exotischen Schönheit aus Barbados angenommen, und als Gesamtwerk überzeugt «A Girl Like Me» tatsächlich: Da trifft Reggae auf Rock («Kisses Don't Lie»), Tanzbares auf Politisches («Dem Haters»), Lüsternes auf Verschmustes («We Ride») und Rihanna auf Sean Paul («Break It Off»).

Vieles davon hätte auch auf einem Pink-, Gwen-Stefani-, Britney-Spears- oder Beyoncé-Album eine gute Figur gemacht, während die auffallend vielen Balladen sowie ein Remix von «Pon de Replay» eher davon zeugen, wie wenig Zeit Jay-Z sich und seinem Schützling für das zweite Album gelassen hat. Rihanna jedenfalls dürfte mit «A Girl Like Me» diesen Sommer einen bleibenden Eindruck hinterlassen. Ob es für einen echten Sommerhit reicht, hängt von anderen Faktoren ab: Wonach dem Partyvolk auf Mallorca, Ibiza, Mykonos und Korfu die kommende Saison der Sinn steht, und ob nicht doch wieder – wie vor zwei Jahren – ein popmusikalisches Entwicklungsland das Rennen machen wird.

Rihanna «A Girl Like Me» (Def Jam/ Universal).

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