Aktualisiert 08.09.2009 18:19

NormalisierungLiechtenstein und Tschechien nähern sich an

Tschechien und Liechtenstein haben erstmals seit Kriegsende diplomatische Beziehungen zueinander aufgenommen und wollen wirtschaftlich mehr zusammenarbeiten. Geplant ist der Abschluss eines Doppelbesteuerungsabkommens.

Zusätzlich wurde die Einsetzung einer Historikerkommission beschlossen, welche die wechselvolle gemeinsame Geschichte beider Länder im 20. Jahrhundert aufarbeitet. Das Fürstenhaus von und zu Liechtenstein hatte nach Ende des Zweiten Weltkrieges in Böhmen, Mähren und Schlesien einen riesigen Vermögensverlust erlitten.

Die Dekrete des damaligen Präsidenten Edvard Benes enteigneten mit einem Schlag alle in der Tschechoslowakei lebenden Deutschen. Auch liechtensteinisches Vermögen wurde entschädigungslos eingezogen. Über Nacht hatte das Adelsgeschlecht der von und zu Liechtenstein allen Grund und Boden, Äcker, Wiesen, Güter, Industriebetriebe, Herrensitze und Schlösser verloren. Deshalb gab es bis heute keine diplomatischen Beziehungen zwischen Prag und Vaduz. Die Liechtensteiner Interessen gegenüber Tschechien vertritt seit 1938 die Schweiz.

Das soll sich jetzt ändern. Liechtensteins Aussenministerin Aurelia Frick und der tschechische Vizepremier- und Aussenminister Jan Kohout unterzeichneten am Dienstag in Prag eine Erklärung über die Aufnahme diplomatischer Beziehungen sowie ein Memorandum über die zukünftige Zusammenarbeit.

In einem nächsten Schritt verhandeln die beiden Länder über ein OECD-konformes Doppelbesteuerungsabkommen, wie die Stabstelle für Kommunikation in Vaduz mitteilte. Das Abkommen soll laut Liechtensteins Aussenministerin eine solide Basis für die Entwicklung der Wirtschaftsbeziehungen sowie für die verstärkte Kooperation in Steuerfragen bilden. (sda)

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