Steuerhinterziehung: Liechtenstein zittert vor deutscher Peitsche
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SteuerhinterziehungLiechtenstein zittert vor deutscher Peitsche

Die Treuhänder im Ländle fürchten um ihre Jobs. Datendiebstähle und der immer lautere Ruf aus dem Ausland nach mehr Steuerinformationen erschüttern die Branche in den Grundfesten.

Das Wort Angst will sie partout nicht in den Mund nehmen: Beatrice Noll Schurti, Geschäftsführerin der Liechtensteinischen Treuhändervereinigung, spricht von «Verunsicherung» und «Galgenhumor» unter den rund 2000 Beschäftigten im Treuhandwesen.

Die letzten Monate hinterliessen tiefe Spuren. Bevor der deutsche Finanzminister Peer Steinbrück der Schweiz als angebliche Steuerorase mit der Peitsche drohte, hatte sich Berlin auf das Fürstentum eingeschossen. Die Verhaftung des damaligen Postchefs Klaus Zumwinkel vor laufenden Kameras Mitte Februar war Wasser auf die Mühlen Berlins.

Zumwinkel und sein Bruder sollen Millionenbeträge in anonymen, von Treuhändern verwalteten Stiftungen am Fiskus vorbeigeschleust und in Liechtenstein gebunkert haben. Auslöser der Steueraffäre war ein Datendiebstahl bei der LGT Treuhand, dem Schwesterunternehmen der fürstlichen LGT Bank. Es war der zweite Fall von Datenklau nach jenem bei der Landesbank.

Vorwärtsstrategie wohin?

Die Diebstähle und der Druck nach mehr Steuerinformationen machen den Treuhändern zu schaffen. Deutschland lässt nicht locker und pocht auf Steuertransparenz auch im Zusammenhang mit dem Betrugsabkommen, das Liechtenstein mit der EU abschliessen will.

Regierungschef Otmar Hasler und Erbprinz Alois proklamierten eine Vorwärtsstrategie. Das System der Rechts- und Amtshilfe bei Steuerangelegenheiten müsse auf eine neue Grundlage gestellt werden, sagte der Thronfolger am Staatsfeiertag.

Ausschluss beklagt

Allein, wohin die Reise geht, weiss niemand. Der Erbprinz musste einräumen, es sei noch zu früh, um über Einzelheiten zu sprechen. Die Treuhänder klagen, dass sie weder vom Fürstenhaus noch von der Regierung über die Zukunft des kriselnden Finanzplatzes eingeweiht werden.

Die Öffnung dürfe nicht «mit einem Ausverkauf der Heimat» gleichgesetzt werden», schrieb die Treuhändervereinigung. Und der Triesner Roger Frick doppelte in einem Beitrag nach: Seit drei Jahren könnten die Treuhänder ihre Interessen nicht mehr einbringen.

«Game over» - weg vom Schwarzgeld

Gesprächig sind die verschwiegenen Berufsleute nur hinter vorgehaltener Hand. Die Beilage «Wirtschaft regional» der Tageszeitung «Liechtensteiner Vaterland» zitierte anonym Branchenvertreter, denen offenbar die schiere Angst im Nacken sitzt. Andere versuchen, das Beste herauszuholen.

«In meinen Beobachtungen zur langfristigen Einschätzung der Marktentwicklung bewerte ich die 'Auflösung des Schwarzgeldes' als einen Megatrend im Finanzsektor», schrieb Fritz Kaiser, Vorsitzender der Geschäftsleitung der Kaiser Ritter Partner Holding Anstalt in Vaduz, in einem ganzseitigen Zeitungsinserat.

«Game over - Das Spiel ist aus», betitelte Markus H. Wanger, füherer Präsident der Treuhändervereinigung einen Leserbrief, in dem er ein Rettungsszenario skizzierte. Der Umbruch werde nicht leicht sein, es werde Verlierer geben, aber auch Gewinner.

Banken retten, Treuhänder opfern

Das soeben ausgehandelte Abkommen mit den USA über den Informationsaustausch in Steuersachen trug nicht eben zur Beruhigung bei. Die Treuhänder sehen sich erneut in der Opferrolle. Sie glauben, der Vertrag nütze allein den Banken.

Einige Treuhänder sprächen von einer «Lex LGT», berichtete das «Liechtensteiner Vaterland». Die Regierung und die Fürstenfamilie als Besitzerin der LGT Group wollten die Geldinstitute retten. Und dafür habe man die Treuhänder geopfert, so ein Branchenvertreter.

(sda)

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