Schatzsuche geplant: Liegt Nazi-Gold in See an Schweizer Grenze?

Aktualisiert

Schatzsuche geplantLiegt Nazi-Gold in See an Schweizer Grenze?

Im Lünersee nahe der Schweizer Grenze vermutet ein US-Schatzsucher Nazi-Gold. Demnächst will er den Schatz heben. Auf diesen könnten Nachkommen von Holocaust-Opfern Anspruch erheben.

von
lüs

Liegt im Lünersee im Vorarlberg, nahe der Grenze zum Bündner Prättigau, ein Schatz, den Nazis kurz vor dem Ende des Zweiten Weltkriegs zur Seite geschafft haben? Davon geht der US-Amerikaner Norman Scott aus. Mit seiner auf Schatzsuchen spezialisierten Firma Global Explorations will er Ende August auf die Suche gehen. Sein Projekt ist vom Grundeigentümer des Sees, dem österreichischen Kraftwerkbetreiber Illwerke/VKW, bewilligt worden.

Die Geschichte über den angeblichen Schatz ist schon seit Jahrzehnten bekannt. In den letzten Tagen des Zweiten Weltkriegs sollen Nationalsozialisten aus dem KZ Dachau eilig Juwelen, seltene Briefmarken und Goldbarren in vier Munitionskisten gepackt haben.

Mitwisser der Geschichte verschwand unter geheimnisvollen Umständen

Die wertvollen Güter, die Dachauer KZ-Häftlingen geraubt worden waren, sollen sie über München und den Arlbergpass bis an den 1970 Meter über Meer liegenden Lünsersee gebracht und dort vergraben haben – mit der Absicht, die Kisten später wieder zu holen. Dies soll ein zum Tode verurteilter SS-Mann dem Arzt Wilhelm Gross vor seiner Hinrichtung erzählt haben – kurz darauf soll Gross auf mysteriöse Weise verschwunden sein. Vorher hatte er noch einem US-Geheimdienstmann von der Geschichte erzählt.

1956 sanken die Chancen, den Schatz zu finden – damals wurde an dem See ein Staudamm errichtet, die Ufer wurden geflutet. Derzeit ist das Wasser des Sees aber wegen Instandhaltungsarbeiten abgesenkt – wodurch die Bedingungen für die Schatzsuche günstig sind. Ob es jedoch wirklich so weit kommt, ist unklar: Denn neben der Bewilligung des Grundeigentümers bräuchte Schatzsucher Scott auch grünes Licht vom österreichischen Bundesdenkmalamt – dort hat er aber noch nicht einmal ein Gesuch eingereicht. Und das Zeitfenster für die Schatzsuche ist kurz: Der Kraftwerkbetreiber beginnt bereits wieder damit, den Stausee mit Wasser zu füllen.

Nachkommen von KZ-Häftlingen könnten Schatz beanspruchen

Würde Scott dennoch fündig, dürfte die Frage für Diskussionen sorgen, wem der Schatz zusteht. Bernhard Hebert, Leiter der Abteilung Archäologie des Bundesdenkmalamts, sagt gegenüber der Zeitung «Der Standard»: «Wenn das Güter sind, die Häftlingen im Konzentrationslager abgenommen worden sind, gibt es Rechtsnachfolger – das dürfte eine verzwickte Angelegenheit werden.»

Deine Meinung