Todesfall im Gefängnis: Liess man Häftling José M. elend krepieren?

Aktualisiert

Todesfall im GefängnisLiess man Häftling José M. elend krepieren?

In der Strafanstalt Pöschwies in Regensdorf ZH ist letzten Freitag ein Häftling gestorben. Angehörige werfen den Aufsehern unterlassene Hilfeleistung vor. Die Staatsanwaltschaft dementiert.

von
Felix Burch

Am Morgen des 10. August lag der 31-jährige Dominikaner José M.* tot in seiner Zelle in der Justizvollzuganstalt Pöschwies in Regensdorf. Zwei Tage später ruft ein Gefängnisinsasse seine Verlobte, Anneliese Martins, an und erzählt ihr, der Häftling habe fünf Tage vor seinem Tod um einen Arztbesuch gebeten.

Bauchkrämpfe hätten ihn geplagt. Zu einem Termin kam es laut der Verlobten nicht, der Häftling habe Medikamente bekommen, wie Martins 20 Minuten Online erzählt. In der Nacht auf den 10. August habe er sich schliesslich vor Schmerzen gewunden, der Rest ist bekannt.

Todesfall nicht kommuniziert

Peter Zimmermann, Präsident der Strafgefangenen-Organisation «Reform 91», sagt: «Mehrere Gefangene berichteten übereinstimmend, dass der 31-Jährige laut geschrien habe, ihm aber nicht geholfen worden sei.» Angehörige und Freunde des Häftlings sowie die «Reform 91» werfen den Pöschwies-Verantwortlichen deshalb unterlassene Hilfeleistung vor. Zudem wird kritisiert, dass die Anstalt den Tod nicht kommunizierte.

Jessica Mayer, stellvertretende Kommunikationsbeauftragte des Zürcher Amtes für Justizvollzug, erklärt: «Bei Suiziden und Todesfällen mit Drittverschulden geht das Amt für Justizvollzug aktiv auf die Medien zu.» Bei natürlichen Todesfällen – und davon gehe man in diesem Fall bis jetzt aus - werde das Ergebnis der Obduktion abgewartet und je nach Situation entscheiden, ob eine Information an die Öffentlichkeit notwendig sei oder nicht.

Der zuständige Staatsanwalt Christian Philipp bestätigt den Tod des Dominikaners. Die Vorwürfe verneint er, gestützt auf den derzeitigen Ermittlungsstand, entschieden: «Dass der Häftling wegen unterlassener Hilfeleistung gestorben sein soll, entbehrt derzeit jeder Grundlage.» Die genaue Todesursache sei noch nicht bekannt, er habe eine Obduktion veranlasst, was ein völlig normaler Vorgang sei. Bis wann die Ergebnisse vorliegen, ist offen.

«Wir haben nichts zu verbergen»

Die Art, wie die Untersuchungen durchgeführt werden, sind Zimmermann von der «Reform 91» ein Dorn im Auge. «Wir stellen fest, dass die eigentliche Todesursache verschwiegen, nicht öffentlich mitgeteilt wird.» Deshalb hat die Organisation beim Zürcher Kantonsrat eine Petition deponiert, die eine unabhängige Untersuchungskommission zu Klärung der letzten Todesfälle in der Strafanstalt Pöschwies verlangt. Bis eine Antwort vorliegt, wird es eine Weile dauern.

Mayer vom Amt für Justizvollzug stellt jedoch schon jetzt klar: «Wir sind selbstverständlich an einer lückenlosen Aufklärung des Todesfalls durch die Staatsanwaltschaft interessiert und haben nichts zu verbergen.» Ob zur Aufklärung die Einsetzung einer PUK notwendig sei, müssten Politiker beantworten.

*Name der Redaktion bekannt

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