Lift-Kartell: Schon droht der nächste Prozess
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Lift-Kartell: Schon droht der nächste Prozess

Weil der Schweizer Lifthersteller Schindler seine Preise mit der Konkurrenz abgesprochen hat, verdonnert die EU-Kommission unter anderen den Konzern zu einer Rekordbusse. Auch die österreichische Wettbewerbsbehörde untersucht ein Lift-Kartell.

Der Schweizer Lift- und Rolltreppenhersteller Schindler sowie vier weitere grosse Liftkonzerne werden wegen illegaler Preisabsprachen von der EU zur Kasse gebeten. Schindler muss eine Busse von 143,75 Mio. Euro (230 Mio. Fr.) bezahlen. Schindler ist über die Höhe der von der EU-Kommission verhängten Geldbusse «sehr überrascht». Er behält sich eine Klage gegen den Entscheid vor.

Die EU-Kommission in Brüssel verhängte am Mittwoch insgesamt eine Rekord-Strafe von 992 Mio. Euro. Mit rund 480 Mio. Euro muss der deutsche Konzern ThyssenKrupp am tiefsten in die Taschen greifen. Das Düsseldorfer Unternehmen sei ein «Wiederholungstäter», begründete die EU-Wettbewerbskommissarin Neelie Kroes die Höhe.

Die US-Firma Otis von United Technologies wurde mit 225 Mio. Euro bestraft. Bussgelder wurden zudem gegen Kone aus Finnland (142 Mio. Euro) und ein Mitsubishi-Unternehmen (1,8 Mio. Euro) verhängt.

Die Unternehmen haben den Feststellungen der Kommission zufolge von etwa 1995 bis 2004 in Deutschland, Belgien, Luxemburg und den Niederlanden Aufträge und Ausschreibungen untereinander so aufgeteilt, dass jedes die angestammten Marktanteile hielt.

Schindler hatte im Februar 2005 begrenzte Verstösse in einzelnen EU-Ländern zugegeben, für europaweite Widerhandlungen aber keine Anhaltspunkte gefunden. Die an der Schweizer Börse SWX kotierten Schindler-Titel reagierten positiv auf die Meldung und legten um 2,3 Prozent zu.

Weiteres Verfahren in Österreich

Auch die österreichische Wettbewerbsbehörde untersucht ein Lift-Kartell. Der zuständige Ermittler sprach am Mittwoch von schweren Verstössen. Konzern-Namen nannte er nicht.

Es handle sich aber um mehrere Unternehmen, konkret um die führenden Firmen im Bereich Aufzüge und Rolltreppen, erklärte Thomas Hölzl, Ermittler der österreichischen Bundeswettbewerbsbehörde (BWB), gegenüber der Nachrichtenagentur APA. Marktführer sind auch in Österreich Otis, Schindler, ThyssenKrupp und Kone.

Das Gerichtsverfahren in Österreich steht allerdings erst am Beginn. Derzeit läuft noch die Stellungnahmefrist für die Beschuldigten. Wann mit einem Urteil zu rechen ist, lässt sich laut Werbsbehörde noch nicht abschätzen.

Die BWB beantragte am 30. Januar beim Kartellgericht Geldstrafen. Die Informationen seien von zwei beteiligten Unternehmen gekommen, die um Anwendung des Kronzeugenprogramms gebeten hätten, erklärte die Behörde.

Die EU-Kommission verurteilte am Mittwoch fünf Lift- und Rolltreppen-Unternehmen wegen Absprachen in Deutschland, Belgien, den Niederlande und Luxemburg zu einer Rekord-Busse von 992 Mio. Euro. Der zuständige Sprecher sagte, die EU-Kommission habe sich auf die Märkte in den vier Ländern beschränkt, weil sie da Beweise gehabt habe. (sda)

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