«Nicht tolerierbar» – Nach Fan-Ausschreitungen prüft die Liga die Schliessung aller Gästesektoren
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«Nicht tolerierbar»Nach Fan-Ausschreitungen prüft die Liga die Schliessung aller Gästesektoren

Die Swiss Football League (SFL) prüft Massnahmen zur Bekämpfung von Fehlverhalten im Umfeld von Fussballspielen. Um die friedlichen Fans zu schützen, steht die Schliessung der Gastsektoren im Raum.

von
Sven Forster

Ausschreitungen wie diese beim Zürcher Derby sollen verhindert werden.

20 Min 

Darum gehts

  • Aufgrund der Ausschreitungen mit Fussballfans prüft die Liga Massnahmen zum Schutz der Unbeteiligten.

  • Eine Schliessung der Gästesektoren steht im Raum.

  • Dies teilte die Liga am Donnerstag mit.

In den vergangenen Wochen kam es in der Schweizer Super League zu mehreren Fan-Ausschreitungen. Nun will die Liga etwas dagegen tun. Am Donnerstag heisst es in einer Mitteilung: «Das wiederholte Fehlverhalten auf den An- und Abreisewegen sowie besonders das rücksichtslose und verwerfliche Verhalten einiger Gewalttäter im Stadioninnenraum, anlässlich des Zürcher Derbys, haben das Komitee der Swiss Football League (SFL) veranlasst, sich mit möglichen zielführenden und umsetzbaren Massnahmen zu befassen.»

Im Zentrum steht laut SFL dabei der Schutz der überwiegenden Mehrheit der friedlichen Fans und der Kinder in den Stadien. In der SFL-Mitteilung heisst es weiter: «Die Clubs und die SFL können und wollen einen solchen Zustand, der dem gesamten Fussball in der Schweiz immensen Schaden zufügt, nicht mehr tolerieren und prüfen deshalb die reglementarische Umsetzbarkeit für die Schliessung der Gastsektoren.»

Neben der Prüfung werden im November auch Club-Sitzungen stattfinden. Mit den Vereinen will man auch die Problematik und mögliche Lösungen besprechen, da die Clubs sich in den vergangenen Monaten sehr stark für die Fanbewegungen eingesetzt haben. Auf Anfrage von 20 Minuten heisst es vom FC Basel: «Der FCB teilt die Meinung der Liga, dass jegliche Gewalt rund um ein Fussballspiel im und ums Stadion absolut keinen Platz hat. Nach den jüngsten Ereignissen, die für den Schweizer Fussball beschämend und unwürdig waren, ist deshalb klar, dass sich die Clubs zusammen mit den Fans und der Liga einem Diskurs stellen müssen.»

Der FC St. Gallen teilt mit: «Dass es nach den Vorfällen vom vergangenen Wochenende eine Diskussion darüber gibt, wie man solche Ausschreitungen verhindern kann, ist logisch und notwendig. Wir können nicht zur Tagesordnung übergehen, als wäre nichts geschehen.»

«Kollektivstrafen als letzte Möglichkeit»

Der Club kündete an, dass sich die Vereine gemeinsam intensiv mit diesem Thema auseinandersetzen. David Gadze, Leiter Medien und Kommunikation sagt: «Selbstverständlich engagiert sich auch der FCSG in dieser Diskussion ganz ernsthaft. Wir führen diese Diskussion jedoch nicht in der Öffentlichkeit. Wir halten aber in aller Deutlichkeit fest, dass Vorkommnisse wie im Letzigrund oder auf den Transportwegen zu Auswärtsspielen nicht toleriert werden.»

Beim FC Luzern sieht es ähnlich aus, wie Mediensprecher Markus Krienbühl sagt: «Der FC Luzern hat die Mitteilung der SFL zur Kenntnis genommen und will sich intensiv an dieser Diskussion beteiligen.» Krienbühl weiter: «Auch für den FC Luzern ist klar, dass man nicht einfach zur Tagesordnung übergehen kann nach den Vorfällen in Zürich. Es steht aber für den FC Luzern auch fest, dass Kollektivstrafen in jedem Fall nur das letzte aller möglichen Mittel darstellt und man vorher die bereits jetzt vorhandenen Möglichkeiten vollumfänglich ausschöpfen muss.» In Luzern sei man bereits in einem intensiven Dialog mit der aktiven Fanszene.

Claudius Schäfer, CEO der Swiss Football League, sagt: «Mit Enttäuschung müssen wir feststellen, dass sich ein Teil der Fankurven – besonders bei Auswärtsspielen – nicht an die getroffenen Abmachungen und geltenden Gesetze hält.» Schäfer weiter: «Die SFL und die Clubs erwarten ein deutliches Signal aus den Fankurven, dass solche Aktionen nicht unterstützt werden. Gleichzeitig ist es unsere Aufgabe, eine Lösung für diese anhaltende Problematik zu finden und für alle Fans und Familien friedliche Spiele zu organisieren.»

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