E-Sport: Liga kämpft gegen Doping – und um den guten Ruf

Aktualisiert

E-SportLiga kämpft gegen Doping – und um den guten Ruf

Pro-Gaming ist auf derselben Stufe wie der Spitzensport angelangt – mit den gleichen Problemen: Doping und zu junge Millionäre. Der E-Sport-Verband ESL will handeln.

von
J. Graber
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Im Pro-Gaming geht es mittlerweile um viel Ruhm und grosse Geldbeträge. Einer der Pokaljäger ist Zest, «Starcraft 2»-Profi und einer der Gewinner der IEM-Weltmeisterschaft in Katowice.

Im Pro-Gaming geht es mittlerweile um viel Ruhm und grosse Geldbeträge. Einer der Pokaljäger ist Zest, «Starcraft 2»-Profi und einer der Gewinner der IEM-Weltmeisterschaft in Katowice.

Patrick Strack, ESL
Die Helden der Stunde: Das Team Evil Geniuses an der Meisterschaft ESL One in Frankfurt. Mittlerweile haben die Spieler an der «Dota 2»-Meisterschaft «The International» in Seattle über 6 Millionen Dollar abgeräumt.

Die Helden der Stunde: Das Team Evil Geniuses an der Meisterschaft ESL One in Frankfurt. Mittlerweile haben die Spieler an der «Dota 2»-Meisterschaft «The International» in Seattle über 6 Millionen Dollar abgeräumt.

Patrick Strack, ESL
Riesige Spielarena: Die Halle in Katowice ist bis auf den letzten Platz gefüllt. E-Sport ist in der Spitzensport-Liga angelangt.

Riesige Spielarena: Die Halle in Katowice ist bis auf den letzten Platz gefüllt. E-Sport ist in der Spitzensport-Liga angelangt.

Helena-Kristiansson, ESL

Als der kanadische Profi-Gamer Kory «Semphis» Friesen Ende Juli in einem Interview verriet, dass Doping während E-Sport-Turnieren gang und gäbe sei, löste das eine Schockwelle aus. Gamen und Drogen, das wollte für viele so gar nicht zusammenpassen.

In der Profiliga mitzuhalten ist jedoch alles andere als ein Kinderspiel. Hinzu kommt: Bei einigen Turnieren geht es um Preisgelder in Millionenhöhe, meistens um mehrere hunderttausend Dollar – E-Sport hat schon einige Profispieler zu Millionären gemacht. «Wir zählen weltweit zwischen 25 und 30 Pro-Gaming-Millionäre», sagt James Lampkin, Vizepräsident Pro Gaming des grössten E-Sport-Verbands ESL.

Amphetamine und Beta-Blocker

Etwa 300 Spieler verdienten pro Jahr zwischen 100'000 Dollar und einer Million. Am meisten schenken Turniere zu «League of Legends», «Counter Strike» und «Dota 2» ein; an der «Dota 2»-Meisterschaft «The International» vergangenes Wochenende in Seattle wurden insgesamt 18 Millionen Dollar Preisgeld ausbezahlt. Das Team Evil Geniuses erhielt mit dem Sieg auf einen Schlag über 6 Millionen Dollar Preisgeld.

Bei diesen Beträgen erstaunt es nicht, dass geschummelt wird. «Verwendet werden Hilfsmittel, die es erlauben, beim Spielen länger durchzuhalten oder die Angst zu dämmen», sagt Lampkin. Dazu zählen Amphetamine, Betablocker und Ähnliches. Zusammen mit der National Anti-Doping Agency (NADA) und der World Anti-Doping Agency (WADA), den Agenturen, die auch im normalen Spitzensport tätig sind, entwickelt die ESL deshalb Dopingtests, die erstmals am «Counter Strike»-Turnier Ende August in Deutschland zum Einsatz kommen werden. «Die Liste mit den Stoffen, auf die wir die Spieler testen, halten wir natürlich geheim», sagt Lampkin.

Bereinigt werden soll die Szene in zwei Schritten. «Zuerst muss das Spielfeld für alle Beteiligten gleichgemacht werden», sagt Lampkin. Welche Strafen sollen bei welcher Schwere gelten? Wird ein gedopter Spieler permanent ausgeschlossen oder nur temporär? Es braucht gültige Regeln inklusive der Möglichkeit, dass sich positiv getestete E-Sportler rechtlich wehren können. Als zweiten Schritt sieht Lampkin die Aufklärung, in der das Regelwerk und die Konsequenzen vermittelt werden.

Probleme des Spitzensports

Die Akteure im E-Sport würden sich mittlerweile nicht mehr so sehr an der Gamewelt orientieren, sondern vielmehr an anderen Spitzensportarten, sagt Lampkin. Vor allem, weil sich ähnliche Fragen stellen: «Wir müssen auch Faktoren ausserhalb des Turniers anschauen», sagt er. Wie geht ein 22-Jähriger beispielsweise mit dem plötzlichen Geldsegen und dem Ruhm um? Was kommt nach der Pro-Gaming-Karriere? Denn diese ist extrem kurz: Sie dauert im besten Fall vier bis fünf Jahre. Auf dem Peak sei ein Spieler in der Regel mit 19 Jahren, nach dem 25. Lebensjahr nimmt die Reaktionszeit meistens zu sehr ab, um noch mithalten zu können.

«Wir müssen der Entwicklung einen Schritt voraus sein», sagt Lampkin. Freilich werde es im Doping immer Drogen geben, von denen die ESL und andere Verbände noch nichts wissen, ist sich der Vizepräsident bewusst. Das Geständnis des Kanadiers habe jedoch sein Gutes: «Es ist für uns ein Katalysator, um auch da auf professioneller Ebene aktiv zu werden», sagt er. Und so zynisch es klingen mag: Der Vorfall ist ein Beweis dafür, dass Pro-Gaming in der Spitzensportliga angekommen und längst kein Kinderspiel mehr ist. Was die Akzeptanz für die Tätigkeit paradoxerweise erhöht.

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