St. Galler Kurve distanziert sich - Liga leitet Verfahren nach Rassismus-Eklat ein
Aktualisiert

St. Galler Kurve distanziert sichLiga leitet Verfahren nach Rassismus-Eklat ein

Am Samstagabend kam es in St. Gallen möglicherweise zu einem Rassismus-Eklat. Die Liga will die Angelegenheit sauber aufarbeiten. St. Gallen will die Liga dabei unterstützen.

von
Sven Forster

Darum gehts

  • Kam es am Samstag in der Super League zu einem Rassismus-Eklat?

  • Sion-Goalie Fayulu wurde möglicherweise beleidigt.

  • Die Liga will die Angelegenheit sauber aufarbeiten.

Es läuft bereits die Nachspielzeit, als Guillaume Hoarau für Sion zum umjubelten 1:1 gegen St. Gallen ausgleicht. Nach dem Spiel kommt es zu Tumulten auf und neben dem Platz. Grund dafür: ein Rencontre zwischen dem St. Galler Lüchinger und Sion-Goalie Fayulu. Im SRF-Interview erklärt der 26-jährige St. Galler: «Das Spiel war zu Ende, dann haben unsere Fans den Sion-Goalie provoziert. Aber da muss er Klasse bewahren, auch wenn sie nicht ganz fair gewesen sind. Ich habe ihm das gesagt. Und dann kam plötzlich der Rest dazu. Aber es war harmlos. Es gehört halt auch irgendwie dazu.»

Der Abwehrspieler und Torschütze wird im Live-Interview anschliessend von Sion-Spieler Serey Dié unterbrochen. Dieser erklärt Lüchinger, dass der Goalie von den Fans rassistisch beleidigt wurde. «Es wurden von den St.-Gallen-Fans hinter Fayulu rassistische Dinge gesagt – jetzt weint er. Sie haben Affengeräusche gemacht.» Lüchinger sagt nach dem Gespräch: «Das ist ein absolutes No-Go. Das ist eine Frechheit. Ich war nicht dabei, aber es ist nicht das erste Mal, dass dies im Stadion passiert. Falls es so gewesen ist, ist das unterste Schublade. Rassismus darf man nicht tolerieren.»

Aus den Fankreisen des FC St. Gallen ist zu hören, dass es durchaus zu einem Missverständnis gekommen sein könnte. Wenn Serey Dié von Affengeräuschen spricht, kann es sein, dass ein bekannter Schmähgesang in die Richtung des Schiedsrichters (Hu-Hu-Hu …) falsch verstanden wurde.

Constantin erhebt schwere Vorwürfe

Auf Anfrage von 20 Minuten äussert sich auch die Swiss Football League zum mutmasslichen Rassismus-Eklat. Sprecher Philippe Guggisberg sagt: «Wir müssen das jetzt erstmal sauber aufarbeiten und klären, ob es zu diesem Vorfall gekommen ist.» Er kündigt an, dass ab Montag aufgrund der Aussagen ein Verfahren eingeleitet wird. Guggisberg sagt, dass man sämtliche zur Verfügung stehenden Massnahmen nutzen werde. Man setze auf Videosichtung und möglicherweise auch die Befragung von einzelnen Personen vor Ort. Für Guggisberg und die Liga ist klar, dass Rassismus im Stadion keinen Platz hat. «Wir verurteilen jegliche Form von Diskriminierung.»

Gegenüber dem «Blick» spricht auch Sion-Präsident Cristian Constantin. Er sagt: «Tim Fayulu weinte nach dem Spiel wegen der Beleidigungen. Sie hätten ihn als ‹Affen› und ‹N…› traktiert.» Der Präsident weiter: Auch unser Assistenztrainer Amar Boumilat kriegte sein Fett ab. Von den Rängen. Aber auch von Leuten, die auf dem Feld standen.

Kurve distanziert sich von Rassismus

Am Nachmittag gab auch der FC St. Gallen eine Stellungnahme ab. In der Mitteilung heisst es: «Mit allen zur Verfügung stehenden Mitteln und in intensiven Gesprächen mit den Fans untersuchen wir gründlich, was gestern nach dem Schlusspfiff der Partie gegen den FC Sion genau vorgefallen ist. Unsere Erkenntnisse stellen wir auch der Swiss Football League zur Aufarbeitung zur Verfügung. Sollten sich die Vorwürfe bestätigen, werden wir konsequent einschreiten.»

Der Club betont, dass in St. Gallen Menschen verschiedenster Herkunft, Kultur, Religion und Hautfarbe mit grösstem Respekt zusammenleben und miteinander arbeiten. Im Statement heisst es: «Dass unsere eigenen Werte mit Füssen getreten werden, lassen wir nicht zu. Nur wird diese Botschaft leider nicht überall verstanden.» Der Club schreibt aber auch, dass Pauschalverurteilungen zur Bewältigung des Problems nicht weiterhelfen. «Wir weisen auch darauf hin, dass sich unsere Fankurve klar und unmissverständlich von jeglicher Form von Rassismus distanziert», so die Verantwortlichen.

Zum Ende des Statements heisst es vonseiten des Clubs: «Wir entschuldigen uns bei Sion-Torhüter Timothy Fayulu und sichern ihm und allen anderen Spielern des FC Sion unseren Respekt und unsere volle Unterstützung zu.»

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