Aktualisiert 12.01.2013 17:57

RS in AdelbodenLigety gewinnt - Lichtblick für die Schweizer

Ted Ligety gewinnt den Riesenslalom in Adelboden. Grund zur Freude gibt es auch bei den Schweizern: Gino Caviezel und Marc Berthod holen Punkte für das arg gebeutelte Riesenslalomteam.

Im Riesenslalom-Klassiker am «Chuenisbärgli» hat ein 20-Jähriger die Ehre der Schweizer gerettet. Gino Caviezel preschte mit der Nummer 52 in den 11. Rang vor. Ted Ligety feierte derweil in dieser Disziplin im fünften Rennen dieser Weltcup-Saison den vierten Sieg.

Gesamtweltcup-Leader Marcel Hirscher war bei Kaiserwetter und vor 28'000 Zuschauern auf dem besten Weg dazu, seinen Vorjahres-Sieg zu wiederholen und Ligety wie in Val d'Isère zu schlagen. Der Österreicher hatte nach dem ersten Lauf geführt, und im Final-Durchgang baute er den Vorsprung kontinuierlich aus, sodass er schliesslich den steilen Zielhang mit dem stattlichen Vorsprung von rund einer Sekunde in Angriff nehmen konnte.

Hirscher liess sich aber die Butter noch vom Brot nehmen. Er beging auf den letzten Metern zu viele Fehler. Er musste gar froh sein, dass er mit akrobatischen Einlagen das Ausscheiden verhindern konnte. Am Ende blieb ihm nur Platz 16. Durch Hirschers Rückfall ist eine eindrucksvolle Serie gerissen. Vor Adelboden war der 23-jährige Salzburger in allen technischen Rennen dieser Weltcup-Saison aufs Podest gestiegen; gleich neun Mal war dies der Fall gewesen.

Ted Ligety vor den Adelboden-Rennen

Ligetys Haken hinter Adelboden

Dass der Profiteur von Hirschers Turbulenzen Ted Ligety hiess, war keine Überraschung. Zu dominant ist derzeit seine Stellung im Riesenslalom. Ausser Hirscher konnte ihm keiner das Wasser reichen. Diesmal setzte sich Ligety zwar nicht mehr so deutlich von der Konkurrenz ab wie in Sölden, Beaver Creek und Alta Badia, doch die Differenz zum Rest des Feldes war mit 1,15 Sekunden immer noch beträchtlich. Die Ränge 2 und 3 gingen mit Fritz Dopfer und Felix Neureuther an zwei Deutsche, die im Final-Durchgang einen Sprung nach vorne machten.

Mit seinem insgesamt 15. Weltcup-Sieg hat Ligety eine Lücke in seinem Palmarès schliessen können. «Endlich hat es für mich auch in Adelboden gereicht. Jetzt habe ich jeden Riesenslalom-Klassiker mindestens einmal gewonnen», meinte Ligety. Wenn er seine Top-Form konservieren kann, ist es realistisch, dass er in einem Monat in Schladming seinen WM-Titel von 2011 erfolgreich verteidigt.

Caviezel für Mut belohnt

Für die Schweizer Männer hatte sich lange die nächste Schlappe in diesem Winter abgezeichnet. Nach 51 gestarteten Fahrern war noch kein Swiss-Ski-Vertreter für den Final-Durchgang qualifiziert. Die Stimmung an der Berner Oberländer Ski-Chilbi war zu diesem Zeitpunkt etwas abgekühlt. Didier Défago war mit einem Rückstand von knapp vier Sekunden chancenlos geblieben, Thomas Tumler hatte sich gleich hinter seinem routinierten Teamkollegen eingereiht und Carlo Janka hatte es wie Manuel Pleisch gar nicht bis ins Ziel geschafft.

Doch dann kamen die beiden Bündner Gino Caviezel und Marc Berthod und das Blatt wendete sich. Beide lieferten mit ihren hohen Nummern respektable Fahrten ab und bewahrten die Swiss-Ski-Equipe vor einer Nullrunde. Caviezel qualifizierte sich als 23. sogar souverän für den zweiten Lauf. Berthod hingegen musste als 30. noch etwas zittern. Verdrängen konnte ihn aber auch Weltcup-Debütant Elia Zurbriggen nicht mehr. Der Sohn von Ex-Ski-Star Pirmin Zurbriggen schied ebenfalls früh aus.

Erste Punkte im 9. Weltcup-Einsatz

Der kecke Gino Caviezel sollte schliesslich zum Gewinner im Schweizer Lager avancieren. Das auf der Lenzerheide wohnhafte B-Kader-Mitglied setzte auch im Final-Durchgang, in dem er der jüngste Teilnehmer gewesen war, auf die Karte Attacke. Sein Mut wurde mit der viertbesten Laufzeit belohnt. Er hat seine Chance gepackt. Es gelang ihm im Klassement eine Verbesserung um zwölf Positionen. In seinem neunten Weltcup-Einsatz konnte er erstmals Punkte sammeln. Nun wird sogar ein WM-Ticket zum Thema

Der Exploit ist umso erstaunlicher, weil Caviezel um Weihnachten im Zuge einer Grippe einiges an Gewicht und Kraft verloren hatte. Er habe aber sehr gut trainieren können, nachdem er wieder gesund gewesen sei, so der 20-Jährige. Caviezel hatte an den letzten Junioren-Weltmeisterschaften in Roccaraso (It) mit Rang 5 im Super-G auf sich aufmerksam machen können. Zudem hat er im Europacup bislang fünf Top-Ten-Klassierungen erreicht.

Caviezel war ein guter Fussballer

Caviezel stammt aus einer Familie mit viel Begeisterung für den Skirennsport. Alle drei Geschwister teil(t)en seine Leidenschaft - so auch der ältere Bruder Mauro, der aber wegen einer Verletzung seit mehr als einem Jahr kein Rennen mehr bestritten hat, und Zwillingsschwester Giannina. Vater Markus ist Chef in einer weltweit tätigen Firma, welche Brillensysteme vertreibt. Gino Caviezel war in früher Jugend auch ein starker Fussballer gewesen. Er kickte derart gut, dass er in eine Bündner Kantons-Auswahl aufgenommen wurde. Später gab er aber dem Schneesport den Vorzug.

Marc Berthod war mit dem 21. Schlussrang nicht vollends zufrieden. «Es wäre mehr dringelegen. Viel kann ich mir von diesem Ergebnis nicht kaufen», meinte der unter Druck stehende St. Moritzer. Immerhin konnte er nach fast elfmonatiger Durststrecke wieder einmal Weltcup-Punkte ergattern.

Janka: «Einmal mehr am Boden»

«Iceman» Janka musste eine weitere herbe Niederlage verdauen. Nach schwacher erster Zwischenzeit war er auf dem Innenski ausgerutscht. Nach dem Out verharrte Janka gesenkten Hauptes neben der Strecke. Die Enttäuschung war ihm ins Gesicht geschrieben. Seine Miene sollte sich auch im Zielraum nicht aufhellen. Er zog sich eine Kapuze über den Kopf und gab sich gegenüber den Medien extrem wortkarg. Viel liess er sich nicht entlocken. «Ich mache Fehler, die nicht passieren dürfen. Jetzt bin ich einmal mehr am Boden», war eines der knappen Statements des Obersaxers.

Das bittere Verdikt für Janka: Da vor Schladming kein Riesenslalom mehr im Weltcup-Programm steht, kann er in dieser Disziplin, in der er schon Olympiasieger und Weltmeister geworden ist, die WM-Limite nicht mehr erfüllen. Er kann höchstens noch darauf hoffen, dass er sich über Speed-Wettbewerbe für den WM-«Riesen» aufdrängen kann. Am nächsten Wochenende in Wengen ist er umso mehr gefordert.

Abstimmungsprobleme bei Défago

Didier Défago, der die Riesenslalom-Saison als Fünfter in Sölden mit einem herausragenden Resultat lanciert hatte, fand in Adelboden nicht in den Rhythmus. Er ärgerte sich darüber, dass er beim Training am «Chuenisbärgli» seine Renn-Ski beschädigt hatte und deshalb kurzfristig zu einem Umstieg gezwungen wurde. Abstimmungsprobleme sind im Moment keine Seltenheit, wenn sich Speed-Spezialisten im Riesenslalom versuchen.

Adelboden (Sz). Weltcup-Riesenslalom der Männer:

1. Ted Ligety (USA) 2:28,67.

2. Fritz Dopfer (De) 1,15 zurück.

3. Felix Neureuther (De) 1,24.

4. Manfred Mölgg (It) 1,57.

5. Ivica Kostelic (Kro) 1,73.

6. Aksel Lund Svindal (No) 1,86.

7. Philipp Schörghofer (Ö) 2,15.

8. Benjamin Raich (Ö) 2,29.

9. Marcus Sandell (Fi) 2,36.

10. Davide Simoncelli (It) 2,43.

11. Gino Caviezel (Sz) 2,54.

12. Mathieu Faivre (Fr) 2,59.

13. Matts Olsson (Sd) 2,70.

14. Alexis Pinturault (Fr) 2,87.

15. Kjetil Jansrud (No) 2,95.

16. Marcel Hirscher (Ö) 3,00.

17. Victor Muffat Jeandet (Fr) 3,06.

18. Florian Eisath (It) 3,23.

19. Leif Kristian Haugen (No) 3,39.

20. Steve Missillier (Fr) 3,62.

21. Marc Berthod (Sz) 4,06.

22. André Myhrer (Sd) 4,25.

23. Robby Kelley (USA) 4,29.

24. Cyprien Richard (Fr) 6,35.

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