Aktualisiert 01.12.2019 22:48

Café Sphères

Linke attackieren Mörgeli und Köppel mit Milchshake

«Wir tolerieren euch hier nicht»: Linksextreme überschütteten in einem Zürcher Café die beiden Politiker mit einem Getränk. Diese hielten dort eine Sitzung ab.

von
pam
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Alt Nationalrat und «Weltwoche»-Redaktor Christoph Mörgeli wurde letzten Mittwoch von Linksextremisten attackiert.

Alt Nationalrat und «Weltwoche»-Redaktor Christoph Mörgeli wurde letzten Mittwoch von Linksextremisten attackiert.

Instagram/rjz.ch
Laut der «Revolutionären Jugend Zürich» gingen die Gäste auch auf SVP-Nationalrat Roger Köppel los. Der Vorfall spielte sich im Zürcher Café Sphères ab.

Laut der «Revolutionären Jugend Zürich» gingen die Gäste auch auf SVP-Nationalrat Roger Köppel los. Der Vorfall spielte sich im Zürcher Café Sphères ab.

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«Mit einer Milchshake-Dusche wurde den SVP-Aushängeschildern Köppel und Mörgeli klargemacht, dass sie nicht toleriert werden und nicht einfach überall ohne Widerstand auftauchen können. Weder im Sphères noch sonstwo!», schreibt die «Revolutionäre Jugend» zum Angriff.

«Mit einer Milchshake-Dusche wurde den SVP-Aushängeschildern Köppel und Mörgeli klargemacht, dass sie nicht toleriert werden und nicht einfach überall ohne Widerstand auftauchen können. Weder im Sphères noch sonstwo!», schreibt die «Revolutionäre Jugend» zum Angriff.

Keystone/Walter Bieri

Ein Teil des Publikums des Zürcher Cafè Sphères hat ein Problem damit, dass SVP-Nationalrat und «Weltwoche»-Verleger Roger Köppel dort jeweils mit drei bis vier Personen eine Redaktionssitzung abhält. Nachdem der Gruppe um Köppel Ende Oktober von einem Gast gesagt wurde, sie sei hier nicht erwünscht, eskalierte die Situation nun letzten Mittwoch weiter.

Wie die «Revolutionäre Jugend Zürich» auf Instagram schreibt,

sind Köppel und seine Kollegen «von antirassistischen und wütenden Café-Gästen mit Milchshakes aus dem Café Sphères in Züri West vertrieben» worden.

«Sie werden hier nicht toleriert»

Dazu hat die «Revolutionäre Jugend» ein Foto gestellt, auf dem zu sehen ist, wie eine Person Christoph Mörgeli einen Milchshake anschüttet. «Mit einer Milchshake-Dusche wurde den SVP-Aushängeschildern Köppel und Mörgeli klargemacht, dass sie nicht toleriert werden und nicht einfach überall ohne Widerstand auftauchen können. Weder im Sphères noch sonstwo!»

Die «Weltwoche» verbreite in ihrer Propaganda tagtäglich rassistische, sexistische und menschenfeindliche Hetze, begründen die Linksextremisten den Angriff. «Das Sphères hat einen linken Anspruch und Anschein, die Geschäftsleitung toleriert aber zynischerweise die ‹Weltwoche›-Sitzungen. Und nicht nur das: Sie macht sogar eine Ausnahme für sie, denn normalerweise werden im Sphères keine Tische reserviert.»

Kritik an Sphères-Wirt

Damit kritisiert die «Revolutionäre Jugend» den Umstand, dass Sphères-Wirt Philipp Probst beim letzten Eklat erklärte, er habe kein Problem mit Roger Köppel. «Wenn er weiterhin hierherkommen will, sehr gerne.»

Auf Anfrage verweist alt Nationalrat Christoph Mörgeli auf Roger Köppel. Dieser war für 20 Minuten bisher nicht erreichbar. Das Café Sphères wollte sich auf Anfrage nicht zum Vorfall äussern. Die Stadtpolizei Zürich bestätigt auf Anfrage, dass ein Polizeieinsatz stattgefunden hat. Eine Anzeige sei bisher noch nicht eingegangen.

«Extremisten wollen Köppel entmutigen»

Für Szene-Kenner und Aussteiger Adrian Oertli steht der Angriff auf Köppel und Mörgeli in der Logik der «totalitären Linken und ihrem Kampf gegen Andersdenkende»: «Sie wollen bestimmen, was gesagt werden darf und was nicht.» Es gehe in solchen Aktionen darum, unliebsame Personen wie Köppel und Mörgeli zu entmutigen und sie aus der Öffentlichkeit zu drängen. «Das Ziel ist, dass Leute, die nur mit ihnen reden, als Verräter abgestempelt werden.»

Oertli stellt eine zunehmende Gefährdung der Meinungsfreiheit fest: «Es ist hochproblematisch, dass die Meinungsfreiheit aufgeweicht wird, indem extreme Kreise unter dem Deckmantel des ‹Antirassismus› mit gewalttätigen Aktionen versuchen, Debatten mit Argumenten im Keim zu ersticken.» Es sei wichtig, dass der Dialog, der für die Demokratie zentral sei, nicht verloren gehe, sagt Oertli. «Dafür ist es nötig, dass wir solche Attacken verurteilen, uns nicht einschüchtern lassen und weiter Andersdenkende – so sehr wir deren Meinungen verurteilen – mit Argumenten kontern.»

Redner wurde mit Stühlen und Eiern beworfen

Jüngst sorgte auch ein Angriff von Linksextremen auf den Chilenen Axel Kaiser in Zürich für Aufsehen. Der Verfechter einer neoliberalen Wirtschaftsordnung wurde bei einem Vortrag mit Stühlen und Eiern beworfen. Andreas Glaser, Direktor des Zentrums für Demokratie in Aarau, sagte damals zu 20 Minuten: «Die Gesellschaft muss wieder einüben, andere Meinungen zu ertragen und nicht gleich als Angriff auf die eigene Person zu werten.»

Die «Revolutionäre Jugend Zürich» lässt indes die Meinungsfreiheit nicht gelten: «Die gern zitierte Meinungsfreiheit ist kein Argument! Köppel erniedrigt Menschen tagtäglich aufgrund ihrer Hautfarbe, Herkunft, sozialen Zugehörigkeit oder ihres Geschlechts. Machen wir ihnen klar, dass sie nirgendwo willkommen sind!»

«Wir gelten als offener Raum»

Die Verantwortlichen des Sphères liessen derweil am Sonntagabend in einer Stellungnahme auf Facebook verlauten: «Wir sind ein Kultur-Café, welches allen Personen offensteht, gelten als offener Raum und genau dort sollte Toleranz und Meinungsfreiheit stattfinden. Auf unserer Bühne finden häufig Diskussionen statt, in unserer Buchhandlung findet man Literatur über die aktuellen Themen der Welt. Dass wir nun von rechten und linken Aktivisten für Ihre Zwecke benutzt werden, ist für uns und unser Team sehr ärgerlich. Wir verurteilen jegliche Gewalt, Hassreden und linke wie rechte Intoleranz.»

SP verurteilt Attacke

Auch die Zürcher Linke distanziert sich vom Angriff auf Köppel und Mörgeli. «Wir verurteilen jegliche Art von Gewalt», sagt Davy Graf, Präsident der SP im Zürcher Gemeinderat. Politische Auseinandersetzungen müssten in einer Demokratie immer mit Argumenten am Tisch mit dem politischen Gegner ausgefochten werden. Nach der Attacke auf den Chilenen Axel Kaiser lancierten FDP, EVP und SVP im Rat eine gemeinsame Fraktionserklärung, in der sie den Angriff verurteilten und den Schutz der freien Meinungsäusserung betonten. Nicht unterschrieben hatten SP, AL, Grüne und Grünliberale.

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