Kanton Zug: Linke finden Gratis-Kirsch eine Schnapsidee
Aktualisiert

Kanton ZugLinke finden Gratis-Kirsch eine Schnapsidee

Ein SVP-Vorstoss macht es möglich, dass Zuger Kantonsräte mittags bei Parlamentssitzungen Kirsch trinken können – auf Staatskosten. Die Linken boykottieren den Gratisschnaps.

von
msa
Politiker in Zug gönnen sich am Mittag schon mal einen Kirsch zum Abschluss. Nun regt sich Widerstand.

Politiker in Zug gönnen sich am Mittag schon mal einen Kirsch zum Abschluss. Nun regt sich Widerstand.

Es ist ein Hin und Her mit dem Gratis-Schnaps an den Mittagessen des Kantonsrats. Im Dezember letzten Jahres verkündete Ratspräsident Hubert Schuler (SP) den Zuger Kantonsparlamentariern, dass ihnen während der Sitzungen am Mittag nach dem gemeinsamen Essen keine gebrannten Wässer mehr auf Staatskosten gewährt werden. Später wurde ein Destillat explizit vom Verbot ausgenommen: Zuger Kirsch. Ein Beschluss, den das Büro des Kantonsrats im Januar schliesslich wieder rückgängig machte: Auch Zuger Kirsch wurde wieder verboten.

Im Mai war dann alles wieder anders: Auf Antrag von Büro-Mitglied Manuel Brandenberg (SVP) wurde die Schnaps-Frage im Kantonsrat-Büro nochmals traktandiert. Ergebnis: Mit fünf zu vier Stimmen sprachen sich die Mitglieder dafür aus, dass Zuger Kirsch wieder aus der Staatskasse bezahlt wird. An seiner nächsten Sitzung am Donnerstag also dürfen die Parlamentarier nach dem Essen wieder dem Zuger Kirsch zusprechen – auf Staatskosten.

Linke boykottieren Kirsch-Konsum

Doch nicht alle Parlamentarier werden sich mit Zuger Kirsch zuprosten: «Wir halten es für unangemessen, dass Steuerzahler den Schnapskonsum des Kantonsrats bezahlen müssen. Darum werden die Mitglieder der Fraktionen der SP und der Alternativen – die Grünen auch künftig keine hochprozentigen Alkoholika auf Kosten der Bevölkerung konsumieren», teilten Stefan Gisler und Markus Jans, die beiden Fraktionschefs der beiden Parteien, diese Woche mit. Sie finden es stossend, dass einerseits ein 80-Millionen-Sparpaket geschnürt werden solle, andererseits mit Steuergeldern Kirsch kredenzt werde. Und: «Wir behandeln am Nachmittag im Kantonsrat wichtige Sachgeschäfte, und an den Sitzungen kann Nüchternheit vorausgesetzt werden», heisst es in der Mitteilung der beiden linken Parteien weiter.

Auch Kantonsratspräsident Hubert Schuler ist weiterhin gegen den Gratis-Kirsch. Die Kirsch-Befürworter hätten vor allem die Tradition des Zuger Kirsches in den Vordergrund gestellt. «Dabei würde ein Arbeitgeber für Geschäftsessen am Mittag auch keinen Alkohol für die Mitarbeiter zahlen. Schliesslich muss am Nachmittag weitergearbeitet werden», so Schuler weiter.

«Kirsch gehört zur Zuger Tradition»

Moritz Schmid, Vizepräsident des Büros des Kantonsrates (SVP), findet das Trinken eines Kirsches auf Staatskosten nach dem Mittagessen hingegen nicht schlimm: «Wer sich zum Kaffee einen Kirsch gönnen möchte, sollte das tun dürfen. Früher durfte man irgendeinen Digestif trinken, nun hat man sich auf den Kirsch geeinigt, weil er zur Zuger Tradition gehört.»

Blaues Kreuz warnt Politiker

Für Politiker könnte der Schnapskonsum aber durchaus zu einem Problem werden, warnt Mike Neeser, Psychologe beim Blauen Kreuz: «Politiker gehören zu einer Hochrisikogruppe, weil sie oft an Anlässen sind, wo es Alkohol gibt. Wenn man bereits am Mittag Alkohol konsumiert, könnte dies zur Gewohnheit werden.»

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