Drei Millionen Tonnen CO2 - Linke wollen Steuerabzug für Autopendler streichen
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Drei Millionen Tonnen CO2Linke wollen Steuerabzug für Autopendler streichen

Deutschland plant, den Auto-Pendlerabzug abzuschaffen. Auch in der Schweiz fordern Politikerinnen und Politiker, dass nur noch das Pendeln im ÖV steuerlich gefördert wird.

von
Bettina Zanni
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Pendelnde Lenkerinnen und Lenker stossen pro Jahr gemäss Expertenschätzungen rund drei Millionen Tonnen CO2 aus.

Pendelnde Lenkerinnen und Lenker stossen pro Jahr gemäss Expertenschätzungen rund drei Millionen Tonnen CO2 aus.

20min/Simon Glauser
Aktuell können Autofahrerinnen und Autofahrer wie Personen, die mit dem ÖV zur Arbeit fahren, bei der Bundessteuer jährlich maximal 3000 Franken vom besteuerbaren Einkommen abziehen.

Aktuell können Autofahrerinnen und Autofahrer wie Personen, die mit dem ÖV zur Arbeit fahren, bei der Bundessteuer jährlich maximal 3000 Franken vom besteuerbaren Einkommen abziehen.

20min/Marco Zangger
«Der Pendlerabzug für Lenkerinnen und Lenker sollte gestrichen werden», fordert SP-Nationalrätin Gabriela Suter.

«Der Pendlerabzug für Lenkerinnen und Lenker sollte gestrichen werden», fordert SP-Nationalrätin Gabriela Suter.

PARLAMENTSDIENSTE

Darum gehts

  • Pro Jahr stossen pendelnde Lenkerinnen und Lenker rund drei Millionen Tonnen CO2 aus.

  • Linke Politikerinnen und Politiker fordern deshalb, dass der Pendlerabzug im Autoverkehr gestrichen wird.

  • Bürgerliche sehen darin ein Zeichen gegen die Mobilität und befürchten einen Stadt-Land-Graben.

Für Autofahrerinnen und Autofahrer soll mit dem Pendlerabzug Schluss sein. Aktuell können sie wie Personen, die mit dem ÖV zur Arbeit fahren, bei der Bundessteuer jährlich maximal 3000 Franken vom besteuerbaren Einkommen abziehen (siehe Box). Doch weil pendelnde Lenkerinnen und Lenker pro Jahr gemäss Expertenschätzungen rund drei Millionen Tonnen CO2 ausstossen, sehen linke Politikerinnen und Politiker beim Kampf gegen die CO2-Emissionen im Pendlerabzug einen falschen Anreiz.

«Der Pendlerabzug für Lenkerinnen und Lenker sollte gestrichen werden», fordert SP-Nationalrätin Gabriela Suter. «Denn heute sparen diejenigen am meisten Steuern, die den längsten Arbeitsweg haben und dafür das Auto nehmen – obwohl sie die Umwelt am stärksten belasten und hohe Kosten für die Allgemeinheit verursachen.» Zudem profitierten Wenigverdienende, die auf das Auto angewiesen seien, kaum oder nicht vom Pendlerabzug.

Drei Millionen Tonnen CO2

Pendelnde Lenkerinnen und Lenker stossen pro Jahr rund drei Millionen Tonnen CO2 aus. Die Zahl beruht auf voneinander unabhängigen Schätzungen von Thomas Sauter-Servaes, Verkehrsexperte an der Zürcher Hochschule für Angewandte Wissenschaften (ZHAW), und Kai Landwehr, Mediensprecher der Stiftung Myclimate Schweiz. Als Basis für ihre Berechnungen nahmen sie die Zahlen des Bundesamts für Statistik. Sauter-Servaes geht jedoch davon aus, dass sich der CO2-Ausstoss der pendelnden Autofahrerinnen und Autofahrer verändern wird. «Die Bilanz hängt davon ab, wie stark sich die Arbeit im Homeoffice und die E-Mobilität durchsetzen.»

«Pendlerabzug fördert Zersiedelung»

Suter hält für wichtig, dass mehr Menschen mit dem ÖV pendeln und dass dieser massiv ausgebaut wird. «Anstelle des Pendlerabzugs könnte der Bund Pendlerinnen und Pendler mit geringem Einkommen eine Pendelzulage zahlen, wenn sie den ÖV nehmen, wie es in Deutschland diskutiert wird.» Dies setze Anreize für klimaschonendes Verhalten, ohne soziale Ungleichheiten zu schaffen.

Auch Kurt Egger, Nationalrat Grüne, unterstützt die Forderung. «Die Abschaffung des Pendlerabzugs ist eine Massnahme, um die CO2-Emissionen zu reduzieren.» Die Möglichkeit, die Fahrtkosten in der Steuererklärung abzuziehen, fördere die Zersiedelung. «So gibt es keinen Anreiz, einen Wohnort zu suchen, der so nahe wie möglich am Arbeitsplatz liegt oder umgekehrt.»

Vorstösse werden geprüft

Benachteiligt werde niemand, sagt Egger. «In der Schweiz ist das ÖV-Netz so gut ausgebaut, dass die meisten Menschen die Möglichkeit haben, auf den ÖV umzusteigen, wenn sie wollen.» Sowohl Suter als auch Egger überlegen, einen Vorstoss für eine Streichung des Pendelabzugs einzureichen.

In Deutschland will das Umweltbundesamt die Pendlerpauschale ab 2027 abschaffen. Die Pauschale unterstütze den Trend zu langen Arbeitswegen, argumentiert das Amt unter anderem.

«Ein Zeichen gegen die Mobilität»

Auf bürgerlicher Seite fällt die Forderung durch. «Einmal mehr geht man auf Autofahrer und die Landbevölkerung los», sagt SVP-Nationalrat Christian Imark. Es gebe Berufstätige, die für den Arbeitsweg auf das Auto angewiesen seien.

Ein abgeschaffter Pendlerabzug sei ein Zeichen gegen die Mobilität, so Imark. «Die Mobilität bringt uns Wohlstand. Der ÖV kann diese Kapazitäten nicht bewältigen. Setzen wir nur noch auf ÖV, kapseln wir uns ab.» In der Klimapolitik habe nur eine Massnahme Priorität: «Die Schweiz muss genügend CO2-freien Strom sicherstellen.» Auf diese Weise könne auch die E-Mobilität gefördert werden.

«Effekt wäre gering»

Auch FDP-Nationalrat Christian Wasserfallen sagt: «Können nur noch ÖV-Pendlerinnen und -Pendler die Fahrkosten abziehen, spielt man den Schienen- gegen den Strassenverkehr aus.» Dadurch drohe ein Stadt-Land-Graben.

Zudem wäre der Effekt gering, da vor allem einkommensstarke Haushalte direkte Bundessteuern bezahlen, sagt Wasserfallen. «Diese werden sich weiterhin leisten können, mit dem Auto zur Arbeit zu fahren.» Für den Pendlerabzug spreche auch, dass mittlerweile fast alle Automarken Elektromobile im Angebot hätten.

Pendlerabzüge auf Bundes- und Kantonsebene

Im Jahr 2014 nahm das Stimmvolk die Finanzierungvorlage für die Bahninfrastruktur (Fabi) an. Dabei legte der Bund für die direkte Bundessteuer einen Pendlerabzug von 3000 Franken fest. Auch bei den Staats- und Gemeindesteuern gibt es einen Abzug für die Fahrkosten zwischen Wohn- und Arbeitsort. Die Höhe des Maximalbetrags können die Kantone selbst bestimmen.

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