Schwarzgeld-Verdacht: Linke wollen Tausendernote abschaffen

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Schwarzgeld-VerdachtLinke wollen Tausendernote abschaffen

Der Tausender erlebt einen Boom: 36,4 Millionen sind im Umlauf, ein Viertel mehr als vor zwei Jahren. Linke vermuten, dass Schwarzgeld in bar verschoben wird – und wollen die «Ameise» abschaffen.

von
jbu

Eine Umfrage hat kürzlich ergeben, dass wir durchschnittlich etwa 70 Franken Bargeld auf uns tragen. Viele Bankkunden werden mit diesem Betrag aber offenbar massiv unterschätzt. Gemäss dem «Tages-Anzeiger» sind immer mehr grosse Scheine – insbesondere Tausendernoten – im Umlauf. Im Mai waren es gemäss Statistik 36,4 Millionen Tausender-Noten, das sind über ein Viertel mehr als noch zwei Jahre davor.

Wer hat all die grossen Noten? Im Alltag werden sie schliesslich kaum gebraucht. Laut Nationalbank wäre es möglich, dass der Anstieg mit dem verlorenen Vertrauen ins Bankensystem zusammenhängt. Sie vermutet, dass die Tausender nicht nur als Zahlungs-, sondern auch als Wertaufbewahrungsmittel verwendet werden. Die Leute könnten ihr Vermögen in bar unter Matratzen oder im Ausland bunkern.

Beliebt in kriminellen Kreisen

Das ist die harmlose Version. Die andere besagt, dass die Zunahme der grossen Noten damit zusammenhängt, dass Steuerhinterzieher wegen der Weissgeldstrategie ihr Geld in grösseren Summen in bar abheben. Diese Vermutung äussert Hans-Peter Bauer, Geldwäschereiexperte beim Basel Institute of Governance, im «Tages-Anzeiger».

Dass grosse Noten oft in einem kriminellen Umfeld Verwendung finden, ist bekannt. In Grossbritannien wurde der 500-Euro-Schein aus den Wechselstuben genommen, nachdem eine Untersuchung der britischen Agentur gegen Organisierte Kriminalität ergeben hatte, dass die Nachfrage nach diesen Noten zu 90 Prozent aus kriminellen Kreisen stammte. Der Vizepräsident der Europäischen Zentralbank, Vítor Constâncio, erwägt gar, die 500-Euro-Note im ganzen Euroraum abzuschaffen. In Kanada wurde der Tausend-Dollar-Schein aus bereits vor über zehn Jahren auf Empfehlung der Polizei aus dem Verkehr gezogen.

Linke wollen Tausendernote abschaffen

Auf diesen Zug wollen nun auch die Linken in der Schweiz aufspringen. Der hohe Wert der einzelnen Note unterstütze illegale Praktiken, weil er den Transport grosser Summen in bar erleichtere, sagt die Berner SP-Nationalrätin Margret Kiener Nellen. Sie will deshalb in der anstehenden Revision des Geldwäschereigesetzes die Forderung einbringen, den Tausender abzuschaffen.

Im rechten Lager erntet der Vorschlag nur Kopfschütteln. SVP-Nationalrat Lukas Reimann betont, es sei völlig legitim, Vermögen als Bargeld zu lagern. Er ist überzeugt, die Zunahme des Bargeldbestands habe mit dem Misstrauen der Leute gegenüber den Banken zu tun – und nicht etwa mit illegalen Geschäften.

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