Aktualisiert 02.09.2006 22:20

Linksaktivisten besetzen Seepromenade

Am Freitagabend haben linke Aktivisten an der See-Promenade in Zürich ihre eigene Stadt aufgebaut. Sie nennen sie «Danslieue». Mit der Fassadensiedlung beim Zürcher Bürkliplatz wollen Linksaktivisten ein politisches Zeichen setzen. Die Polizei lässt die jungen Leute gewähren, behält sie aber im Auge.

Hohe, mit Stacheldraht versehene Gitter längs dem General-Guisan- Quai umgeben symbolträchtig den Platz, auf dem Aktivisten am Freitagabend vor den Augen der verdutzten Passanten einige Zelte und Buden aufgebaut haben: «Danslieue» heisst das das Dörflein, das in einer Blitzaktion innert 30 Minuten entstand. Der Name ist eine Anspielung auf die «Banlieue» - die tristen Vorstädte von Paris. Die Aktion ist auf zwei Tage beschränkt.

Verziert sind die Gitter auf der Aussenseite mit bunten Bildern aus der Werbung. Auf der Innenseite hängen Transparente mit den Umrissen von ein- (oder aus-)gesperrten Menschen, scharf bewacht von bewaffneten Soldaten. Die Gitter sind damit Sinnbild für die Abgrenzung einer reichen, glitzernden Welt gegenüber Aussenstehenden.

Gefahr der Isolation

«Danslieue» solle die «gesellschaftliche Tendenz der Abgrenzung und Ausgrenzung» bewusst machen, welche nicht zuletzt die Gefahr der eigenen Isolierung mit sich bringt, sagte einer der Initianten. Konkret wenden sich die Aktivisten gegen das neue kantonale Polizeigesetz sowie gegen das Asyl- und das Ausländergesetz.

Wie sie am Samstagnachmittag vor den Medien ausführten, protestieren sie zudem gegen «Kommerzialisierung und Totsanierung von Lebensraum in Zürich, wie es der Ledergerber will». Damit knüpfen sie an eine Aktion von 2005 an: Mit «Shantytown» stand damals am Sihlufer ein symbolisches Dorf mit ähnlichen Anliegen. Viele der heutigen Aktivisten waren schon damals dabei.

Damals musste die Stadt 8 bis 10 Tonnen Abfall entsorgen. Am Samstag präsentierte sich das Dörflein mit Seeanstoss und Blick auf die Schneeberge akkurat aufgeräumt. In einer als «Mülldeponie bezeichneten Ecke stehen ordentlich zusammengebundene Abfallsäcke. Einer der Bewohner wandert umher und sammelt Abfälle ein. Am Sonntagabend wollen die Aktivisten abziehen. Der Müll soll dann fein säuberlich in Züri-Säcken verpackt sein, verspricht ein Sprecher an der Medienkonferenz.

Während «Shantytown» ein Spektakel mit tausenden Schaulustigen war, hielt sich am Samstag das Interesse an der politischen Fassadenstadt in Grenzen. Eine ältere Passantin beäugte aber unter dem wummernden Bass der zentral gelegenen Musikanlage auf einem Plakat das Anliegen der Aktivisten misstrauisch. Viele Passanten schlenderten durch das Areal, ein grosser Zuschauerauflauf war jedoch nicht auszumachen. Wenige Hundert Aktivisten halten sich auf dem «Danslieue»-Gelände auf.

Polizei behält «Danslieue» im Auge

Wie Stadtpolizeisprecher Marco Cortesi auf Anfrage sagte, lässt die Polizei die jungen Leute vorderhand gewähren. Man behalte das Geschehen aber im Auge. Gegebenenfalls werde die Lage neu beurteilt. Bisher sei es zu keinerlei Sachbeschädigungen gekommen. Auch der Verkehr wurde nicht gestört. Das lag auch nie im Interesse der Aktivisten, denn die «Danslieue» soll niemanden stören und allen offenstehen.

Einzig in der Nacht auf Samstag gingen einzelne Lärmklagen ein - in «Danslieue» war eine Party im Gang.Wenn es so bleibe, sei es in Ordnung, sagte Cortesi. Zwar handle es sich um grundsätzlich um eine illegale Aktion - allerdings nur um eine Übertretung. Eine gewaltsame Räumung wäre deshalb unverhältnismässig. (sda)

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