Wimbledon: Lisicki beendet deutsche Durststrecke

Aktualisiert

WimbledonLisicki beendet deutsche Durststrecke

Erstmals seit 12 Jahren steht mit Sabine Lisicki wieder eine Deutsche in einem Grand-Slam-Halbfinal. Das deutsche Frauentennis befindet sich im Aufwärtstrend.

Erstmals seit 12 Jahren und Steffi Graf steht wieder eine deutsche Spielerin in einem Major-Halbfinal. Sabine Lisicki (WTA 62) qualifizierte sich durch ein 6:4, 6:7, 6:1 gegen Marion Bartoli (Fr/9) für den Halbfinal gegen Maria Scharapowa (Russ/5).

Nach einem Jahrzehnt dunkler Nacht geht es mit dem deutschen Frauentennis 2011 rasant nach oben. Im ersten Teil des Jahres hatten Andrea Petkovic und Julia Görges für viele Schlagzeilen gesorgt und erstmals die Top 20 geknackt, nun ist die Reihe an Lisicki, die an der Church Road so weit gekommen ist, wie noch nie eine DTB-Spielerin bei einem Major in diesem Millennium.

Im jetzigen Stadium hätte man diesen beiden Deutschen den ganz grossen Sprung wohl zugetraut, Lisicki aber nicht, obwohl sie die erste des Trios gewesen war, die für Furore gesorgt hatte. 2009 war sie bis auf Platz 22 im WTA-Ranking vorgestossen, ehe ihr eine Knöchelverletzung fünf Monate kostete. Ungewöhnlich lange für eine Blessur dieser Art, wie die im Bollettieri-Camp Lisicki zugab: «Es gab zuerst eine falsche Diagnose und anstatt den üblichen sechs Wochen dauerte es dann viel länger.»

Im März diesen Jahres fiel Lisicki auf Rang 218 zurück, dann ging es aber wieder nach oben. Vorläufiger Höhepunkt war der Turniersieg in Birmingham, der ihr zusätzlich auch noch eine Wild Card für Wimbledon bescherte. Besser hätte sie diese nicht rechtfertigen können, sie ist nach Zheng Jie (China/2008) erst die zweite Wild-Card-Spielerin, die den Halbfinal erreicht. «Dieser Sieg hat mir viel Selbstvertrauen gegeben, das mir vorher fehlte. Jetzt weiss ich aber wieder, dass ich nach oben gehöre und das hat man hier gemerkt.»

Bartoli wie «Flasche leer»

Tatsächlich bewies sie vor allem in der zweiten Partie gegen Li Na bemerkenswerte Nervenstärke, als sie mit erfrischendem Offensivspiel zwei Matchbälle abwehren konnte. Gegen Bartoli verpasste sie in einer attraktiven Partie unter geschlossenem Dach, auf das starker Regen prasselte nun im zweiten Satz drei Siegpunkte, nützte aber ihre grössere Frische zu einem ungefährdeten Erfolg im Schlussakt. «Ich war enttäuscht, dass ich bei den Matchbällen zu wenig konsequent agierte, ich bin aber eine Kämpferin und wollte den dritten Satz unbedingt gewinnen.»

Das wollte auch Bartoli, bei ihr war aber buchstäblich die «Flasche leer». Sie hatte ebenfalls in der zweiten Runde Matchbälle abgewehrt (gegen Lourdes Dominguez Lino), danach Flavia Pennetta niedergerungen und dann innert 24 Stunden gegen Serena Williams und Lisicki viel Kraft gelassen. «Mein Kopf wollte noch, aber die Beine nicht mehr», so Bartoli. In der Schlussphase war sie sogar zu müde, um ihr sehr gewöhnungsbedürftiges und in der Szene einzigartiges Ritual zu machen, das sie normalerweise jedem Punkt folgen lässt - wildes Herumhüpfen und Trockenübung der Grundschläge sowie Blicke zu ihrem Vater auf der Tribüne.

Während Bartoli nun Zeit hat, sich von ihren Strapazen während und zwischen den Punkten zu erholen, fordert Lisicki morgen Donnerstag Maria Scharapowa heraus. Die Russin, letzte verbliebene Major-Siegerin im Tableau, revanchierte sich an Wozniacki-Bezwingerin Dominika Cibulkova für zuletzt zwei Niederlagen. Im Duell «Gross gegen Klein» überliess sie der 25 Zentimeter kleineren Slowakin nur zwei Games.

Kvitova wie 2010

Ebenfalls unter den letzten Vier steht Petra Kvitova (WTA 8). Die Tschechin setzte sich im Duell der Sensations-Halbfinalistinnen des Vorjahres in drei Sätzen gegen Tsvetana Pironkova (Bul/32) durch. Kvitova fehlt damit nur noch ein Sieg, um als erste Linkshänderin seit Martina Navratilova 1994 den Showdown zu erreichen.

Ihre Halbfinalgegnerin heisst Victoria Asarenka (WRuss/4). Die Hardhitterin aus Minsk mit Wohnsitz in Arizona besiegte die «halbe Schweizerin», die sich couragiert wehrende Vorarlbergerin Tamira Paszek (WTA 80), im letzten Match des Tages 6:3, 6:1. Asarenka hat damit eine mentale Hürde übersprungen: Sie hatte alle vorherigen vier Grand-Slam-Viertelfinals verloren. (si)

Deine Meinung