Coronavirus - Lissabon riegelt Stadt wegen Delta-Variante ab, Weltärzteverband warnt
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Coronavirus Lissabon riegelt Stadt wegen Delta-Variante ab, Weltärzteverband warnt

Die Pandemie scheint fast bezwungen. Sorgen bereitet Ärzten und Behörden aber nach wie vor die zuerst in Indien entdeckte Variante Delta. Müssen Lockerungsschritte zurückgenommen werden?

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In der portugiesischen Hauptstadt Lissabon muss die Regierung wegen eines besorgniserregenden Anstiegs der Corona-Fallzahlen derzeit wieder durchgreifen. Die Stadt wird für zweieinhalb Tage abgeriegelt.

In der portugiesischen Hauptstadt Lissabon muss die Regierung wegen eines besorgniserregenden Anstiegs der Corona-Fallzahlen derzeit wieder durchgreifen. Die Stadt wird für zweieinhalb Tage abgeriegelt.

REUTERS
Sorgenfreie Normalität macht sich bemerkbar: Deutsche verfolgen am 15. Juni das EM-Spiel Deutschland gegen Frankreich im Grugapark, Nordrhein-Westfalen. 

Sorgenfreie Normalität macht sich bemerkbar: Deutsche verfolgen am 15. Juni das EM-Spiel Deutschland gegen Frankreich im Grugapark, Nordrhein-Westfalen.

Caroline Seidel/dpa
Weltärztechef Frank Ulrich Montgomery warnt allerdings vor zu schnellen Lockerungsschritten in Deutschland: Ärzte und Pfleger demonstrieren das Intubieren bei einem Covid-19 Patienten an einer Patienten-Simulationspuppe.

Weltärztechef Frank Ulrich Montgomery warnt allerdings vor zu schnellen Lockerungsschritten in Deutschland: Ärzte und Pfleger demonstrieren das Intubieren bei einem Covid-19 Patienten an einer Patienten-Simulationspuppe.

Christian Charisius/dpa-POOL/dpa

Darum gehts

  • Die Bundesländer Deutschlands sollen prüfen, ob angekündigte Lockerungsschritte nicht zu weit gehen, fordert Weltärztechef Frank Ulrich Montgomery.

  • Grund seiner Warnung ist die besonders ansteckende Corona-Variante Delta.

  • Der britische Premier Boris Johnson musste bereits geplante Lockerungen um vier Wochen verschieben, auch Portugal reagiert.

Weltärztechef Frank Ulrich Montgomery warnt angesichts der als besonders ansteckend geltenden Delta-Variante des Coronavirus vor zu raschen Lockerungsschritten in Deutschland. Es sei zu erwarten, dass sich die Delta-Variante in Deutschland noch schneller ausbreite als die anderen bisherigen Formen des Virus, sagte Montgomery den Zeitungen der Funke Mediengruppe (Freitagsausgaben). Solange noch nicht genügend Menschen geimpft seien, müssten die Ansteckungsrisiken im Alltag reduziert werden.

Im öffentlichen Nahverkehr, in Geschäften und anderen Innenräumen sollten unbedingt weiterhin FFP2-Masken getragen werden, sagte der Präsident des Weltärtzebundes. Die Bundesländer sollten jetzt prüfen, ob die von ihnen angekündigten Lockerungen nicht zu weit gingen. Sie sollten «die politische Grösse haben, angekündigte Lockerungen wieder zurückzunehmen, wenn die Infektionszahlen durch die Delta-Variante wieder steigen sollten».

Montgomery verwies auf das Beispiel der britischen Regierung. Diese hatte am Montag erklärt, wegen der raschen Ausbreitung der Delta-Variante im Vereinigten Königreich die geplante Aufhebung der letzten Corona-Beschränkungen um vier Wochen zu verschieben. Trotz der Impffortschritte in Grossbritannien lässt dort die Delta-Variante derzeit die Infektionszahlen wieder hochschiessen. Am Donnerstag wurden im Vereinigten Königreich erstmals seit Ende Februar wieder mehr als 10’000 Corona-Neuinfektionen an einem Tag verzeichnet.

(Noch) kein Alarm in der Schweiz

In der Schweiz hingegen halten sich die Behörden mit Alarmierung zurück. Die aktuelle Gefahrenlage sei zurzeit nicht so akut, sagte Virginie Masserey am Point de Presse vom Dienstag. «Die Impfkampagne steht nun im Zentrum.»

Jan-Egbert Sturm, Vizepräsident der wissenschaftlichen Task-Force Covid-19, räumt ein, dass sie die Delta-Variante genau untersuchen und daran forschen. Doch sei es zu früh, um über konkrete Ergebnisse zu berichten. «Wir sind aber bestrebt, zu verhindern, dass die Delta-Variante bei uns Fuss fasst und sich ausbreitet.»

Delta in allen Bundesländern nachgewiesen

Weltärztechef Montgomery bezeichnete es als «das Tückische» der zuerst in Indien entdeckten Delta-Mutante, «dass Infizierte sehr schnell eine sehr hohe Viruslast im Rachen haben und damit andere anstecken können, bevor sie überhaupt merken, dass sie sich infiziert haben».

Nach den jüngsten Daten zur Delta-Variante in Deutschland, die das Robert-Koch-Institut (RKI) am Mittwoch veröffentlicht hatte, lag der Anteil dieser Mutante an allen genauer untersuchten Corona-Infektionen in der 22. Kalenderwoche (ab 31. Mai) bei 6,2 Prozent. In der vorherigen Woche waren es lediglich 3,7 Prozent gewesen. Laut RKI wurde die Delta-Variante bereits in allen Bundesländern nachgewiesen. Lediglich in zehn Prozent der Fälle sei die Ansteckung mit dieser Virus-Mutante mutmasslich im Ausland erfolgt.

Lissabon abgeriegelt

Lissabon wird wegen einer besorgniserregenden Zunahme der Corona-Infektionsfälle für rund zweieinhalb Tage abgeriegelt. Von Freitagnachmittag (1600 MESZ) bis Montagmorgen (0600 MESZ) dürfen die 2,8 Millionen Bewohner der portugiesischen Hauptstadt den Grossraum Lissabon nur aus triftigem Grund verlassen, wie die Regierung am Donnerstag mitteilte. Auswärtige werden nur in Ausnahmefällen einreisen dürfen.

Mit 928 neuen Infektionen binnen 24 Stunden verzeichnete Lissabon am Donnerstag den höchsten Wert seit dem 19. Februar. Das waren rund 75 Prozent aller in Portugal registrierten Fälle (1233). In der «Area Metropolitana» Lissabons wohnen aber lediglich rund 27 Prozent aller 10,3 Millionen Bürger Portugals.

In Lissabon breite sich derzeit die zunächst in Indien entdeckte Delta-Variante des Coronavirus relativ stark aus, sagte Präsidentschaftsministerin Mariana Vieira da Silva. «Es ist nicht leicht, solche Massnahmen zu ergreifen, aber uns erschienen sie unerlässlich, damit die Lage, die in Lissabon derzeit herrscht, nicht auf das ganze Land übergreift», betonte sie.

Der einstige Hotspot Portugal hatte im Winter erfolgreich gegen Corona gekämpft und im Frühjahr zeitweilig die niedrigsten Werte Europas aufgewiesen. Der Ausnahmezustand zur Eindämmung der Pandemie war deshalb am 1. Mai nach fünfeinhalb Monaten zu Ende gegangen. Die landesweite 14-Tage-Inzidenz stieg jedoch nach Angaben der EU-Behörde ECDC innerhalb weniger Wochen von 55 auf 87.

Wirkt Impfung gegen Delta?

Mehrere Laboruntersuchungen zeigen, dass Delta offenbar resistenter gegen Impfstoffe ist als andere Varianten. So ergab eine Anfang Juni in der Fachzeitschrift «The Lancet» veröffentlichte britische Studie, dass die Zahl der Antikörper nach zwei Impfdosen von Pfizer/Biontech bei der Delta-Variante sechs Mal niedriger ausfiel als beim Wildtyp des Virus. Denn mit einer vollständigen Corona-Impfung lassen sich laut einer am Montag vorgestellten Studie der britischen Gesundheitsbehörde Public Health England (PHE) schwere Krankheitsverläufe bei der Delta-Variante ebenso wirksam vermeiden wie bei der Alpha-Variante. Zwei Dosen des Wirkstoffs von Pfizer/Biontech verhinderten demnach bei der Variante B.1.617.2 in 96 Prozent der Fälle eine stationäre Behandlung. Für das Vakzin von Astrazeneca lag die Quote bei 92 Prozent.

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(AFP/kat)

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