17.10.2020 21:05

Taub durch CoronavirusListe der Covid-Langzeitschäden wird länger

Geruchs- und Geschmacksverlust, chronische Erschöpfung, Herz- und Gehirnschäden: Das Coronavirus kann dem Körper ordentlich zusetzen. Nun ist eine neue Folge bekannt.

von
Fee Anabelle Riebeling
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Lange ging man davon aus, dass Sars-CoV-2 nur die Lunge angreift. Heute – acht Monate nachdem die ersten Meldungen dazu aufkamen – weiss man, dass es den ganzen Körper angreift.

Lange ging man davon aus, dass Sars-CoV-2 nur die Lunge angreift. Heute – acht Monate nachdem die ersten Meldungen dazu aufkamen – weiss man, dass es den ganzen Körper angreift.

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Entsprechend vielfältig sind auch die Symptome. Sie treten jedoch nicht alle miteinander auf, sondern können auch einzeln in Erscheinung treten.

Entsprechend vielfältig sind auch die Symptome. Sie treten jedoch nicht alle miteinander auf, sondern können auch einzeln in Erscheinung treten.

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Es gibt keine typischen Covid-19-Krankheitsverläufe. Sie variieren stark und können von symptomlosen Verläufen bis zu schweren Pneumonien mit Lungenversagen und Tod führen.

Es gibt keine typischen Covid-19-Krankheitsverläufe. Sie variieren stark und können von symptomlosen Verläufen bis zu schweren Pneumonien mit Lungenversagen und Tod führen.

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Darum gehts

  • Nach dem Verlassen der Intensivstation, stellte sich bei einem britischen Corona-Patienten ein Gehörverlust ein.

  • Trotz Behandlung konnte dieser nicht behoben werden.

  • Der Mann ist nicht der einzige Covid-19-Patient, der dauerhaft Hörvermögen einbüsst.

  • Grund dafür scheinen Blutgerinnungsstörungen im Ohr zu sein.

Ob er je wieder hören kann, ist offen: Im Fachjournal «British Medical Journal» berichten Mediziner von einem Mann, der im Zuge seiner Erkrankung mit dem neuartigen Coronavirus Sars-CoV-2 sein Gehör verloren hat.

Nachdem der 45-Jährige zehn Tage an Covid-19-Symptomen gelitten hatte, wurde er ins Spital eingeliefert, wo er sofort auf die Intensivstation kam und während 30 Tagen intubiert wurde. Gleichzeitig erhielt er Remdesivir, Steroide sowie zahlreiche weitere Medikamente. Zudem musste sein Blutplasma ausgetauscht werden. Erschwert wurde die Behandlung durch das plötzliche Auftreten von Lungenembolien, Lungenhochdruck (pulmonale Hypertonie), Blutarmut sowie einer durch die Beatmung aufgetretenen Lungenentzündung.

Beileibe kein Einzelfall

Die Behandlung schlug zwar an, und der Patient konnte schon bald auf eine normale Station verlegt werden. Doch dann bemerkte er einen linksseitigen Tinnitus, dann einen plötzlichen Hörverlust. Die Ärzte checkten sein Ohr – doch sie konnten keine Blockaden oder Entzündungen feststellen. Er wurde mit Steroidtabletten und Injektionen behandelt, wonach sich sein Gehör teilweise erholt hat, jedoch nicht vollständig, so die Mediziner.

«Dies ist der erste berichtete Fall von sensorineuralem Hörverlust nach einer Covid-19-Infektion in Grossbritannien», halten die Forschenden fest. Der erste weltweit ist es jedoch nicht, wie Kevin J. Munro vom Manchester Centre for Audiology and Deafness bereits im Juli 2020 im «International Journal of Audiology» berichtete. Demnach kommt eine Beeinträchtigung des Hörvermögens bei 13,2 Prozent ehemaliger Covid-19-Patienten vor.

Laut der Studie, in welche die Daten von 138 Ex-Corona-Patienten zwischen 44 und 82 Jahren eingeflossen sind, haben vor allem Männer nach der vermeintlichen Genesung dauerhaft mit Tinnitus oder Hörverlusten zu kämpfen.

Nicht von Schwere des Verlaufs abhängig

Dass auch Frauen gegen diese Langzeitfolgen nicht gefeit sind und selbst symptomlose Covid-19-Verläufe dazu führen können, zeigt unter anderem der Fall der Amerikanerin Meredith Harrell. Bei ihr wurde die Sars-CoV-2-Infektion nur nachgewiesen, weil die Ärzte die Ursache für das plötzliche Klingen im Ohr suchten.

«Es war, als hätte jemand einen Schalter umgelegt», zitiert CNN.com Harrell, deren Hörfähigkeit bislang nicht wiederhergestellt werden konnte. «Ich hoffe, die Leute verstehen endlich, dass Corona kein Witz ist.»

«Schlimmer als andere Viren»

Zwar können die Ärzte auch in ihrem Fall nicht mit Sicherheit sagen, dass das Virus das Innenohr befällt, weil bei der Durchführung einer Biopsie des Innenohrs das Risiko besteht, das Gewebe zu schädigen. Doch Untersuchungen von Personen, die infolge einer Covid-19-Infektion verstorben sind, sprechen eine deutliche Sprache: So konnte das Virus bei zwei der drei Leichen im Mittelohr und den Mastoidknochen im Schädel, der sich direkt hinter dem Ohr befindet, nachgewiesen werden. Die Studie wurde im Fachjournal «Jama Otolaryngology – Head and Neck Surgery» veröffentlicht.

Matthew Stewart von der Johns Hopkins University in Baltimore (US-Bundesstaat Maryland), der die Autopsie durchgeführt hat, erklärte gegenüber CNN, dass Viren wie Masern, Mumps und Meningitis dafür bekannt sind, mitunter plötzliche Hörverluste zu verursachen. «Aber ich bin der Meinung, dass Sars-CoV-2 das Potenzial hat, schlimmer zu sein.» Man wisse ja, dass es Blutgerinnsel in anderen Bereichen des Körpers auslöst und offenbar auch vor den «extrem kleinen Blutgefässen» im Innenohr keine Ausnahme macht.

Der gleichen Meinung ist auch Kevin Munro: «Die Kapillaren im Innenohr sind die kleinsten im menschlichen Körper, sodass es nicht viel braucht, um sie zu blockieren.»

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1597 Kommentare
Kommentarfunktion geschlossen

TOM

19.10.2020, 01:48

Nun solche Meldungen müssten nach dem heutigen Tag aufgrund der allg. Maskenpflicht künftig teilweise verhindert werden können. Der heutige Tag fliesst sicher in die historische Schweizergeschichte ein. Ich bin so stolz über und unseren BR und bezahle meine Steuern mit viel Freude. g Gott beschütze unser Vaterland und den BR, denn er hat es verdient.

Conny

18.10.2020, 22:43

Solche Horrormeldungen dienen nur einem Zweck. Die Menschen einschüchtern, gefügig machen und von den eigentlichen Problemen ablenken. Mehr kann ich dazu nicht sagen, da dieser Kommentar sonst gar keine Chance hat veröffentlicht zu werden. Wer der Wahrheit näher kommen will, muss selber denken, hinterfragen und recherchieren.

Ich denke, wenn ältere Menschen die öffentlichen V

18.10.2020, 21:11

Ich denke, wenn ältere Menschen die öffentlichen Verkehrsmittel nicht mehr benutzen, wird die Prävalenz von Korona in hohem Maße reduziert.