Professorin für Lebensmittelmikrobiologie: «Listerien im Fertigmais deuten auf ein Hygiene-Problem hin»

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Professorin für Lebensmittelmikrobiologie«Listerien im Fertigmais deuten auf ein Hygiene-Problem hin»

In Fertigsalaten verschiedener Hersteller wurden Listerien nachgewiesen. Eine Expertin sagt, wie gefährlich diese sind – und was Betroffene tun sollen.

von
Reto Heimann
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M-Budget Mischsalat
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Am Donnerstag riefen die Schweizer Detailhändler Migros, Denner und Aldi verschiedene Fertigsalate zurück. Die Salate enthielten Mais, in dem Listerien nachgewiesen wurden. Das Bundesamt für Lebensmittelsicherheit und Veterinärwesen (BLV) veröffentlichte eine Warnung.

Wie gefährlich sind Listerien? Wie gelangen Sie in die Lebensmittel? Wer muss sich vor ihnen besonders in Acht nehmen? 20 Minuten sprach darüber mit Corinne Gantenbein, Professorin für Lebensmittelmikrobiologie an der ZHAW in Wädenswil.

In Fertigsalaten verschiedener Hersteller wurden im beigefügten Mais Listerien nachgewiesen. Wie gelangen Listerien in Lebensmittel?

Grundsätzlich ist zu sagen: Listerien kommen primär in der Erde vor. Sie können deshalb natürlicherweise auf vielen Lebensmittel zu finden sein, vor allem auf rohen pflanzlichen Produkten. Es sind aber nicht alle Listerien gesundheitsschädlich. Listeria monocytogenes ist sicher die bedeutendste krankmachende Art. Beim im Salat verwendeten Fertigmais ist es so, dass in diesem hitzebehandelten Produkt keine Listerien vorkommen sollten, da diese durch die Hitze inaktiviert werden. Dass im konkret vorliegenden Fall doch Listerien auf dem Mais nachgewiesen wurden, deutet auf ein Hygieneproblem hin.

Warum sind Listerien so gefährlich?

Erstens genügen kleine Mengen an eingenommenen Listerien-Bakterien, um eine Erkrankung hervorzurufen. Zweitens sind Listerien für Risikopersonen mit geschwächtem Immunsystem besonders gefährlich. Weiterhin reicht es auch nicht aus, die Vermehrung der Keime durch Kühllagerung zu verhindern, da Listerien sich auch bei Kühlschranktemperaturen vermehren können – wenn auch nur langsam. Deshalb sollten mit Listeria monocytogenes belastete Produkte nur noch weggeworfen und nicht gegessen werden.

Corinne Gantenbein-Demarchi ist Professorin für Lebensmittelmikrobiologie an der Zürcher Hochschule für Angewandte Wissenschaften ZHAW in Wädenswil. Sie ist stellvertretende Leiterin des Instituts für Lebensmittel- und Getränkeinnovation und Leiterin Forschung und Entwicklung. Seit mehreren Jahrzehnten beschäftigt sie sich mit Fragen der Lebensmittelmikrobiologie und dabei immer wieder auch mit Listerien.

Corinne Gantenbein-Demarchi ist Professorin für Lebensmittelmikrobiologie an der Zürcher Hochschule für Angewandte Wissenschaften ZHAW in Wädenswil. Sie ist stellvertretende Leiterin des Instituts für Lebensmittel- und Getränkeinnovation und Leiterin Forschung und Entwicklung. Seit mehreren Jahrzehnten beschäftigt sie sich mit Fragen der Lebensmittelmikrobiologie und dabei immer wieder auch mit Listerien.

ZHAW

Angenommen ich habe trotzdem einen solchen Salat verzehrt. Was können die Listerien in meinem Körper anrichten?

Wenn man keiner Risikogruppe angehört, dann wird man die Aufnahme der Listerien in der Regel kaum spüren. Sie werden einfach mitverdaut. Bei der Risikogruppe – dazu gehören ältere Menschen, solche mit geschwächtem Immunsystem und Schwangere – können aber schon kleinste Aufnahmemengen an Listeria monocytogenes schwerwiegende Folgen haben.

Welche denn?

Die Listerien gelangen in die Monozyten (Anm. d. Red.: im Blut zirkulierende Zellen des Immunsystems) und werden über die Körperflüssigkeiten in den ganzen Körper transportiert. So werden sie vom Immunsystem auch nicht mehr erkannt. Im Körper kann es dann zu schwerwiegenden Infektionen kommen wie z.B. Hirnhautentzündungen und Blutvergiftungen.

Was geschieht bei Schwangeren?

Hier ist weniger die Schwangere selbst und mehr das ungeborene Kind gefährdet. Die Listerien geraten in den Kreislauf des Fötus und können dort Hirnhautentzündungen hervorrufen – eine gefährliche Infektion, die der Fötus meist nicht überlebt.

Was raten Sie Risikopersonen, die einen solchen Fertigsalat gegessen haben?

Wer grippeähnliche Symptome entwickelt, zum Beispiel Fieber, soll unbedingt und sofort einen Arzt aufsuchen. Eine Therapie mit Antibiotika sollte schnell erfolgen.

In welchen Fällen verläuft eine Infektion tödlich?

Bezüglich dem Risiko einer schwerwiegenden Erkrankung bei Listeria monocytogenes gilt: Je älter eine Person ist, desto höher ist die Gefahr, dass eine Infektion einen schweren Verlauf nimmt. Auch die Menge an eingenommenen Listerien-Bakterien hat sicherlich einen Einfluss. Allerdings genügen bereits Kleinstmengen, um eine Erkrankung auszulösen.

Listeria monocytogenes sind die bedeutendsten krankmachenden Listerien. (Illustration)

Listeria monocytogenes sind die bedeutendsten krankmachenden Listerien. (Illustration)

Getty Images/Science Photo Libra

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