24.04.2020 02:49

Covid-19 in der Schweiz

Litterer lassen gebrauchte Masken auf Strasse liegen

Masken, Handschuhe und Nastücher müssen korrekt entsorgt werden. Doch es gibt immer wieder Masken-Litterer.

von
Anja Zingg
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Diese Woche erzählt ein Journalist im «Tages-Anzeiger», wie er beim Spazieren in Zürich im Umkreis von 500 Metern vier Masken auf dem Boden liegen sah - achtlos weggeschmissen.

Diese Woche erzählt ein Journalist im «Tages-Anzeiger», wie er beim Spazieren in Zürich im Umkreis von 500 Metern vier Masken auf dem Boden liegen sah - achtlos weggeschmissen.

Foto: Raphael Moser / Tamedia AG
Daniel Eberhard vom Entsorgungsdepartement der Stadt Zürich bestätigt den Eindruck des Journalisten: «Rund um das Unispital Zürich hat die Strassenreinigung vermehrt weggeworfenes Schutzmaterial entsorgen müssen.»

Daniel Eberhard vom Entsorgungsdepartement der Stadt Zürich bestätigt den Eindruck des Journalisten: «Rund um das Unispital Zürich hat die Strassenreinigung vermehrt weggeworfenes Schutzmaterial entsorgen müssen.»

Keystone/Jean-christophe Bott
Auch in Deutschland landet immer wieder benutztes Schutzmaterial auf dem Boden, wie diese Bilder zeigen.

Auch in Deutschland landet immer wieder benutztes Schutzmaterial auf dem Boden, wie diese Bilder zeigen.

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«Hallo Ihr Masken-Grüsel, es reicht!»: Am Freitag erzählt ein Journalist im «Tages-Anzeiger», wie er beim Spazieren in Zürich im Umkreis von 500 Metern vier Masken auf dem Boden liegen sah. In seinem offenen Brief adressiert er seinen Ärger an die Masken-Litterer. Er wohnt in der Nähe der Notfallstation des Zürcher Universitätsspitals. Nicht das erste Mal habe er dort Masken und auch Handschuhe am Boden gesehen; er fand bei einer Sitzbank aufgehängte Masken oder solche auf einem Parkplatz. Er fragt rhetorisch: «Herr und Frau Grüsel, würden Sie in der Strasse vor Ihrer Wohnung auch einfach eine dreckige Maske auf den Boden fallen lassen?»

Daniel Eberhard von Entsorgung und Recycling Zürich (ERZ) bestätigt den Eindruck des Journalisten: «Rund um das Unispital Zürich hat die Stadtreinigung vermehrt weggeworfenes Schutzmaterial wegräumen müssen», sagte er auf Anfrage von 20 Minuten. In der übrigen Stadt sei dies nicht der Fall, relativiert Eberhard. Allerdings: Der Bund stellt den Detailhändlern in den kommenden Wochen Millionen von Masken zur Verfügung, weshalb sich das schon bald noch ändern könnte.

Behörden mahnen zu korrektem Masken-Entsorgen

Auch beim Unispital kennt man das Problem. Ein Sprecher sagt: «Laut unserem Sicherheitsdienst finden sich vereinzelt Masken am Boden, dies zum Beispiel im Bereich des Parkfeldes. Die allermeisten aber sind korrekt entsorgt.» Jene Masken am Boden werden durch Spitalpersonal aufgesammelt und entsorgt. Die Masken-Litterer seien wohl Personen, die auch sonst littern würden, sicher handle es sich nicht um Spitalpersonal, «dieses ist sensibilisiert im Umgang mit Masken», so der Sprecher weiter.

Wie man Handschuhe, Nastücher und Mundschutz korrekt entsorgt, darüber sind auch grosse Gemeinden wie Emmen oder der Kanton Aargau besorgt und schreiben auf ihren Websites, wie man Masken daheim korrekt wegwirft: «Gebrauchte Masken und Taschentücher gehören in einen separaten Plastiksack. Die verknoteten Plastiksäcke werden in einem schliessbaren Abfalleimer gesammelt, dieser soll selbstverständlich mit dem Abfallsack der jeweiligen Gemeinde ausgestattet sein.» Zusammenpressen solle man die Plastiksäcke nicht. Durch Einhaltung dieser Vorgaben sollen Bewohner eines Haushaltes geschützt werden, aber auch diejenigen, die den Müll entsorgen müssen: die Mitarbeiter der Kehrichtabfuhr.

So schützt sich die Kehrichtabfuhr

Dass diejenigen, die unseren Abfall wegräumen, gut geschützt sind, ist für ERZ zentral. Dafür nehmen sie auch einen Mehraufwand bei der Kehrichtsammlung in Kauf. «Pro Fahrzeug waren jeweils drei Personen in der Fahrerkabine. Da wir so den Sicherheitsabstand von zwei Metern nicht einhalten können, fährt die dritte Person vorerst mit einem PKW dem Kehrichtwagen nach», sagt Eberhard.

Eine Ansteckung durch einen kontaminierten Abfallsack soll durch Handschuhe vermieden werden. Masken tragen die Mitarbeiter der Kehrichtabfuhr keine. Ob sich private Haushalte an die Vorgaben vom Bund halten und alle Nastücher in einen separaten Abfallsack stecken, lässt sich schwer eruieren. Zürcher produzieren jedenfalls nicht mehr Abfall, wenn sie im Homeoffice sind: «Es gibt einen Anstieg beim Hauskehricht, der ist jedoch marginal», sagt Eberhard.

Infizierte sollen Güsel nicht mehr trennen

Wer sich infiziert hat, soll gemäss Empfehlungen auf das Recyclen verzichten. So schreibt der Kanton Aargau als Empfehlung für die Kehrichtsammlung der Gemeinden: «In Haushalten, in denen erkrankte oder unter Quarantäne stehende Personen leben, soll zudem auf die Abfalltrennung verzichtet werden, das heisst, auch die ansonsten separat gesammelten Abfälle wie PET-Getränkeflaschen, Aludosen, Altpapier etc. sollen mit dem normalen Kehricht entsorgt werden.» So könne eine Infektionsgefahr ausgeschlossen werden. Wer infiziert sei, soll auch seinen Güsel nicht mehr zur Sammelstelle bringen, sondern vorerst lagern, schreibt die Gemeinde Emmen.

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