Aktualisiert 23.08.2005 14:58

Littering: Bussen nützen wenig

Bussen für Abfallsünder im öffentlichen Raum wirken wenig, wie eine Littering-Studie der Uni Basel zeigt.

Akzeptiert würden eine Kostenbeteiligung für Takeaway-Läden und auch Pfand-Verpackungen.

Trotz Mistkübeln wächst der Abfallberg in den Strassen weiter; gut die Hälfte sind achtlos weggeworfene Verpflegungsverpackungen. Die Littering-Studie, welche die Uni Basel im Auftrag des Kantons Basel-Stadt durchführte, nahm sechs Schweizer Städte unter die Lupe: Basel, Bern, Zürich, Lausanne, Illnau-Effretikon und Sursee.

Gezielte Beobachtungen des Abfallverhaltens waren ernüchternd: Innert 60 Stunden wurden nur gerade 14 Personen beim Littering in flagranti erwischt. Daraus schliessen die Forscher, dass angedrohte Bussen trotz Signalwirkung und theoretischer Abschreckung «in der Praxis nur teilweise zur Lösung des Problems beitragen».

Verursacherprinzip unterlaufen

Eine ergänzende Umfrage zeigte hohe Akzeptanz für Massnahmen gegen Littering, das die meisten Menschen in den Städten klar störe. So sind 86 Prozent der 1687 Befragten für eine Verpflichtung zu Mehrweggebinden bei Grossanlässen auf Allmend. Einschlägige Tests in Basel und Bern seien bereits erfolgversprechend verlaufen.

Gut drei Viertel der Befragten befürworten ein Pfand für Halbliter-Getränkeflaschen und -Dosen; darauf entfallen 17 Prozent der Littering-Volumina. Diese Gebinde müssten aber an jedem Verkaufspunkt zurück gegeben werden können. Das BUWAL zögere da leider, hiess es, obwohl das in Deutschland und Skandinavien wirke.

65 Prozent der Befragten sprachen sich dafür aus, die Anbieter von Takeaway-Verpflegung an den Kosten von Reinigung und Entsorgung öffentlicher Strassen und Grünanlagen zu beteiligen. Heute würden Steuerzahler die Takeaways zwangssubventionieren, hiess es. Basel arbeitet zusammen mit anderen Städten an einer Rechtsgrundlage.

Schweiz Sonderfall mit Gratiszeitungen

Vergleichsweise tiefe 58 Prozent der Befragten unterstützen Bussen als Strafe für Littering-Sünder. Weil solche aber kaum zu erwischen sind, stehen Bussen nicht im empfohlenen Massnahmenpaket. Dieses enthält dafür zielgruppenspezifische Informationskampagnen.

Die Littering-Studie basierte im Übrigen auf Untersuchungen in Barcelona, Prag, Brüssel, Frankfurt und Wien. Die Schweizer Ergebnisse - die keinen Littering-Röstigraben zeigten - fielen weitgehend vergleichbar aus - mit einer Ausnahme: Der Anteil von Gratiszeitungen sei hierzulande mit Abstand am höchsten.

(sda)

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