Aktualisiert 27.06.2011 22:43

Kinder-MisswahlenLittle Miss Schönheitswahn

In den USA werden kleine Mädchen schon im Primarschulalter auf Schönheitsköniginnen getrimmt. Was überambitionierte Eltern für bereichernd halten, ist für die Kinder nur ein Albtraum.

von
bbe

«Toddlers and Tiaras» ist ein amerikanischer Fernseh-Schocker, der unter die Haut geht: In der Reality-Doku, die Mütter und ihre Töchter im Primarschulalter zu Schönheitskonkurrenzen begleitet, kam nicht nur den Zuschauern das Augenwasser.

Chloes Brauen-Albtraum

Auch der neunjährigen Chloe kullerten Tränen über die Pausbäckchen. Ihre Mutter Jamie malträtiert die Augenbrauen der Schülerin gerade mit Wachsstreifen. Sie müsse ihre Tochter für den Wettbewerb in Oklahoma noch verschönern. Mit den perfekten Brauen habe Chloe bessere Chancen auf den Sieg. Und die Tochter? Die verzieht schmerzverzerrt das Gesicht. Mama Jamie juckts nicht: «Ein bisschen Schmerz für eine bessere Platzierung? Sie könnte das den ganzen Tag ertragen», flötet die Texanerin in die Kamera.

Quelle: YouTube

Schliesslich hat das Töchterchen sonst nicht viel, mit dem sie punkten könnte: Die Haare sind zu mausgrau, die Zahnlücken zu breit und die Augen zu dunkel. «Das fällt nicht so auf wie schöne rote oder blonde Haare und blaue Augen.» Die Prozedur, in der ein kleines Mädchen zum puppenhaften Schönheitsideal wird, dauert Stunden. Das Resultat: verstörend.

Aber Chloe ist kein Einzelfall: Der US-Blog «Super Booyah» hat die schrecklichsten Bilder von kindlichen Schönheitsköniginnen zusammen gestellt. Hinter den teilweise erschreckenden Bildern steht ein Riesengeschäft. Die «Child Beauty Pageant»-Industrie setzt jährlich dank rund 25 000 Wettbewerben etwa eine Milliarde Dollar um.

Falsche Zähne, falsche Haare

Der Spuk begann bereits 1921 in einem Hotel in Atlantic City, in den 60er Jahren professionalisierte sich das Geschäft um die «Little Miss America». Zu Gewinnen gibts elektronische Geräte, Stipendien, Bargeld, Krönchen oder Kleider. Die Mittel zum Sieg sind mannigfaltig: So bekommen die Kinder schon mal falsche Zähne in den Mund geschoben, falsche Haare an den Kopf geknotet und auch eine gesunde Bräune wird ausgesprüht. Maniküre und Make-up sind selbstverständlich.

Die Eltern meinen es natürlich nur gut mit ihren Kleinen: Laut einer US-Studie geben die Erziehungsberechtigten an, sie würden mit der Teilnahme am Wettbewerb lediglich das Selbstbewusstsein ihres Nachwuchses fördern wollen. Das sexualisierte Schema aus geschminktem Schmollmund und langen Wimpern wollen die meisten nicht wahrhaben.

Mord lässt Branche erbeben

Auch nicht nach dem grausamen Mord an JonBenét Ramsey 1996. Die Schönheitskönigin wurde im Keller ihres Elternhauses umgebracht, Videos von Show-Auftritten der damals Sechsjährigen bezeichneten Kritiker als «Kinderpornographie».

Trotz aller Kritik: Das Geschäft mit dem aufgemotzten Kindchenschema boomt, das Spiel mit der erwachsenen Sexyness im Strampler funktioniert. Und von der US-Erfolgsdoku «Toddlers and Tiaras» läuft bereits die dritte Staffel.

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