07.04.2020 07:28

Trauer in der Corona-Krise

«Livestream ersetzt Trauerfeier nicht»

Bestattungen können wegen der Corona-Krise nicht mehr wie früher durchgeführt werden. Auch die neue Technik sei da nur eine Krücke, sagt ein Pfarrer.

von
mme
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Das Kloster Engelberg hat kürzlich einen Gottesdienst übertragen.

Das Kloster Engelberg hat kürzlich einen Gottesdienst übertragen.

Keystone/Alexandra wey
Auch in Deutschland wird in den Kirchen neuerdings Technik eingesetzt, um trotz Corona-Krise Gottesdienste abzuhalten, an denen keine Gemeinde in der Kirche sein kann.

Auch in Deutschland wird in den Kirchen neuerdings Technik eingesetzt, um trotz Corona-Krise Gottesdienste abzuhalten, an denen keine Gemeinde in der Kirche sein kann.

Patrick Seeger
Auch Bestattungen werden gestreamt.

Auch Bestattungen werden gestreamt.

Hendrik Schmidt

Beerdigungen dürfen derzeit nur noch «im engen Familienkreis» stattfinden, schreibt das Bundesamt für Gesundheit vor. Die Trauerfeiern finden deshalb zum Teil in neuen Formen statt; so wurden etwa im Wallis Bestattungen schon im Livestream übertragen. Die Bestatter seien dem Livestream gegenüber offen, sagte Ursula Stalder vom Schweizerischen Verband der Bestattungsdienste gegenüber nau.ch; in Absprache mit der Kirche und dem Pfarrer sei eine solche Live-Übertragung gut durchführbar. Auch viele Gottesdienste werden zurzeit live gestreamt.

Viele Beisetzungen werden verschoben

«Wie würdig Abschied nehmen, wenn keine Trauerfeier möglich ist?» Mit dieser Frage beschäftigten sich etwa die Kirchen der Stadt Luzern, wie sie in einer gemeinsamen Mitteilung vom Freitag schreiben.

Auf Anfrage meint der reformierte Pfarrer Markus Sahli, dass Livestreams von Bestattungen in diesen schwierigen Zeiten durchaus eine probates Mittel sein können. «Wir müssen jetzt kreativ sein.» Aber er sagt auch: «Persönliche Nähe und Anwesenheit ist zur Trauerbewältigung ganz wichtig. Deshalb sind Streams zwar ein Notbehelf, sie können aber einen normalen Trauergottesdienst nicht ersetzen.» Wenn wie in einer Trauersituation Gefühle im Spiel seien, dann würden Worte eine Rolle spielen, auch Augenkontakt. Dies sei virtuell möglich. Aber: «Auch Berührungen spielen dabei eine wichtige Rolle. Und das fehlt dann natürlich.»

Weil die Abstand- und Hygiene-Regeln auch bei Beerdigungen im engen Familienkreis gelten, müssen Angehörige und Freunde von Verstorbenen bei Trauerfeiern derzeit weit auseinander stehen. «Seelsorgerisch ist das eine grosse Schwierigkeit. Aber es geht nun mal nicht anders», sagt Pfarrer Sahli weiter.

Gemäss Pascal Vincent, Leiter Friedhof der Stadt Luzern, nehmen derzeit noch zehn bis maximal zwanzig Personen an Bestattungen teil. Wenn sie überhaupt stattfinden: «25 Prozent der Beisetzungen werden auf einen Zeitpunkt nach der Corona-Krise verschoben.»

Der katholische Pfarrer Adrian Suter findet das nicht ideal: «Die Beisetzung ist ein wichtiger Teil des Trauerprozesses. Sie ermöglicht den Angehörigen, die erste Trauerphase abzuschliessen, den Verlust ein Stück weit zu realisieren, und sie ist ein erster Schritt zurück in den Alltag. Trauer kann nicht einfach so verschoben werden. »

Kirche rät, mit der Beisetzung nicht zu warten

Die Luzerner Kirchen würden deshalb Angehörigen empfehlen, die Beisetzung im engeren Familienkreis nicht zu verschieben, «sondern zeitnah durchzuführen». Natürlich gelten auch bei Bestattungen die Hygiene- und Abstand-Regeln des Bundesamtes für Gesundheit, mahnt die Kirche zudem.

Auch an Personen, die nicht an Bestattungen teilnehmen können, weil da sonst zu viele Menschen beisammen wären, denkt die Kirche. Man erarbeite derzeit schriftliche Unterlagen für Betroffene. «Es sind Hilfen für individuelle und persönliche Abschiedsfeiern zu Hause, alleine oder im kleinen Kreis, sowie Gebets- und Segenstexte als Wegbegleiter durch die Zeit der Trauer.»

Sollte bei den Angehörigen zu einem späteren Zeitpunkt das Bedürfnis nach einer öffentlichen Gedenkfeier in der Kirche entstehen, sei dies aber auch möglich. «Im Zentrum stehen dann der Dank, die Würdigung des Lebens der verstorbenen Person und das Zusammenkommen mit Bekannten und Freunden.»

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