Ukraine-Krieg: Putin erkennt Gebiete Cherson und Saporischschja als unabhängig an

Krieg in der UkrainePutin erkennt Gebiete Cherson und Saporischschja als unabhängig an

Seit mehreren Monaten herrscht in der Ukraine Krieg. 20 Minuten informiert im Ticker über die neusten Entwicklungen.

von
Newsdesk
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27. September
27. September

Experten gehen davon aus, dass Sprengungen zu den Lecks in den Nord-Stream-Pipelines geführt haben.

REUTERS
27. September
27. September

Eine Frau bei der Stimmabgabe in einem von Russland besetzten ukrainischen Gebiet.

Imago
25. September
25. September

Viele Russen wollen weiter nach Finnland einreisen.

Lehtikuva/Sasu Makinen via REUTERS

Das Wichtigste im Überblick:

  • Seit dem 24. Februar führt die russische Armee einen Angriffskrieg gegen die Ukraine.

  • Etwa 14 Millionen Menschen sind innerhalb des Landes oder ins Ausland geflohen. Vor dem Krieg hatte die Ukraine etwa 42 Millionen Einwohner.

  • Die russischen Streitkräfte kommen nur langsam voran und werden in einzelnen Gebieten bereits wieder von der ukrainischen Armee zurückgedrängt. Diese hat ihre Bestände durch Waffenlieferungen aus den USA und Europa seit Beginn des Krieges aufgestockt.

  • Etwa 1,4 Milliarden Menschen könnten von Nahrungsmittelknappheit betroffen sein, da derzeit nur wenige ukrainische Getreideexporte und russische Düngerlieferungen das Land verlassen können.

Die Situation an der Front

Deine Meinung

Freitag, 30.09.2022
02:35

Russischer Oligarch in den USA angeklagt

Die US-Justiz hat den russischen Oligarchen und Vertrauten von Staatschef Wladimir Putin, Oleg Deripaska, wegen Verletzung von US-Sanktionen angeklagt. Wie das US-Justizministerium am Donnerstag mitteilte, wird dem 52-jährigen Aluminium-Milliardär vorgeworfen, er habe seinen beiden Kindern unter Umgehung der Sanktionen die US-Staatsbürgerschaft beschaffen wollen.

Der russische Oligarch Oleg Deripaska. (Archivbild)

Der russische Oligarch Oleg Deripaska. (Archivbild)

AFP

Die Anklage richtet sich demnach auch gegen seine Freundin sowie zwei Helferinnen. Laut Anklage versuchten sie, Deripaskas Freundin Ekaterina Olegovna Voronina die Einreise in die USA zu ermöglichen, damit sie dort die gemeinsamen Kinder zur Welt bringen könne. Im Jahr 2000 sei dies geglückt, 2022 sei der schwangeren Frau jedoch die Einreise verwehrt worden.

Die US-Behörden hatten Deripaska wegen seiner Nähe zu Putin 2018 mit Sanktionen belegt. Der Oligarch habe «mit Lügen und Betrügereien» versucht, die Sanktionen zu umgehen, sagte Lisa Monaco, die Nummer zwei des Justizministeriums. Obwohl er die russische Führung unterstütze, habe er «hunderttausende Dollar» investiert, damit sein Kind die US-Staatsbürgerschaft bekomme und vom US-Gesundheitssystem profitiere, hiess es in der Mitteilung des Ministeriums.

Ene Juni hatte Deripaska bei einer Pressekonferenz in Moskau den Ukraine-Krieg als «kolossalen Fehler» bezeichnet. Der Gründer des Aluminiumkonzerns Rusal verwendete zudem die Bezeichnung «Krieg», was die russische Führung verboten hat. (AFP)

22:06

Putin erkennt Gebiete Cherson und Saporischschja als unabhängig an

Der russische Präsident Wladimir Putin hat in einem weiteren völkerrechtswidrigen Akt die besetzten ukrainischen Gebiete Cherson und Saporischschja als unabhängige Staaten anerkannt. Die entsprechenden Dekrete des Kremlchefs wurden in der Nacht zum Freitag in Moskau veröffentlicht. Die Dekrete gelten gemäss dem international kritisierten Vorgehen Moskaus als Voraussetzung dafür, dass die Regionen an diesem Freitag ihre Aufnahme in die Russische Föderation beantragen können. In Scheinreferenden hatten die Gebiete zuvor über einen Beitritt zu Russland abstimmen lassen.

Am 21. Februar hatte Putin bereits die Unabhängigkeit der ukrainischen Regionen Luhansk und Donezk, die sich «Volksrepubliken» nennen, anerkannt. Alle vier Gebiete beantragen den Beitritt zu Russland, den Putin an diesem Freitag bei einem Festakt im Kreml formalisieren will. Die Annexionen werden international nicht anerkannt, sie gelten als Bruch des Völkerrechts, den die Ukraine nicht hinnehmen will.

Die ukrainische Führung hat vom Westen weitere schwere Waffen gefordert, um ihre Gebiete zu befreien. Putin hatte bereits betont, dass die Regionen künftig unter dem Schutz der Atommacht Russland stünden. Ein Angriff auf die Territorien werde wie eine Attacke gegen Russland gewertet. Das Land werde alle verfügbaren Mittel einsetzen, um sich zu verteidigen, hatte Putin gesagt.

Russlands Vorgehen wird international als Verbrechen gegen die territoriale Unversehrtheit der Ukraine angesehen. Kein Staat erkennt das an. (DPA)

Donnerstag, 29.09.2022
20:35

USA wollen Annexion ukrainischer Gebiete nicht anerkennen

Die Vereinigten Staaten haben die von Russland geplante Annexion ukrainischer Gebiete scharf verurteilt. Washington werde einen solchen Schritt niemals anerkennen, teilte US-Aussenminister Antony Blinken am Donnerstag mit. Die inszenierten Referenden in den vier Regionen seien lediglich ein weiterer Versuch eines Landraubs.

US-Aussenminister Antony Blinken teilte am Donnerstag mit, Washington werde die geplante russische Annexion ukrainischer Gebiete nie anerkennen.

US-Aussenminister Antony Blinken teilte am Donnerstag mit, Washington werde die geplante russische Annexion ukrainischer Gebiete nie anerkennen.

REUTERS

Die Abstimmungen in Donezk, Luhansk, Cherson und Saporischschja spiegelten nicht den Willen des Volkes wider und seien nur ein illegitimes Spektakel, das von russischen Stellvertretern unter Verletzung des Völkerrechts aufgeführt werde, erklärte Blinken. Er bezeichnete die Referenden über einen Anschluss an Russland als einen Affront gegen die Grundsätze des internationalen Friedens und der Sicherheit. Der Minister warf Moskau vor, ukrainische Bürger mit vorgehaltener Waffe zur Stimmabgabe gezwungen zu haben. Er bekräftigte die Zusage von US-Präsident Joe Biden, die USA würden die Ukraine so lange wie nötig unterstützen. (DPA)

18:49

Ex-Boxchampion Nikolai Walujew möchte in den Krieg ziehen

Der frühere russische Box-Champion und Duma Abgeordnete Nikolai Walujew zieht in Betracht, in den Krieg gegen die Ukraine zu ziehen, wie die «Bild» berichtet. Nach dem Erhalt des Einberufungsschreibens wolle er sich «natürlich» beim Rekrutierungsbüro melden, so der Ex-Boxer.

Im russischen Parlament gehört Walujew der Partei «Einiges Russland» an. Als Abgeordneter müsste er nicht in den Krieg ziehen, denn Parlamentsmitglieder sind von der Mobilmachung nicht betroffen.

Nikolai Walujew (49) war ehemals Box-Profi – nun sagt er, er ziehe möglicherweise gegen die Ukraine in den Krieg.

Nikolai Walujew (49) war ehemals Box-Profi – nun sagt er, er ziehe möglicherweise gegen die Ukraine in den Krieg.

imago images/ZUMA Wire

Auf Telegram schrieb der 2,13 Meter grosse Walujew jedoch patriotisch: «Wenn das Vaterland ruft, gehe ich» und postete dazu das Einberufungsschreiben. (bre)

11:23

Finnland schliesst Grenze für russische Touristen

Finnland schliesst seine Grenze für russische Touristen. Deutlich verschärfte Visa-Regeln für Reisende aus Russland treten um Mitternacht in der Nacht zum Freitag in Kraft, wie der finnische Aussenminister Pekka Haavisto am Donnerstag auf einer Pressekonferenz in Helsinki ankündigte. Die Ereignisse rund um die Lecks in den Nord-Stream-Gasleitungen in der Ostsee und die Scheinreferenden in der Ukraine hätten den Beschluss der Regierung beschleunigt, sagte Haavisto.

Es handelt sich nach Angaben des finnischen Rundfunksenders Yle nicht um einen kompletten Einreisestopp. Ausnahmen sollen gelten, damit Russen weiterhin nach Finnland kommen können, etwa um enge Familienmitglieder zu treffen, zu arbeiten oder sich medizinisch versorgen zu lassen. Der grosse Unterschied werde nun aber sein, dass Russen nicht mehr zu touristischen Zwecken nach Finnland – und von dort weiter in andere Schengenländer – reisen können. Nach Informationen der finnischen Nachrichtenagentur STT zufolge dürfte dies die Anzahl der ankommenden Russen an der Grenze um 30 bis 50 Prozent verringern.

IMAGO/SNA

Finnland hat eine rund 1340 Kilometer lange Grenze zu Russland und damit die mit Abstand längste aller EU-Länder. Russlands andere EU-Nachbarn Estland, Lettland, Litauen und Polen hatten die Einreise für Menschen aus dem Riesenreich schon am 19. September beschränkt. Seitdem dürfen russische Staatsbürger mit einem Schengenvisum für touristische Aufenthalte, Geschäftsreisen, Sport- und Kulturveranstaltungen nicht mehr in die Länder einreisen. Die Visa-Frage war seit dem Sommer auch in Finnland intensiv diskutiert worden. Das nördlichste EU-Land hatte bereits bestimmte Massnahmen eingeführt, um es Russen zu erschweren, Visa zu erhalten. (DPA)

10:09

Russland will ukrainische Gebiete am Freitag annektieren

Wie die russische Nachrichtenagentur «Ria Novosti» berichtet, findet am Freitag im Kreml die Unterzeichnung der Verträge über den Beitritt von eroberten ukrainischen Gebieten zu Russland statt. Nebst Präsident Wladimir Putin werde demnach auch sein Pressesprecher Dmitri Peskow teilnehmen. Bei vom Westen als Schein-Abstimmungen kritisierten «Referenden» in diesen Regionen sollen sich nach Angaben der dortigen Separatisten überwältigende Mehrheiten für die Annexion ausgesprochen haben. Keines der betroffenen Gebiete ist vollständig von den russischen Invasoren besetzt.

Auf dem roten Platz in Moskau stehen bereits Tribünen bereit.

Auf dem roten Platz in Moskau stehen bereits Tribünen bereit.

Reuters

«Morgen um 15 Uhr findet im grossen Kreml-Palast eine Zeremonie zur Unterzeichnung der Verträge statt», so Peskow. Eine Rede von Wladimir Putin vor der Bundesversammlung sei für einen späteren Zeitpunkt geplant.

Die mehrtägigen «Referenden» in den ostukrainischen Regionen Luhansk und Donezk sowie in den südukrainischen Regionen Saporischschja und Cherson waren am Dienstag zu Ende gegangen, am Mittwoch baten dann die Anführer der dortigen Separatisten formell Putin um die Annexion. Die Separatisten-Chefs trafen inzwischen für den Vollzug der Annexion in Moskau ein, wie russische Nachrichtenagenturen meldeten. Die Abstimmungen, deren positive Resultate mit hoher Wahrscheinlichkeit erzwungen worden waren, sollen am Wochenende auch in Moskau gefeiert werden.

09:47

Treffen des UNO-Sicherheitsrats wegen Pipeline-Leck am Freitag

Wegen der Lecks an den Nord-Stream-Pipelines beschuldigen viele Russland der Sabotage. Kreml-Sprecher Dmitri Peskow sagte jedoch, es sei «dumm und absurd» zu vermuten, dass Russland hinter den Lecks stecke. Die Lecks seien für Moskau «ziemlich problematisch». Deshalb habe die russische Generalstaatsanwaltschaft eigenen Angaben zufolge wegen Verdachts des internationalen Terrorismus Ermittlungen eingeleitet, wie der «Spiegel» schreibt.

Auf Aufforderung von Moskau wird sich am Freitag der UN-Sicherheitsrat mit Nord Stream befassen, wie das schwedische Aussenministerium mitteilte.

Nach Bekanntwerden der Lecks kündigte die Betreiberfirma Nord Stream eine Untersuchung an, um die Schäden festzustellen und die Ursachen des Vorfalls zu klären. Aus Dänemark hiess es, dass bereits mehr als die Hälfte des Gases in den Pipelines ausgetreten sei. «Wir erwarten, dass der Rest bis Sonntag entweicht», sagte der Leiter der dänischen Energieagentur, Kristoffer Bottzauw an einer Pressekonferenz. (AFP/smk)

08:00

Finnland will Grenze für Russen schliessen

Wie finnische Medien übereinstimmend berichten, schliesst das Land heute Nacht die Grenze für Russen. Die finnische Regierung soll demnach am Donnerstagmittag über weitere Details entscheiden.

Für Touristen gelte diese Regelung nicht, wie die finnische Zeitung «HS» schreibt. Von der neuen Regelung werden nur jene russischen Männer betroffen sein, die aktuell versuchen, vor Putins Mobilmachung zu fliehen. An stark frequentierten Tagen herrscht zurzeit der doppelte Grenzverkehr. Durch die neue Regelung könnte demnach die Zahl der Einreisenden um die Hälfte zurückgehen. (fos)

AFP
04:39

Proteste gegen russische Migranten an georgischer Grenze

Nach der Generalmobilmachung versuchen viele Russen, das Land so schnell wie möglich zu verlassen. Ein beliebtes Ziel ist Georgien – seit Anfang der Woche zeigen Bilder von russisch-georgischen Grenzübergängen lange Menschenschlangen, der russische Geheimdienst soll bereits Panzer an die Grenze entsendet haben. Wie das Medienprojekt «Nexta» auf Twitter schreibt, kommt es nun offenbar auch zu Protesten gegen die russische Zuwanderung.

So hält eine Gruppe von Demonstrierenden ein Plakat in die Höhe, auf dem steht: «Russische Deserteure, ihr seid hier nicht willkommen», auch Ukraine-Flaggen sind zu sehen. Zwei weitere Demonstranten prangern mit ihren Schildern die russische Bevölkerung an. «Diktatoren tun, was das Volk will, und gehirngewaschene Menschen sind das Resultat der Untätigkeit der russischen Bevölkerung». Auf dem anderen Transparent steht «Laut Umfragen unterstützen die meisten Russen den Krieg. Warum also läuft ihr dann vor ihm weg?». Laut der Nachrichtenagentur AFP haben seit Bekanntgabe der Mobilisierung schon rund 66'000 Russen das Land verlassen. (bho)

Mittwoch, 28.09.2022
21:33

Erdogan will mit Putin über Scheinreferenden sprechen

Der türkische Präsident Recep Tayyip Erdogan will mit dem russischen Präsidenten Wladimir Putin über die Scheinreferenden in den russisch besetzten Gebieten in der Ukraine sprechen. Der ukrainische Präsident Wolodimir Selenski fordere die Unterstützung der Türkei für die betroffenen Regionen und «dass wir Putin überzeugen», sagte Erdogan am Mittwochabend. Am Donnerstag werde er das mit dem Kremlchef diskutieren.

Zu den Referenden sagte Erdogan: «Ich wünschte, sie würden kein Referendum abhalten, und wir könnten dieses Problem stattdessen durch Diplomatie lösen.»

Die Scheinreferenden über einen Beitritt besetzter Regionen in der Süd- und Ostukraine zu Russland werden weltweit nicht anerkannt. Der Grund dafür ist, dass sie unter Verletzung ukrainischer und internationaler Gesetze sowie ohne demokratische Mindeststandards abgehalten wurden.

Die Türkei ist Mitglied der Nato und pflegt mit der Ukraine gute Beziehungen, gilt aber auch als enge Partnerin Russlands. (dpa)

21:28

Selenski dankt Erdogan und Biden und ruft Russen zur Flucht auf

Der ukrainische Präsident Wolodimir Selenski hat Deutschland um weitere Waffenlieferungen an Kiew und die Verschärfung des geplanten achten EU-Sanktionspakets gegen Moskau gebeten. «Zum Thema Verteidigung habe ich unsere Erwartung an ein Raketenabwehrsystem aus Deutschland unterstrichen – vielen Dank für Ihre Hilfsbereitschaft bei der Luftverteidigung», sagte Selenski am Mittwoch in seiner täglichen Videoansprache nach einem Telefonat mit Bundeskanzler Olaf Scholz (SPD). Beim Gespräch sei auch das neue Sanktionspaket der EU erörtert worden. «Stand heute gibt es zum achten Sanktionspaket noch etwas hinzuzufügen», forderte er.

Neben dem Scholz-Telefonat, bei dem laut Selenski auch die mutmassliche Sabotage an der Pipeline Nord Stream besprochen wurde, berichtete der ukrainische Präsident über weitere Gespräche – und bedankte sich in erster Linie beim türkischen Präsidenten Recep Tayyip Erdogan für dessen Vermittlung beim Gefangenenaustausch und die Militärkooperation. Bei US-Präsident Joe Biden bedankte er sich für die neuen Militärhilfen über 1,1 Milliarden Dollar.

Die Ukraine werde sich trotz der Scheinreferenden in den von Russland besetzten Regionen nicht mit Gebietsverlusten abfinden und ihr Territorium zurückerobern. Die russischen Soldaten forderte er einmal mehr auf Russisch dazu auf, zu fliehen – oder sich zu ergeben. Nur so könnten sie ihr Leben retten, sagte der 44-Jährige. (dpa)

17:40

Russland leitet Verfahren ein

Die russische Generalstaatsanwaltschaft hat nach eigenen Angaben wegen der mutmasslichen Sabotage an den Pipelines Nord Stream 1 und 2 ein Verfahren wegen internationalen Terrorismus eingeleitet. «Nicht später als am 26.09.2022 wurden im Bereich der Insel Bornholm vorsätzliche Handlungen zur Beschädigung der auf dem Ostseeboden verlegten Gasleitungen Nord Stream 1 und Nord Stream 2 verübt», teilte die russische Generalstaatsanwaltschaft am Mittwoch auf ihrem Telegram-Kanal mit.

Moskau begründete den Schritt damit, dass mit der Beschädigung der Pipelines «Russland erheblicher wirtschaftlicher Schaden zugefügt» worden sei. Gazprom hat bis Ende August durch die Pipeline Nord Stream 1 Gas nach Europa gepumpt, diese Lieferungen dann aber unter Verweis auf technische Probleme, die sich wegen Sanktionen angeblich nicht lösen liessen, eingestellt. Die Bundesregierung nannte die Begründung vorgeschoben und vermutete politische Beweggründe hinter dem Lieferstopp. (DPA)

16:59

Grenzübergang nach Georgien erschwert

Angesichts der vielen flüchtenden Kriegsdienstverweigerer hat die an Georgien grenzende russische Teilrepublik Nordossetien im Kaukasus Einreisebeschränkungen verhängt. Per Dekret habe er die Durchfahrt von Autos aus anderen russischen Regionen in Richtung Georgien erschwert, schrieb der Republikchef Sergej Menjajlo am Mittwoch auf Telegram.

REUTERS

«Allein in den letzten zwei Tagen sind mehr als 20'000 Menschen über unseren Grenzabschnitt nach Georgien gereist!», so Menjajlo. «Wir werden einfach physisch nicht in der Lage sein, Ordnung und Sicherheit zu gewährleisten, wenn dieser Strom weiter zunimmt.» (DPA)

16:04

Sprengung mit Unterwasser-Drohne

Der mutmassliche russische Sabotageanschlag auf die Nord-Stream-Gaspipelines wurde laut einer Quelle aus britischen Verteidigungskreisen, «wahrscheinlich vorsätzlich und geplant» durchgeführt. Dem Insider zufolge soll eine russische Unterwasser-Drohne mit einer Sprengladung bereits Wochen vor der Explosion ins Meer geworfen worden sein. Das sei einem Bericht der britischen Zeitung «The Times» zufolge das wahrscheinlichste Szenario.

AFP

Die Inspektion der Lecks an den Ostsee-Pipelines Nord Stream 1 und 2 wird nach Angaben der dänischen Regierung voraussichtlich erst in ein bis zwei Wochen möglich sein. Der dänische Verteidigungsminister Morten Bodskov verwies am Mittwoch auf den derzeit in den Leitungen herrschenden Druck und die Menge des austretenden Gases als Hindernisse für die Inspektion. (DPA/kle)

13:22

US-Botschaft warnt Doppel-Staatsbürger in Russland wegen Mobilmachung

Die US-Botschaft in Moskau hat über Nacht eine Sicherheitswarnung herausgegeben, in der US-Bürger aufgefordert werden, Russland sofort zu verlassen, solange dies noch möglich ist, wie CNN berichtet.

Die Warnung ist als Reaktion auf die russische Teilmobilmachung zu sehen. «Russland kann sich weigern, die US-Staatsbürgerschaft von Doppelbürgern anzuerkennen, ihnen den Zugang zu konsularischer Unterstützung der USA verweigern, ihre Ausreise aus Russland verhindern und Doppelbürger zum Militärdienst einberufen», heisst es.

Die amerikanischen Behörden haben am Dienstag eine deutliche Warnung an die in Russland lebenden US-Bürger ausgesprochen.

Die amerikanischen Behörden haben am Dienstag eine deutliche Warnung an die in Russland lebenden US-Bürger ausgesprochen.

REUTERS

In der Warnung werden die US-Bürger aufgefordert, «alle politischen oder sozialen Proteste zu meiden und das Sicherheitspersonal bei diesen Veranstaltungen nicht zu fotografieren». Zudem wird betont, dass das Recht auf friedliche Versammlung und freie Meinungsäusserung in Russland nicht gewährleistet sei. (bre)

10:00

Separatisten-Chefs in Luhansk und Cherson bitten Putin um Annexion

Die Anführer der Separatisten in den ukrainischen Regionen Luhansk und Cherson haben Kreml-Chef Wladimir Putin um die Annexion dieser Regionen durch Russland gebeten. «(...) ich bitte Sie, die Frage eines Anschlusses der Volksrepublik Luhansk an Russland als Mitglied der Russischen Föderation zu prüfen», erklärte der Separatisten-Anführer in Luhansk, Leonid Pasetschnik, am Mittwoch in einer im Onlinedienst Telegram veröffentlichten Botschaft. Ähnlich äusserte sich der Separatisten-Chef in Cherson, Wladimir Saldo, nach dem Abschluss der «Referenden» in russisch besetzten Gebieten der Ukraine.

Der russische Präsident Wladimir Putin will sich am Freitag in einer Rede im Parlament zu den Scheinreferenden äussern. Der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenski sagte am Dienstag in einer Videoschaltung im Weltsicherheitsrat, in der modernen Welt sei jede Annexion «ein Verbrechen, ein Verbrechen gegen alle Staaten, die die Unverletzlichkeit der Grenze als lebensnotwendig für sich selbst erachten».

Erste von der russischen Besatzung installierte Statthalter bitten um Aufnahme in die Russische Föderation.

Erste von der russischen Besatzung installierte Statthalter bitten um Aufnahme in die Russische Föderation.

REUTERS

Die Abstimmungen fanden in vier russisch besetzten Regionen von Freitag bis Dienstag in einer Phase des Krieges statt, in der die ukrainischen Streitkräfte bei einer Offensive Geländegewinne gemacht haben. Der Kreml reagierte mit einer Teilmobilisierung, um mehr Soldaten in den Kampf werfen zu können und der Drohung, Atomwaffen einzusetzen. (AFP/DPA)

08:07

EU erkennt Ergebnis russischer Scheinreferenden nicht an

Die Europäische Union erkennt den Ausgang der von Russland organisierten Scheinreferenden über die Annexion ukrainischer Gebiete nicht an. «Die EU verurteilt die Abhaltung illegaler «Referenden» und deren gefälschte Ergebnisse», schrieb der EU-Aussenbeauftragte Josep Borrell am Mittwoch auf Twitter. «Das ist eine weitere Verletzung der Souveränität und der territorialen Integrität der Ukraine, die mit systematischen Menschenrechtsverletzungen einhergeht.» Borrell lobte den Mut der Ukrainer, die sich weiterhin der russischen Invasion widersetzten.

Auch EU-Ratspräsident Charles Michel verurteilte die Scheinreferenden und deren Ausgang. «Gefälschte Referenden. Gefälschte Ergebnisse. Wir erkennen weder das eine noch das andere an», schrieb er auf Twitter.

Am Dienstag hatten die von Moskau eingesetzten Besatzungsverwaltungen in den Gebieten Donezk, Luhansk, Saporischschja und Cherson nach den als Völkerrechtsbruch kritisierten Urnengängen von grosser Zustimmung für einen Beitritt zu Russland gesprochen. Die Scheinreferenden, die seit vergangenem Freitag unter grossem internationalen Protest insgesamt fünf Tage lang abgehalten worden waren, werden weltweit nicht anerkannt, weil sie unter Verletzung ukrainischer und internationaler Gesetze sowie ohne demokratische Mindeststandards abgehalten wurden. (DPA)

Russische Armee schickt ahnungslose Rekruten an die Front

Wie aus einer Analyse des «Institute for the Study of War» (ISW) hervorgeht, schickt die russische Armee kampfunerprobte Rekruten an die Front. Ein einberufener Soldat, der dem 1. Panzerregiment angehört, hat in einem Video gesagt, dass er ab Donnerstag ohne Ausbildung in der Region Cherson kämpfen soll, wie der «Focus» schreibt.

Stark dezimierte Truppen, die vor allem in der Region Charkiw und Cherson im Einsatz sind, werden mit unerfahrenen Kämpfern aufgefüllt, so das «ISW». In den letzten Tagen wurden immer wieder Stimmen laut, die sagten, dass Putin die unerfahrenen Rekruten als «Kanonenfutter» verheizte, wenn er sie unvorbereitet an die Front schickt. (fos)

02:30

Keine Verhandlungen mit Putin

In seiner Rede vor dem Weltsicherheitsrat hielt der ukrainische Präsident Wolodimir Selenski Verhandlungen mit Kremlchef Putin bei einer Annexion von russisch besetzten Gebieten in seinem Land für ausgeschlossen. Solange Putin der russische Präsident sei, gäbe es in einem solchen Fall nichts zu bereden, sagte Selenski per Video aus Kiew. Erneut forderte er die «komplette Isolation» Russlands und harte neue Sanktionen gegen das Land.

Wolodimir Selenski wandte sich in einer Rede an den Weltsicherheitsrat. (27. September 2022)

Wolodimir Selenski wandte sich in einer Rede an den Weltsicherheitsrat. (27. September 2022)

AFP

«Jegliche Annexion in der modernen Welt ist ein Verbrechen, ein Verbrechen gegen alle Staaten, die die Unantastbarkeit von Grenzen als wichtig für sich betrachten», sagte Selenski. Er warf Russland auch vor, das «Hauptgremium des Völkerrechts» zu zerstören. Auf jegliche Gesprächsvorschläge reagiere es «mit neuer Brutalität auf dem Schlachtfeld, mit noch grösseren Krisen und Drohungen gegen die Ukraine und die Welt».

Die russische Anerkennung dieser Scheinreferenden, die Umsetzung des sogenannten Krim-Szenarios und weitere Versuche einer Annexion von ukrainischem Territorium bedeuteten, «dass es mit diesem Präsidenten von Russland nichts zu bereden gibt», betonte Selenski. (dpa)

23:37

Pentagon liefert moderne Raketenabwehrsysteme

Das Pentagon will die Ukraine in den kommenden zwei Monaten mit zwei Raketenabwehrsystemen vom Typ Nasams versorgen. Mit sechs weiteren der Systeme aus norwegischer Produktion könne das von Russland angegriffene Land in der Zukunft rechnen, etwa in ein oder zwei Jahren, sagte der Sprecher des US-Verteidigungsministeriums, Pat Ryder, am Dienstag vor Reportern. Jüngste Berichte, wonach die einige der Boden-Luft-Raketenabwehrsysteme schon in der Ukraine seien, seien nicht korrekt. (dpa)