Krieg in der Ukraine: Russland verlegt Iskander-Raketen an die Grenze zur Ukraine

Krieg in der UkraineRussland verlegt Iskander-Raketen an die Grenze zur Ukraine

Seit mehreren Monaten herrscht in der Ukraine Krieg. Am 19. April hat Russland eine gross angelegte Offensive auf die Ostukraine gestartet. 20 Minuten liefert die aktuellsten News zum Krieg.

von
Newsdesk
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22. Mai
22. Mai

Russland hat nach ukrainischen Angaben taktische Iskander-Kurzstreckenraketen nach Belgorod nahe der ukrainischen Grenze verlegt. Die Raketen können mit nuklearen Sprengköpfen ausgestattet werden und haben eine Reichweite von rund 500 Kilometern.

REUTERS
21. Mai
21. Mai

Russland erwägt den Austausch von gefangengenommenen Kämpfern des ukrainischen Asow-Regiments gegen den pro-russischen Geschäftsmann Viktor Medwedtschuk.

AFP
21. Mai
21. Mai

Am Samstag hat die russische Militärführung den Abschuss einer «grossen» Ladung westlicher Waffen, die für die Ukraine bestimmt waren, vermeldet.

IMAGO/SNA

Das Wichtigste im Überblick:

  • Seit 24. Februar führt die russische Armee einen Angriffskrieg gegen die Ukraine.

  • Es gibt Bombardierungen und Raketenangriffe, die auch zivile Einrichtungen treffen.

  • Mehrere Verhandlungen der beiden Parteien sind bisher gescheitert.

  • Helfer bezeichneten die humanitäre Situation insbesondere in südlichen Mariupol als «katastrophal». Die Stadt am Asowschen Meer ist seit Wochen umkämpft und praktisch vollständig zerstört.

  • Russland werden schwere Kriegsverbrechen vorgeworfen. So sollen die russischen Truppen verbotene Brandbomben einsetzen. Vor allem in Kiews Vorstädten wurden Massengräber mit Hunderten hingerichteter Zivilisten entdeckt. Zudem kam es offenbar zu Massenvergewaltigungen.

  • Seit Kriegsbeginn befinden sich nach UN-Angaben mehr als 4,4 Millionen Menschen auf der Flucht. Die Schweiz rechnet bis Herbst mit bis zu 120'000 zu uns geflüchteten Ukrainerinnen und Ukrainern.

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Sonntag, 22.05.2022

Russland verlegt Iskander-Raketen an die Grenze

Laut dem ukrainischen Generalstab hat Russland Abschussvorrichtungen für ballistische Kurzstreckenraketen des Typs Iskander-M in Belgorod an der Grenze zur Ukraine verlegt. Das Iskander-System kann nebst Raketen auch Marschflugkörper verschiessen und mit atomaren Sprengköpfen versehen werden. Die Raketen haben eine Reichweite von rund 500 Kilometer.

Selenski fordert weitere Sanktionen gegen Russland

Der ukrainische Präsident Wolodimir Selenski hat weitere Sanktionen gegen Russland gefordert. Darüber habe er auch mit Italiens Regierungschef Mario Draghi gesprochen, sagte das Staatsoberhaupt in einer in der Nacht zum Sonntag veröffentlichten Videobotschaft. Viele westliche Staaten haben bereits beispiellose Strafmassnahmen gegen Russland verhängt.

Die russische Armee habe seit Beginn des Kriegs vor gut drei Monaten 1873 Bildungseinrichtungen in der Ukraine zerstört, sagte Selenski. «Russland hat praktisch alle seine Ressourcen geschickt, um uns zu zerstören.»

Rauch im Donbass. (Archivbild)

Rauch im Donbass. (Archivbild)

AFP

Die Situation im Donbass sei äusserst schwierig, ergänzte der Präsident. Die russische Armee versuche die Städte Slawjansk und Sewerodonezk anzugreifen. «Die Streitkräfte der Ukraine halten diese Offensive zurück.» Jeder Tag, an dem die Verteidiger die Pläne Russlands durchkreuzten, sei ein konkreter Beitrag auf dem Weg zum Sieg.

Zugleich warnte Selenski davor, dass der Krieg in jenen Landesteilen in Vergessenheit geraten könnte, in denen aktuell nicht gekämpft werde. Man dürfe nicht unvorsichtig sein, mahnte er. «Ukrainer sterben jeden Tag für unsere Unabhängigkeit.» Der Krieg sei noch nicht vorbei. «Wir müssen noch weiter kämpfen.» (DPA)

Ukraine: Neun russische Angriffe abgewehrt

Die ukrainischen Streitkräfte haben am Samstag nach eigener Darstellung neun Angriffe russischer Truppen in den Gebieten Donezk und Luhansk in der Ostukraine abgewehrt. An vier anderen Orten «wird derzeit mit dem Besatzer gekämpft», teilte die ukrainische Armee am Samstagabend in Kiew mit. Im Laufe des Tages seien etwa fünf Panzer, vier Artilleriesysteme und eine Drohne zerstört worden. Russland setzt laut dem Lagebericht entlang der gesamten Front etwa Kampfflugzeuge, Raketenwerfer, Panzer und Mörser ein.

Die Armee der Ukraine warf dem Nachbarland vor, auf 40 Dörfer in den Gebieten Donezk und Luhansk geschossen zu haben. Dabei seien 13 Häuser beschädigt worden. Ziel seien zudem eine Bahnstation und ein Friedhof gewesen. Diese Angaben liessen sich nicht überprüfen.

Im Gebiet Saporischschja im Süden der Ukraine hat die dortige Verwaltung nach eigenen Angaben vermehrt Flüge russischer Drohnen beobachtet. Das russische Militär habe die Luftaufklärung verstärkt, hiess es. Zudem seien Kolonnen von Militärfahrzeugen gesichtet worden. Saporischschja liegt nordwestlich der inzwischen von Russland eingenommenen ukrainischen Hafenstadt Mariupol am Asowschen Meer. (DPA)

Samstag, 21.05.2022

Moskau erwägt Austausch von Asow-Kämpfern gegen Putin-Vertrauten Medwedtschuk

Russland erwägt den Austausch von gefangengenommenen Kämpfern des ukrainischen Asow-Regiments gegen den pro-russischen Geschäftsmann Viktor Medwedtschuk. «Wir werden die Frage prüfen», sagte der russische Abgeordnete und Unterhändler bei den Verhandlungen mit Kiew, Leonid Slutski, am Samstag nach Angaben der Nachrichtenagentur RIA Nowosti.

Medwedtschuk gilt als Vertrauter des russischen Präsidenten Wladimir Putin. Der ukrainische Politiker und Unternehmer, der zu den reichsten Menschen des Landes gehört, war im vergangenen Jahr in der Ukraine wegen Hochverrats angeklagt und unter Hausarrest gestellt worden. Kurz nach Beginn des russischen Militäreinsatzes in der Ukraine am 24. Februar tauchte er aber unter, eher er Mitte April festgenommen wurde.

Russland hatte am Freitag die «vollständige Befreiung» des Asow-Stahlwerks im ukrainischen Mariupol gemeldet. Die letzten Soldaten in dem Industriekomplex, unter ihnen Mitglieder des Asow-Regiments, hätten sich ergeben, teilte die russische Armee mit.

Viktor Medwedtschuk gilt als Vertrauter des russischen Präsidenten Wladimir Putin.

Viktor Medwedtschuk gilt als Vertrauter des russischen Präsidenten Wladimir Putin.

AFP

Das Asow-Regiment wird von Moskau als «neonazistisch» bezeichnet. Am kommenden Donnerstag soll das oberste russische Gericht einen Antrag auf Einstufung des Regiments als «terroristische Organisation» prüfen, was einen Austausch dieser Gefangenen erschweren könnte. (AFP)

Hebt Russland Alterslimite für Soldaten auf?

Wie die britische Zeitung «The Guardian» berichtet, denkt die militärische Führung in Moskau darüber nach, die Alterslimite für Soldaten aufzuheben. Bislang darf nur in die Armee eintreten, wer zwischen 18 und 40 Jahre alt ist (Ausländer, die dem Korps beitreten wollen, müssen gar unter 30 Jahre alt sein). Künftig könnte diese Bestimmung wegfallen. Grund für die mögliche Änderung dürften die bislang ausgebliebenen Siege auf dem Schlachtfeld in der Ukraine und die damit einhergehenden hohen Verlustzahlen auf russischer Seite sein.

Sorgen um Moldau

Grossbritanniens Aussenministerin Liz Truss hat eine militärische Ausrüstung der an der Grenze zur Ukraine gelegenen Republik Moldau nach «Nato-Standard» gefordert, um das Land vor einer russischen Aggression zu schützen. Grossbritannien prüfe derzeit gemeinsam mit seinen Verbündeten, wie die Ukraine «dauerhaft wehrfähig» gemacht werden könne, sagte Truss in einem am Samstag veröffentlichten Interview mit der Zeitung «The Telegraph». Dasselbe gelte für andere «gefährdete Staaten» wie Moldau.

Ein Willkommensschild in der von Separatistin kontrollierten Region Transnistrien

Ein Willkommensschild in der von Separatistin kontrollierten Region Transnistrien

AFP

Vor Truss hatten bereits andere westliche Politiker die Befürchtung geäussert, dass sich der Ukraine-Krieg auf die benachbarte Republik Moldau ausweiten könnte. Die Ex-Sowjetrepublik gilt als ärmstes Land Europas. In ihrem Osten liegt die von pro-russischen Separatisten kontrollierte Region Transnistrien, die sich im Zuge des Zerfalls der Sowjetunion abgespalten hatte, deren Eigenständigkeit international aber nicht anerkannt wird. (AFP)

Russland zerstört westliche Waffenlieferung

Russland hat nach eigenen Angaben eine «grosse» Lieferung westlicher Waffen im Nordwesten der Ukraine zerstört. Die russische Armee habe mit «hochpräzisen seegestützten Langstreckenwaffen» vom Typ Kalibr eine «grosse Ladung Waffen und Militärausrüstung in der Nähe des Bahnhofs Malyn in der Schotoymr-Region zerstört», teilte das Verteidigungsministerium in Moskau am Samstag mit. Die Lieferung habe die Ukraine von den «Vereinigten Staaten und europäischen Ländern» erhalten. Dem Ministerium zufolge waren die westlichen Waffenlieferungen für die ukrainischen Truppen in der ostukrainischen Donbass-Region bestimmt. (AFP)

Russland intensiviert seine Angriffe im Osten der Ukraine

Nach der kompletten Einnahme der Hafenstadt Mariupol versuchen die russischen Truppen offenbar, auch die letzten ukrainischen Stellungen in der Region zu erobern. «Der Feind hört nicht auf, offensive Operationen in der östlichen Kampfzone zu führen», schrieb am Samstag der ukrainische Generalstab auf Facebook. Ziel der Angreifer sei es, «die totale Kontrolle der Regionen Donezk und Luhansk zu erringen und einen Landkorridor zur besetzten Krim zu haben».

«Die Angriffe im Donbass gehen weiter», hatte zuvor auch schon der ukrainische Präsident Wolodimir Selenski in seiner abendlichen Videobotschaft erklärt. Mehrere Städte seien bereits so wie Mariupol «komplett zerstört» worden. «Nun versuchen sie, das Gleiche mit Sewerodonezk und vielen anderen Städten zu machen.» AFP

Moody's senkt Kreditwürdigkeit der Ukraine

Die US-Ratingagentur Moody’s hat die Kreditwürdigkeit der Ukraine angesichts des russischen Angriffskriegs gegen das Land erneut herabgestuft. Das Herabsenken um eine Stufe auf Caa3 versah Moody’s am Freitag mit einem negativen Ausblick – weitere Abstufungen könnten also folgen. Anfang März hatte Moody’s die Kreditwürdigkeit der Ukraine bereits um zwei Stufen von B3 auf Caa2 gesenkt.

Als Grund für die erneute Herabstufung gab die Ratingagentur «einen länger währenden militärischen Konflikt, als Moody’s anfänglich erwartet hatte», an. Dies erhöhe das Risiko einer Restrukturierung der ukrainischen Schulden und von Verlusten für Gläubiger in der Privatwirtschaft. Trotz umfangreicher finanzieller Unterstützung durch die internationale Gemeinschaft bestehe die Gefahr, dass sich der deutliche Anstieg der ukrainischen Staatsverschuldung «als mittelfristig untragbar» erweise, erklärte Moody’s. (AFP)

Kasparow und Chodorkowski sind nun «ausländische Agenten»

Die russische Regierung hat den früheren Schach-Weltmeister Garri Kasparow und den Kreml-Kritiker Michail Chodorkowski auf ihre Liste der «ausländischen Agenten» gesetzt. Der 59 Jahre alte Kasparow und der 58-jährige Ex-Tycoon Chodorkowski liessen sich ihre Aktivitäten auch durch «Quellen» in der Ukraine finanzieren, begründete das russische Justizministerium den Schritt am Freitag in einer aktualisierten Fassung seiner Liste der «ausländischen Agenten».

Der frühere Schach-Weltmeister Garri Kasparow.

Der frühere Schach-Weltmeister Garri Kasparow.

AFP

Für sie gelten zahlreiche Beschränkungen und Auflagen, unter anderem müssen sie ihren Status als «ausländische Agenten» bei all ihren Veröffentlichungen angeben. Die Einstufung erinnert an die Diffamierung von Kritikern in der Sowjetunion als «Feinde des Volkes» und wird in grossem Ausmass gegen Oppositionspolitiker sowie regierungskritische Journalisten und Menschenrechtsaktivisten eingesetzt. Der Kreml wirft ihnen vor, ihre Aktivitäten aus dem Ausland finanzieren zu lassen.

Der bekannte frühere Schach-Weltmeister Kasparow ist seit langem ein Kritiker von Russlands Staatschef Wladimir Putin. Er lebt seit fast einem Jahrzehnt in den USA.

Chodorkowski war in den 90er Jahren einer der mächtigsten Geschäftsleute in Russland, bevor er nach Putins Amtsübernahme im Jahr 2000 mit dem Kreml in Konflikt geriet. Die Zeit zwischen 2003 und 2013 brachte er in russischer Haft zu, danach ging er ins Exil. Jahrelang unterstützte Chodorkowski die oppositionelle Organisation Offenes Russland finanziell. Im Mai vergangenen Jahres löste sich die Organisation angesichts wachsenden Drucks auf. (AFP)

Freitag, 20.05.2022

Russische Armee meldet «vollständige Befreiung» des Asow-Stahlwerks in Mariupol

Die russische Armee hat die «vollständige Befreiung» des Asow-Stahlwerks im ukrainischen Mariupol nach der Kapitulation der letzten verbliebenen ukrainischen Soldaten gemeldet. «Heute am 20. Mai hat sich die letzte Gruppe von 531 Kämpfern ergeben», teilte Igor Konaschenkow, Sprecher des russischen Verteidigungsministeriums, im Messengerdienst Telegram am Freitag mit. Insgesamt hätten sich seit Montag «2439 Nazis des Asow(-Regiments) und ukrainische Soldaten, die in der Fabrik festsassen, ergeben».

In der ukrainischen Hafenstadt Mariupol haben sich nach russischen Angaben alle Kämpfer in dem belagerten Stahlwerk Asowstal ergeben.

In der ukrainischen Hafenstadt Mariupol haben sich nach russischen Angaben alle Kämpfer in dem belagerten Stahlwerk Asowstal ergeben.

AFP

Präsident Wladimir Putin sei von Verteidigungsminister Sergej Schoigu über «das Ende des Einsatzes und die vollständige Befreiung des Kombinats (Asow-Stahl) und der Stadt Mariupol» informiert worden, hiess es weiter. Der Anführer des ukrainischen Asow-Regiments habe sich ergeben und sei in einem «gepanzerten Spezialfahrzeug» aus der Fabrik gebracht worden, um zu verhindern, dass er von feindseligen Einwohnern angegriffen werde. (AFP)

Türkei provoziert Griechen und USA mit Überflügen nahe US-Basis

Zwei türkische Kampfjets sind am Freitag in den griechischen Luftraum eingedrungen und haben sich bis auf 2,5 Kilometer der nordöstlichen Hafenstadt Alexandroupolis genähert. Das Aussenministerium in Athen sprach von einer «beispiellosen Verletzung der nationalen Souveränität». Es handele sich um eine «ganz klare Eskalation türkischer Provokationen».

Dass türkische Bomber griechischen Luftraum verletzen und sogar über bewohnte Gebiete fliegen, passierte zuletzt fast täglich. Neu ist jedoch, dass sie den Hafen von Alexandroupolis ansteuern. Dort unterhält das US-amerikanische Militär eine Basis, über die Kriegsgerät per Landweg binnen weniger Stunden an die Grenze der Ukraine transportiert werden kann. Ankara ist die US-griechische Kooperation ein Dorn im Auge – die USA umgehen damit den Seeweg über die Meerenge der Dardanellen und über den Bosporus.

Die Aktion untergrabe den Zusammenhalt und die Prioritäten der Nato und stellte eine klare Bedrohung der EU dar, da der Hafen von Alexandroupolis ein wichtiger Verkehrsknotenpunkt für die Verbündeten sei, teilte das griechische Aussenministerium weiter mit. Athen habe beim türkischen Botschafter Protest eingelegt; zudem seien die EU, die Nato und die Vereinten Nationen (UN) informiert worden.

Die Überflüge der türkischen Kampfjets könnten im Zusammenhang mit dem Veto Ankaras zum Beitritt Schwedens und Finnlands zur Nato stehen.

Die Überflüge der türkischen Kampfjets könnten im Zusammenhang mit dem Veto Ankaras zum Beitritt Schwedens und Finnlands zur Nato stehen.

REUTERS

Die Beweggründe Ankaras sind unklar; bisher galten Überflüge türkischer Kampfjets als Mittel, die Souveränität griechischer Inseln in Frage zu stellen. Allerdings steht nun auch das Veto Ankaras zum Beitritt Schwedens und Finnlands zur Nato im Raum. (DPA)

Ukraine erhält im Juli erste Gepard-Panzer aus Deutschland

Die Ukraine erhält im Juli die ersten 15 Flugabwehrkanonenpanzer Gepard aus Beständen der deutschen Industrie. Das ist das Ergebnis eines Gesprächs der deutschen Verteidigungsministerin Christine Lambrecht (SPD) mit ihrem ukrainischen Amtskollegen Olexij Resnikow am Freitag, wie die Deutsche Presse-Agentur in Berlin erfuhr. Zu dem Paket gehören demnach auch Ausbildungsunterstützung durch die Bundeswehr, die Bereitstellung von knapp 60'000 Schuss Munition sowie eine Lieferung von weiteren 15 Panzern noch im Sommer.

«Ich habe heute mit meinem ukrainischen Kollegen Resnikow gesprochen, und er hat ausdrücklich nochmals bestätigt, dass die Ukraine die schnellstmögliche Lieferung von Gepard-Flugabwehrpanzern einschliesslich der vorhandenen 59'000 Schuss Munition aus Deutschland wünscht», sagte Lambrecht nach der Videoschalte mit Resnikow. Dieser habe die Leistungsfähigkeit des Systems besonders hervorgehoben.

«Ich begrüsse diese klare Entscheidung ausdrücklich. Der Gepard ist eine wirkungsvolle Waffe, die auch eine erhebliche Abschreckungswirkung hat – etwa zum Schutz kritischer Infrastruktur», sagte Lambrecht. «Gemeinsam arbeiten wir nun daran, dass die ersten 15 Geparden ab Mitte Juli mit fertig ausgebildeten Besatzungen einsatzbereit sind.»

Noch im Sommer wird die deutsche Industrie der Ukraine eine zweistellige Zahl von Gepard-Panzern liefern.

Noch im Sommer wird die deutsche Industrie der Ukraine eine zweistellige Zahl von Gepard-Panzern liefern.

REUTERS

Der Hersteller Krauss-Maffei Wegmann hatte nach einem Ringen um die Lieferung schwerer Waffen von der Bundesregierung politisch grünes Licht für den Verkauf der technisch aufgearbeiteten Flugabwehrpanzer aus früheren Bundeswehr-Beständen erhalten. Krauss-Maffei Wegmann verfügt über eine mittlere zweistellige Zahl aus der aufgelösten Heeresflugabwehr der Bundeswehr – die Rede ist von insgesamt 50 Stück. Der Gepard kann auch im Kampf gegen Bodenziele eingesetzt werden.

Deutschland wird der Ukraine auch sieben Panzerhaubitzen 2000 liefern. Die Ausbildung ukrainischer Soldaten auf dem Waffensystem läuft bereits. Resnikow schrieb am Freitag auf Twitter, es habe ein sehr produktives Gespräch mit Lambrecht gegeben. Es sei der Beginn eines wichtigen neuen Projektes besprochen worden. (DPA)

Kiew ordnet Ende der Verteidigung von Mariupol an

Das ukrainische Militär hat die verbleibenden Kämpfer des Asow-Regiments im Mariupoler Industriekomplex Asow-Stahl laut dessen Anführer angewiesen, die Verteidigung der Stadt aufzugeben. «Das höhere Militärkommando hat den Befehl gegeben, das Leben der Soldaten unserer Garnison zu retten», sagte der Asow-Kommandeur Denys Prokopenko in einem am Freitag veröffentlichten Video. Es werde daran gearbeitet, die Leichen getöteter Kämpfer aus der Anlage zu bringen. (AFP)

Mariupol ist nach wochenlangen Kämpfen fast komplett zerstört.

Mariupol ist nach wochenlangen Kämpfen fast komplett zerstört.

AFP

G7-Staaten geben Ukraine zusätzliche 9,5 Milliarden Dollar

Die sieben führenden Industrienationen wollen die Ukraine mit zusätzlichen, kurzfristigen Budgethilfen in Höhe von 9,5 Milliarden Dollar (knapp 9,25 Mrd. Franken) unterstützen. Darauf verständigten sich die Finanzminister der G7-Staaten am Freitag auf dem Petersberg bei Bonn. Seit Jahresbeginn hätten sie damit insgesamt 19,8 Milliarden Dollar an Finanzhilfen für die Ukraine mobilisiert, hiess es in der Abschlusserklärung des Ministertreffens. Das Geld soll helfen, die grundlegenden staatlichen Leistungen des kriegsgebeutelten Landes aufrechtzuerhalten und Finanzierungslücken zu schliessen.

«Wir stehen an der Seite der Ukraine», betonte der deutsche Finanzminister Christian Lindner (FDP). Die finanzielle Situation des Landes dürfe nicht seine Möglichkeiten einschränken, militärisch zu agieren und sich gegen den russischen Angriff zur Wehr zu setzen. Das Hilfspaket werde sicherstellen, dass die Ukraine in der voraussehbaren Zukunft finanziell handlungsfähig sei.

Ob die G7-Finanzminister mit ihren Zusagen an die Ukraine die Erwartungen erfüllen, ist umstritten.

Ob die G7-Finanzminister mit ihren Zusagen an die Ukraine die Erwartungen erfüllen, ist umstritten.

via REUTERS

Allerdings sind nicht alle der zugesagten 9,5 Milliarden Dollar auch tatsächlich Zuschüsse. Rund eine Milliarde komme in Form von Garantien oder Krediten, hiess es aus dem Finanzministerium. Deutschland gebe Zuschüsse in der Grössenordnung einer Milliarde, die USA hätten zugesagt, 7,5 Milliarden zu mobilisieren. Zu den G7 gehören ausserdem Grossbritannien, Frankreich, Italien, Japan und Kanada. (DPA)

Russland stoppt Gaslieferungen an Finnland

Russland stellt am Samstag seine Erdgaslieferungen an das Nachbarland Finnland ein. Der finnische Energiekonzern Gasum teilte am Freitag mit, es sei «höchst bedauerlich», dass die vertraglich vereinbarten Lieferungen nun ausgesetzt würden. Auf diese Situation sei das Unternehmen aber vorbereitet, sodass es nicht zu Versorgungsproblemen kommen werde.

Finnland und Schweden haben wenige Monate nach Beginn des russischen Angriffs gegen die Ukraine ihre lange gepflegte Neutralität aufgegeben und um Aufnahme in der Nato angesucht. Russland hat daraufhin mit Vergeltung gedroht. (AFP)

Schröder verlässt Posten als Aufsichtsratschef

Der frühere Bundeskanzler Gerhard Schröder will den Aufsichtsrat beim russischen Ölkonzern Rosneft verlassen. Schröder, der Rosneft-Aufsichtsratschef ist, habe mitgeteilt, dass es ihm unmöglich sei, sein Mandat in dem Gremium zu verlängern, teilte der Konzern am Freitag mit. Details wurden nicht genannt. (DPA)

Gerhard Schröder steht wegen seiner Nähe zu Wladimir Putin in der Kritik.

Gerhard Schröder steht wegen seiner Nähe zu Wladimir Putin in der Kritik.

imago images/localpic

Russland baut im Westen des Landes zum Schutz vor Nato Militärbasen

Als Antwort auf die Ausweitung der Nato will Russland im Westen des Landes zwölf neue Militärstützpunkte errichten. Verteidigungsminister Sergej Schoigu sagte am Freitag nach Angaben russischer Nachrichtenagenturen: «Bis Ende des Jahres werden zwölf Militärbasen und Einheiten im westlichen Militärbezirk eingerichtet.»

Schoigu prangerte demnach «die Zunahme der militärischen Bedrohungen an den russischen Grenzen» an und beschuldigte die USA und die Nato. In dieser Woche hatten Finnland und Schweden ihren Beitritt zur Nato beantragt. Schoigu sprach den Angaben zufolge vor ranghohen Vertretern seines Ministeriums und des Militärs. (afp)

Ukraine meldet zwölf Tote

Das russische Militär hat nach ukrainischen Angaben die Städte Lyssytschansk und Sewerodonezk im Osten des Landes angegriffen. Der Gouverneur der Region Luhansk, Serhij Haidai, teilte am Freitag in der Telegram-App mit, in Sewerodonezk seien dabei zwölf Menschen getötet worden. Mehr als 60 Häuser in der gesamten Region seien zerstört worden.

Der Gouverneur beschrieb den Angriff auf Sewerodonezk als erfolglos: «Die Russen erlitten personelle Verluste und zogen sich zurück.» Seine Angaben konnten nicht unabhängig geprüft werden. Der ukrainische Generalstab teilte am Freitagmorgen ebenfalls mit, die russischen Streitkräfte hätten versucht, Sewerodonezk anzugreifen. Sie hätten aber Verluste erlitten und sich zurückgezogen.

Wenige Kilometer weiter südlich an der Gebietsgrenze zwischen Luhansk und Donezk gibt es demnach Kämpfe um die Ortschaften Wyskrywa und Olexandropillja, etwa zehn Kilometer östlich der Kleinstadt Bachmut. Diese gilt als ein weiteres strategisches Zwischenziel der russischen Angriffe. Erfolge hätten die russischen Offensivbemühungen hier genauso wenig erzielt wie die anhaltenden Sturmversuche in Awdijiwka und Kurachowe, heisst es in dem Lagebericht. Insgesamt seien 14 Attacken in den Gebieten Donezk und Luhansk abgewehrt worden.

Im Gebiet Charkiw, wo die Ukrainer in den letzten Wochen zur Gegenoffensive übergegangen sind, konnte Kiew keine weiteren Gebietsgewinne vermelden. Die russischen Truppen konzentrierten sich hier auf die Verteidigung ihrer Frontlinie. Kämpfe gebe es um die Ortschaften Ternowa und Wesele, heisst es. Von unabhängiger Seite konnten die Berichte nicht überprüft werden. (DPA)

Die russischen Truppen hätten laut ukrainischen Angaben ihrerseits hohe Verluste erlitten.

Die russischen Truppen hätten laut ukrainischen Angaben ihrerseits hohe Verluste erlitten.

IMAGO/ZUMA Wire

Das war die Nacht auf Freitag

Die Ukraine kann ihren Abwehrkampf gegen Russland mit neuen milliardenschweren Hilfen aus den USA fortführen. Gut eine Woche nach dem Repräsentantenhaus verabschiedete am Donnerstag auch die andere Kongresskammer, der Senat, mit grosser Mehrheit das Paket mit einem Volumen von fast 40 Milliarden Dollar. Sechs Milliarden Dollar sind für direkte militärische Hilfe für die Ukraine vorgesehen, die von Russland vor fast drei Monaten angegriffen wurde. US-Präsident Joe Biden muss das Gesetzespaket noch unterzeichnen.

US-Präsident Biden begrüsste die Zustimmung zu dem Milliardenpaket als klares Zeichen an die ganze Welt, wie die USA zur Ukraine stünden. Von den knapp 40 Milliarden Dollar entfällt rund die Hälfte auf den Verteidigungsbereich. Neben direkten Waffenlieferungen sollen mit weiteren Milliardenbeträgen US-Lagerbestände wieder mit militärischer Ausrüstung aufgefüllt werden, die an die Ukraine geschickt wurde. Andere Mittel sind vorgesehen für humanitäre Hilfe für Flüchtlinge aus der Ukraine oder für Menschen weltweit, die infolge des Krieges Hunger leiden. Die US-Regierung hatte zuvor schon mehrere grosse Pakete zur Unterstützung der Ukraine auf den Weg gebracht.

Der ukrainische Präsident Wolodimir Selenski dankte für die Hilfe. Er stellte in seiner abendlichen Videoansprache aber auch klar, dass die Ukraine in ihrem Widerstand selbst jeden Monat Milliarden verliere. «Um im Krieg um die Freiheit bestehen zu können, brauchen wir schnelle und ausreichende finanzielle Unterstützung», sagte er. Die ausländischen Partner der Ukraine sollten Hilfen nicht als Geschenk sehen. «Das ist ihr Beitrag zu ihrer eigenen Sicherheit.»

Allein im Gebiet Donesk wurden nach Behördenangaben fünf Menschen getötet.

Allein im Gebiet Donesk wurden nach Behördenangaben fünf Menschen getötet.

AFP

Die Kämpfe zwischen russischen und ukrainischen Truppen gingen vor allem im Osten der Ukraine im Donbass weiter. Das Kommando der ukrainischen Kräfte in der Region berichtete am Donnerstag davon, dass 14 feindliche Angriffe abgewehrt worden seien. Überprüfbar waren die Angaben nicht. Als ein Anzeichen für die Härte der Kämpfe wurden erneut zahlreiche zivile Todesopfer verzeichnet.

Selenski bezeichnete die Situation im Donbass als «Hölle». Die Armee arbeite weiter an der Befreiung der Region Charkiw, sagte der Präsident. «Aber im Donbass versuchen die Besatzer, den Druck zu erhöhen. Da ist die Hölle, und das ist keine Übertreibung.»

Die Befehlshaber des letzten militärischen Widerstands der Ukraine in Mariupol befinden sich nach eigenen Angaben immer noch im Asow-Stahlwerk.

Die Befehlshaber des letzten militärischen Widerstands der Ukraine in Mariupol befinden sich nach eigenen Angaben immer noch im Asow-Stahlwerk.

AFP

Aus dem umkämpften Stahlwerk Asowstal in Mariupol meldeten sich die letzten ukrainischen Verteidiger zu Wort. Ukrainische Medien verbreiteten am Donnerstag ein Video mit dem Vize-Kommandeur des Regiments Asow, Swjatoslaw Palamar. «Ich und das Kommando sind auf dem Werkgelände von Asowstal. Es läuft eine gewisse Operation, zu deren Details ich nichts sagen werde», sagte Palamar. Die Echtheit des Videos war nicht sofort zu überprüfen. Nach russischen Angaben haben sich seit Wochenbeginn 1730 ukrainische Bewaffnete ergeben, die sich in den Bunkern unter dem Stahlwerk verschanzt hatten. Sie seien in Kriegsgefangenschaft genommen worden.

In den internationalen Bemühungen um Unterstützung für die Ukraine wollen die Aussenminister der Europarats-Staaten am Freitag in Turin in Italien beraten. EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen hat vorgeschlagen, künftige Wiederaufbauhilfen für die Ukraine angesichts des EU-Beitrittswunsches des Landes an Reformen zu koppeln. «Wir werden sowieso den Wiederaufbau der Ukraine mitfinanzieren müssen», sagte von der Leyen am Donnerstag in der ZDF-Sendung «maybrit illner». Dann sei es ihrer Ansicht nach sinnvoll zu sagen: «Ja zu Investitionen, aber gleich mit den notwendigen Reformen, zum Beispiel gegen Korruption oder zum Beispiel für den Aufbau der Rechtsstaatlichkeit.»

Das bringt der Tag

In der Ukraine wird am Freitag der erste Prozess gegen einen russischen Soldaten wegen eines mutmasslichen Kriegsverbrechens fortgesetzt. Die Staatsanwaltschaft fordert lebenslange Haft für den 21-Jährigen, der einen Zivilisten erschossen haben soll.

In Brüssel treffen sich die für Entwicklung zuständigen Minister der EU-Staaten zur internationalen Ernährungslage, weil die Ukraine durch die russische Blockade als wichtiger Getreidelieferant ausfällt. (DPA)

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