Aktualisiert 26.03.2017 04:40

Abschiebung angeregt

LKA warnte vor Anschlag des Berliner Attentäters

Das Düsseldorfer Innenministerium wurde vom nordrhein-westfälischen Landeskriminalamt im März 2016 aufgefordert, Anis Amri abzuschieben.

von
chk
1 / 65
In der Nähe der Siegessäule: Die Polizei nahm zuerst einen 23-jährigen Flüchtling aus Pakistan fest und verdächtigte ihn des Anschlags (20. Dezember 2016). Screenshot: Welt

In der Nähe der Siegessäule: Die Polizei nahm zuerst einen 23-jährigen Flüchtling aus Pakistan fest und verdächtigte ihn des Anschlags (20. Dezember 2016). Screenshot: Welt

kein Anbieter
Später richtete sich der Verdacht dann gegen den Tunesier Anis Amri, von dem mittlerweile ein IS-Video aufgetaucht ist: Italienische Forensiker untersuchen den Ort in Mailand, wo Amri erschossen wurde.

Später richtete sich der Verdacht dann gegen den Tunesier Anis Amri, von dem mittlerweile ein IS-Video aufgetaucht ist: Italienische Forensiker untersuchen den Ort in Mailand, wo Amri erschossen wurde.

Keystone/Daniele Bennati
Amri war in der Nacht von einer Polizeistreife angehalten worden und hatte sich eine Schiesserei mit den Beamten geliefert.

Amri war in der Nacht von einer Polizeistreife angehalten worden und hatte sich eine Schiesserei mit den Beamten geliefert.

Keystone/Daniele Bennati

Das nordrhein-westfälische Landeskriminalamt (LKA) hat das Düsseldorfer Innenministerium einem Medienbericht zufolge bereits im März 2016 vor dem Berliner Weihnachtsmarkt-Attentäter Anis Amri gewarnt – und seine Abschiebung angeregt.

In einem vertraulichen Schreiben an das Ministerium warnte das LKA, dass der Tunesier einen Anschlag planen könnte, wie die Zeitung «Bild am Sonntag» berichtete. In dem Schreiben heisst es demnach, dass nach den bisher vorliegenden Erkenntnissen damit zu rechnen sei, «dass durch Amri eine terroristische Gefahr in Form eines (Selbstmord-)Anschlages ausgeht». Deshalb schlug das LKA vor, seine Abschiebung anzuordnen.

Als Beleg für Amris Gefährlichkeit diente den Ermittlern laut dem Blatt unter anderem ein überwachter Chat vom 2. Februar 2016. Darin kündigte Amri an, in Deutschland «eine Schwester» heiraten zu wollen. Als sein Chatpartner nicht verstand, benutzte er den Begriff «Dougma» – nach Angaben der Beamten eine «Metapher für einen Selbstmordanschlag».

Rechtlich nicht durchsetzbar

Die Abschiebung wurde allerdings nie angeordnet. Das NRW-Innenministerium kam zum Ergebnis, dass eine Abschiebung rechtlich nicht durchsetzbar sei. Auch nach dem Anschlag hatte Landesinnenminister Ralf Jäger mehrmals gesagt, es sei rechtlich nicht möglich gewesen, eine Abschiebung anzuordnen. Die neuen Details könnten Jäger weiter unter Druck bringen. Er soll am Mittwoch vor dem Untersuchungsausschuss des nordrhein-westfälischen Landtags aussagen.

Bei dem Anschlag am 19. Dezember in Berlin starben zwölf Menschen, Dutzende weitere wurden verletzt. Amri wurde Tage nach dem Lastwagen-Attentat bei einer Polizeikontrolle in Italien erschossen. (chk/sda)

Deine Meinung

Fehler gefunden?Jetzt melden.