Aktualisiert 27.12.2016 17:39

Anschlag in BerlinLKW-Fahrer wurde früher als angenommen getötet

Lukasz U. galt als Held, der das Berliner Attentat verhindern wollte. Doch die Obduktion deutet auf einen anderen Ablauf hin.

von
thu
Was sich im Lastwagen abgespielt hat, ist weiterhin unklar: Spediteur Ariel Zurawski zeigt den Medien ein Foto seines Cousins.

Was sich im Lastwagen abgespielt hat, ist weiterhin unklar: Spediteur Ariel Zurawski zeigt den Medien ein Foto seines Cousins.

Keystone

Der mutmassliche Berlin-Attentäter Anis Amri hat einem Medienbericht zufolge früher als bislang vermutet auf den polnischen Lkw-Fahrer geschossen. Das ergab die Obduktion von Lukasz U., dessen LKW Amri vor dem Attentat am Montag vergangener Woche in seine Gewalt gebracht hatte, wie die «Bild»-Zeitung berichtete. Die Bundesanwaltschaft äusserte sich dazu nicht.

Es war zuvor vermutet worden, dass der Fahrer bei dem Anschlag am Montagabend in das Lenkrad gegriffen haben könnte, um die Attacke zu beenden. Die «Bild»-Zeitung schrieb nun, Lukasz U. habe laut der Obduktion zwischen 16.30 Uhr und 17.30 Uhr einen Kopfschuss erlitten. Es sei zwar möglich, dass er zum Zeitpunkt des Attentats gegen 20 Uhr noch gelebt habe. Mediziner würden aber ausschliessen, dass er in der Lage gewesen sei, bewusst zu handeln. Die Spuren am Lenkrad seien vermutlich entstanden, als sein Körper dagegen geschleudert worden sei.

Petition für Auszeichnung

Die für die Ermittlungen zuständige Bundesanwaltschaft wollte sich zu dem Bericht nicht äussern. Einzelne Ermittlungsergebnisse würden nicht bekanntgegeben, sagte ein Behördensprecher. Er wollte sich auch zum weiteren Stand der Ermittlungen nicht äussern.

In den vergangenen Tagen waren Forderungen laut geworden, dem polnischen Lkw-Fahrer wegen seines vermuteten Eingreifens während der Ausführung des Anschlags das Bundesverdienstkreuz zu verleihen. So unterzeichneten zehntausende Menschen eine entsprechende Online-Petition.

Vor einer Woche hatte nach bisherigen Erkenntnissen der Tunesier Amri einen Lastwagen in den Berliner Weihnachtsmarkt an der Gedächtniskirche gesteuert. Bei dem Anschlag wurden zwölf Menschen getötet – darunter der polnische Lkw-Fahrer. Amri war in der Nacht zum Freitag nach mehrtägiger Flucht in einem Mailänder Vorort in eine Polizeikontrolle geraten und getötet worden. (thu/afp)

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