Reaktionen: Lob für Zinsentscheid der Nationalbank
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ReaktionenLob für Zinsentscheid der Nationalbank

Der Schweizerische Gewerkschaftsbund und der Wirtschaftsdachverband Economiesuisse finden es richtig, den Leitzins unverändert zu belassen. Die Abkühlung der Konjunktur lasse eine Zinserhöhung nicht zu.

«Die gegenwärtigen Konjunkturrisiken vertragen keine Zinserhöhung», sagte Daniel Lampart, Chefökonom des Gewerkschaftsbundes. Vor allem die Wirtschaft in den USA und die Bankenkrise setzten die Schweizer Wirtschaft unter Druck.

Mitte des Zielbandes einhalten

Trotz der Zustimmung zum Zinsentscheid kritisiert Lampart die Nationalbank: «Die Nationalbank muss auch wirklich die angestrebte Mitte des Zielbandes von 2,75 Prozent einhalten», sagte er.

«In den letzten Wochen hat sich der Zins, zu dem sich die Banken gegenseitig Geld leihen, immer klar über der Mitte des Zielbands, befunden», sagte Lampart. Der Drei-Monate-Libor liegt aktuell bei 2,92 Prozent. Die Nationalbank müsse ihre Geldpolitik leicht lockern, um das angestrebte Zinsniveau zu erreichen, sagte Lampart.

Auch Rudolf Minsch, Chefökonom der Economiesuisse, findet den Entscheid der Nationalbank, die Leitzinsen stabil zu halten, richtig. Die Konjunktur werde sich im zweiten Halbjahr abkühlen. In dieser Situation die Zinsen zu erhöhen, wäre falsch gewesen.

Hohe Inflation vorübergehend

Die hohe Inflation - die Nationalbank rechnet für dieses Jahr mit 2,7 Prozent - rechtfertigen für die beiden Verbände keine Zinserhöhung. «Die Inflation ist nur vorübergehender Natur», sagte Lampart.

Ein Prozent der Teuerung entfalle aufs Öl. Zudem könne eine Zinserhöhung in der Schweiz gegen die hohe Preise für Nahrungsmittel nichts bewirken. «Wenn man etwas für günstigere Lebensmittel tun möchte, sollte man besser die Zölle senken», sagte Lampart.

Minsch sieht ebenfalls im Ölpreis die Hauptursache für die Teuerung. «Im zweiten Halbjahr wird sich der Ölpreis stabilisieren», prognostizierte Minsch.

Auch wirke der Basiseffekt. Das heisst die Preissteigerungen gegenüber dem Vorjahr dürften im zweiten Halbjahr 2008 tiefer ausfallen, weil die Preise im zweiten Halbjahr 2007 bereits ein hohes Niveau erreicht hatten.

Analysten nicht überrascht

Die Bankanalysten äusserten sich wenig überrascht über den Entscheid der Nationalbank. Die Nationalbank warte ab, wie sich die Wirtschaft weiter entwickle, ist der Tenor. Kontrovers äussern sich die Ökonomen zur nächsten Zinsrunde im September.

Alessandro Bee von Bank Sarasin geht davon aus, dass die Zinsen auch im September nicht erhöht werden. Thorsen Polleit von Barclays Capital rechnet dagegen mit einer Erhöhung. Die Einschätzung der Nationalbank, dass die Inflation im nächsten Jahr unter 2 Prozent sinken werde, sei sehr optimistisch, sagte Polleit.

Für CS-Ökonom Fabian Heller hängt die zukünftige Preisentwicklung von Zweitrundeneffekten ab. Dabei spielt es insbesondere eine Rolle, ob die Löhne erhöht werden und ob die Firmen die höheren Einkaufspreise auf die Konsumenten überwälzen. (sda)

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